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Einrichtung besteht seit 45 Jahren

Tagesstätte St. Raphael Einrichtung besteht seit 45 Jahren

Das 45-jährige Bestehen der Tagesstätte St. Raphael wird am Sonntag, 12. Juni, mit einem großen Fest gefeiert. Die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung und deren Erwartungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert.

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Kooperieren: Martin Struck, Leiter der Pastalozzi-Förderschule, und Marie-Theres Waning-Ernst, Leiterin der Tagesstätte St. Raphael.

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt. „Sie fordern verstärkt Teilhabe und Selbstbestimmung ein“, sagt Jutta Rössing-Schmalbach, die 1971 nach der Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin ihre erste Arbeitsstelle in der neueröffneten Tagesstätte St. Raphael angetreten hat.

„Sie möchten wahrgenommen werden, wollen Aufmerksamkeit und erfahren, dass sie jemand mag, auch mit ihren Auffälligkeiten“ so die Duderstädterin, die in der Abschlussklasse tätig ist, in der die Schüler ein möglichst eigenständiges Leben mit Tages- und Finanzplanung, Einkauf und Kochen und - nicht zuletzt - Persönlichkeitsentwicklung lernen.

Wahrnehmung verändert

„Sie wollen selbstständiger werden und sie glauben daran, dass sie mehr mitgestalten können“, beschreibt die 63-Jährige einen andere Veränderung und ergänzt: „Das sehe ich auch als unsere Aufgabe an, ihnen zu vermitteln, dass sie viel können“. Verändert habe sich die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung, „Sie gehören dazu, es ist kein Ausnahmezustand mehr, wenn wir öffentliche Einrichtungen besuchen“, beschreibt sie ihre Erfahrungen.

Mit Einführung der Schulpflicht für Kinder mit geistiger Behinderung ist im Schuljahr 1977/78 eine Kooperation mit der Pestalozzi-Schule entstanden. Gestartet mit drei Schulgruppen, gibt es mittlerweile fünf Schulgruppen mit 34 Schülern.

Lehrkräfte der Pestalozzi-Schule unterrichten, fördern und betreuen gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften der Tagesstätte die Mädchen und Jungen. „Die Stundentafel ist ausgeweitet worden - von 15 in der Anfangsphase auf 26, der Fächerkanon ist an allgemeinbildende Schulen angeglichen worden“, erläutert Marie-Theres Waning-Ernst, Leiterin der Tagesstätte.

„Von der Fürsorge zur Selbstsorge“, beschreibt Schulleiter Martin Struck einen wichtigen Wandel, der dazu beiträgt, dass die Kinder und Jugendlichen selbstständiger werden. Sie würden im Unterricht motiviert, „die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und unabhängig von der Unterstützung anderer zu werden“. Es gelte das alte Montessori-Prinzip „Hilf mir es selbst zu tun“.

Räumliche Veränderung gewünscht

Struck hofft, „dass es irgendwann eine Selbstverständlichkeit ist, dass auch Menschen mit Behinderungen im ganz normalen Schulsystem und im Kindergarten bestmöglich gefördert werden können.“ Für die Tagesstätte wünscht er sich genau wie Waning-Ernst eine räumliche Veränderung. „Die Kinder und Jugendlichen gehören nicht ins Industriegebiet, sondern in die gesamtgesellschaftliche tägliche Wahrnehmung“, betont der Schulleiter.

Die Abschlussklasse, die im September zum Neutor umgezogen ist, sei in dieser Hinsicht „eine Art Vorhut“. „Auch die anderen Klassen sollten sehr zeitnah in die Innenstadt umziehen“, wobei er auch an freiwerdende Räumlichkeiten in Schulen denkt, die sich in der Innenstadt ballen würden. Der Unterricht sollte möglichst „ohne räumliche Trennung von Menschen ohne Behinderung“ erfolgen.

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