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Theatertradition in Breitenberg wiederbelebt: Dreiakter begeistert Publikum

Angst vor Hinkelstein Theatertradition in Breitenberg wiederbelebt: Dreiakter begeistert Publikum

Erst Panik im Bergdorf, dann Erleichterung: Der Weltuntergang ist ausgeblieben. Bis die Zuschauer im Gasthaus Zur Erholung durchatmen können, sind sie Zeugen einer fröhlich-turbulenten Inszenierung, zu der auch tragikomische Momente gehören.

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Kurz vor dem vermeintlichen Meteoriteneinschlag: In der Wohnstube des Bürgermeisters geht es emotional zu.

Quelle: Richter

Breitenberg. Der Heimat- und Kulturverein präsentierte am Sonnabend im zwei Mal ausverkauften Saal den Dreiakter „Der Countdown läuft“ von Beate Irmisch, mit dem die Theatertradition in Breitenberg eindrucksvoll wiederbelebt worden ist.

Der Tag des Jüngsten Gerichts naht, ein riesiger Meteorit namens Hinkelstein rast auf die Erde zu. Diese Nachricht führt im Windmühlendorf zu einer kurzweiligen Abfolge von Begegnungen und Dialogen. Wahre Abgründe tun sich auf, bis die Akteure in der Not zusammenrücken und plötzlich menschlicher und netter miteinander umgehen.

„Wunderbar, dass hier wieder gespielt wird“: Nachdem Manuel Busse für den Heimat- und Kulturverein das Publikum begrüßt hat und sich der Vorhang öffnet, fällt der Blick in die Wohnstube von Bürgermeister Reiermann (Roland Pahl), bei dem eisern gespart wird. Seine Verwandten, die „Leuchtturm“-Gläubigen Kunigunde (Beate Marko) und Traugott (Detlef Sürig), sind Ziel böser Bemerkungen, während Sohn Berni (Pascal Eckermann) Probleme hat, den Weihnachtsbaum ins Zimmer zu ziehen.

Otto Holzwurm (Stefan Nolte) drängt auf den Abriss des Jugendraums, um seine Schreinerei erweitern zu können. Er regt an, den Pfarrer (Sascha Rudolph) mit einer neuen Glocke gnädig zu stimmen. Der vermeintliche Meteorit sei vielleicht doch nur ein „kleines Kieselsteinchen“.

Aus dem Radio dringen dagegen immer bedrohlichere Nachrichten über die bevorstehende Naturkatastrophe. Menschliche Katastrophen sind bereits passiert. So erfährt Ottos Frau Hilde (Klaudia Friedrich), dass ihr Mann seit zwei Jahren ein Verhältnis mit der Pfarrgemeinderatssekretärin (Martina Fütterer) hat.

Das vermeintliche Ende von Breitenberg ist nahe, als der Bürgermeister ein warmes Herz bekommt und die Wünsche seiner Frau (Maria Kariger) nach teurer Kleidung und seines Sohns nach einem neuen Auto erfüllt. Fast kein Vertragsabschluss entgeht dem pfiffigen Versicherungsvertreter Gustav (Alexander Marko), dessen Versicherung auch nach dem Weltuntergang zahlen würde, außer für Brillen und Zähne, die nachweislich selbst zerstört worden sind.

Der Pfarrer hat alle Ohren voll zu tun, denn jeder will noch schnell beichten, bevor das Ende da ist. Der Seelsorger lässt sich schriftlich zusagen, dass er eine neue Glocke für den Kirchturm bekommt, und die sogar gratis versichert werden würde, falls der Meteorit sein Ziel verfehlt.

Kurz vor Mitternacht wird noch einmal gehadert, verziehen und ein letztes Mal Besserung gelobt. Mit Krach und Feuerwerk beginnt das neue Jahr. Der Countdown ist abgelaufen, die Naturkatastrophe bleibt aus, das Leben im Bergdorf geht weiter. Und das mit Jugendraum und neuer Glocke.

Kräftiger Beifall belohnt die Akteure, die mit viel Situationskomik das Stück auf die Bühne gebracht haben. Authentisch besetzte Rollen und textsichere Darsteller bescherten dem Publikum ein vergnügliches Theatererlebnis. Zum Gelingen der Aufführungen trugen die Souffleusen Heidrun Dornieden und Sandra Nolte ebenso bei wie Manuela Koch, die das Bühnenbild kreiert hat.

Von Axel Artmann

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