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Theater in Mingerode: Heiratsschwindel in der Schönheitsklinik

Laientheatergruppe führt „Jubel, Trubel, Eitelkeit“ auf Theater in Mingerode: Heiratsschwindel in der Schönheitsklinik

Die Titelmelodie der Schwarzwaldklinik zu Beginn genügt, und das Publikum kichert. Ein Auftritt von Werner Grobecker als skrupelloser Schönheitschirurg Roland Meister wenige Sekunden später, und die rund 200 Zuschauer im proppenvollen Mingeröder Ratskeller lachen Tränen.

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Frisch operiert: Heiratsschwindler Felix Engel (2.v.r.) betrachtet im Spiegel, wie ihn Chirurg Roland Meister (M.) zugerichtet hat.

Quelle: Schauenberg

Mit einer Stimme, die klingt, als sei sie zuvor mit zehn Whiskeys geölt worden, und deutlich vernehmbarem Eichsfelder Dialekt begrüßt er  röhrend seinen von Sebastian Wüstefeld verkörperten alten Freund, den Heiratsschwindler Moritz Engel in der edlen Schönheitsklinik Schwanensee – oder besser gesagt an einer Begegnungsstätte der Naiven und Bekloppten.

„Jubel, Trubel, Eitelkeit“ heißt das Stück, das die Mingeröder Laientheatergruppe an drei Abenden inszeniert. Das halbe Dorf ist auf den Beinen, um es zu sehen – alt und jung bunt gemischt. „Es ist Jahr für Jahr ein lustiger Abend“, sagt der 27-jährige Nikolas Koch. „Ich bin noch nie enttäuscht worden.“ Das wird er auch dieses Mal nicht.

Heiratsschwindler Engels ist auf der Flucht. Der Vater seines letzten Opfers Tilly König (Karina Hoppmann) hat Auftragskiller auf ihn gehetzt. Nun muss eine OP her, um sich eine neue Identität zu verschaffen. Und, um sich eine neue Ehefrau in spe zu suchen. Wie passend, dass die verfressene Lotto-Millionärin Rosa Schulze (Ines Mantel) am selben Tag in der Klinik eincheckt, um sich Fett absaugen zu lassen, nachdem ihre Döner-Diät überraschenderweise nicht von Erfolg gekrönt war. Weitere semi-debile Charaktere wie der schwachsinnige Kunstwerke erschaffende und schizophrene Kuno von Kaienberg – stark gemimt von Julia Otto –, die abgehobene Adelige Herlinde von Hohenstein (Gaby Kunze) und Kampflesben-Polizistin Astrid Sacher (Marita Grobecker) lassen die Geschichte Fahrt aufnehmen.

Die Story, die ein wenig an eine Heimatkomödie aus den 60er-Jahren erinnert, ist zwar ebenso vorhersehbar wie ein Großteil der Pointen. Das macht sie jedoch nicht minder witzig. Praktisch alle zwei Minuten bebt der Saal vor lauter Lachen. Besonders die sympathischen Schauspieler beleben die drei Akte, beispielsweise wenn sie über ihre eigenen Gags schmunzeln müssen. Da ist Sandy Goldmann, welche die gewissenhafte Assistenzärztin und Verlobte von Meister spielt. Oder Jenny Laurisch-Mantel als ungebildete, tratschende Arzthelferin Karin Kehrer.

Vor allem ist es aber immer wieder Grobecker, der von Aussehen und Stimme sogar ein wenig an Lutz Gebhardt vom Deutschen Theater Göttingen erinnert, der mit seinem Charisma sowie der improvisierten Mimik und Gestik für die Knaller sorgt. Ebenso brilliert der erfahrene Wüstefeld, der sich – nachdem seine Verflossene Tilly auftaucht – herrlich als Italiener ausgibt. Sein Versuch, die um ihre Fettreserven erleichterte Rosa zusätzlich um 150 000 Euro zu erleichtern, misslingt dem Italo-Macho jedoch. Auch der karrieregeile Meister muss wegen Zeugnis- schwindelns hinter Gittern.

Am Ende gewinnen beim Dorftheater erwartungsgemäß die Guten. Und in Mingerode sind das die guten Schauspieler. Es war großartig.

Von Rupert Fabig

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