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Tagung an historischem Ort

Niederorschel Tagung an historischem Ort

40 Eichsfelder Ortschronisten haben sich zu einer Tagung mit dem Arbeitstitel „Nationalsozialismus und Kirche im Eichsfeld“ in Niederorschel getroffen - einem Ort, in dem von 1944 bis 1945 Häftlinge aus 14 Nationen in einem KZ-Außenkommando für einen Rüstungsbetrieb Zwangsarbeit verrichten mussten.

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Die Ortschronisten besichtigen das Mahnmal für die Opfer des KZ-Außenkommandos Buchenwald in Niederorschel.

Quelle: Mühlhaus

Niederorschel. Hauptreferent Thorsten W. Müller, Leiter des „Heimatmuseums Heiligenstadt“, blickte zu Beginn seines Vortrags auf die allgemeine Situation im Jahr 1933, als die Katholiken 32 Prozent der Wohnbevölkerung im Deutschen Reich ausmachten und die katholische Kirche einer der Reichsfeinde war, wie der Eichsfelder betonte. Unter anderem hätten Institutionen und kirchenzugewandte Medien wie katholische Tageszeitungen schon früh unter der redaktionellen und wirtschaftlichen Kontrolle des Staates gestanden. Ab 1938 sei die Kirche gänzlich auf ihren innerkirchlichen Wirkungsraum beschränkt gewesen. Anschließend sprach Müller über die Situation während des Dritten Reichs im Eichsfeld.

Das Eichsfeld habe bei der Reichstagswahl im März 1933 mehrheitlich für die katholische Zentrumspartei gestimmt. Die NSDAP habe nur rund ein Viertel der Stimmen erhalten, betonte der Referent und fügte hinzu, dass sich das Wahlverhalten in den angrenzenden Kreisen genau umgekehrt dargestellt habe. „Besonders auf dem rein katholischen Eichsfeld steht die Bevölkerung zum allergrößten Teil dem nationalsozialistischen Staat völlig ablehnend gegenüber“, zitierte Müller den Lagebericht, den die Staatspolizeistelle Erfurt im Juli 1934 herausgab. Hunderte Priester und Ordensgeistliche waren wegen ihrer religiösen Ausrichtung während der Naziherrschaft aus dem Landstrich verschleppt, eingesperrt und ermordet worden.

Nach dem Angriff auf Polen 1939, so der Referent, sei auch im Eichsfeld vom Machtapparat nur noch ein sogenanntes „Sakristeichristentum“ geduldet worden. „Das bedeutete, dass Kirche außerhalb des Gotteshauses nicht mehr in Erscheinung treten sollte. So wurden Prozessionen und Wallfahrten, aber auch das rege Vereinsleben von katholischen Eichsfelder Fußballvereinen, von denen es zahlreiche gab, verboten“, so der Historiker. Denen, die gegen das totalitäre Regime aufbegehrten, drohten Restriktionen. Am Nachmittag gingen die Ortchronisten zum Bahnhof von Niederorschel, dem Beginn des im vergangenen Jahr eingeweihten „Weges der Erinnerungen“. An den damaligen Verladerampen kamen im letzten Kriegsjahr innerhalb von acht Monaten mehr als 700 Häftlinge aus Auschwitz und Buchenwald mit Zugwaggons an. Sie mussten unweit der Bahnstation in einem Betrieb unter unmenschlichen Bedingungen Flugzeugteile für die Rüstungsindustrie zusammenbauen. 19 der zumeist jüdischen Häftlinge starben während der Haft.

Am Mahnmal für die Opfer des KZ-Außenkommandos legten die Ortschronisten von Steinbach und Niederorschel, Peter Anhalt und Wolfgang Große, einen Kranz nieder.

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