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Stadtführung zum Thema Reformation

Duderstadt Stadtführung zum Thema Reformation

Zu mehr als 20 Adressen in Duderstadt führt Jürgen Sczuplinski die Teilnehmer an der Themenführung „Sprechende Häuser – Zeitzeugen der Reformation“. Dabei gibt es viel zu entdecken - von der längsten Zunge der Stadt bis zu einem nackten Mann mit Pfau. Im Fokus stehen aber die Inschriften.

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Stadtführer Jürgen Sczuplinski (2.v.r.) erläutert Inschriften und Verzierungen an den Duderstädter Häusern.

Quelle: Rüdiger Franke

Duderstadt. „Ich bin jetzt seit einem Jahr Stadtführer in Duderstadt“, sagt Sczuplinski. Begonnen hat er damit aus Interesse an der Stadtgeschichte. Ebenso interessant seien die Begegnungen mit den Menschen, die an den Führungen teilnehmen. Dafür steckt er viel Arbeit in die Vorbereitung. „Auf die Reformationsführung habe ich mich etwa ein halbes Jahr vorbereitet“, sagt er. Und er zieht die Teilnehmer von Beginn an auf seine Seite, wenn er eine kleine Playmobilfigur im Luther-Outfit aus seiner Tasche zieht, um diesen den Teilnehmer vorzustellen.

Zum Beginn erklärt Stadtführer Jürgen Sczuplinski die Verbreitung der Reformation um Duderstadt

Zum Beginn erklärt Stadtführer Jürgen Sczuplinski die Verbreitung der Reformation um Duderstadt.

Quelle: Rüdiger Franke

„Die Idee zu dieser Führung ist aufgekommen, als wir überlegt haben, welche Veranstaltung wir zum Reformationsjubiläum anbieten können“, berichtet Pastorin Christina Abel. Anja Werner aus dem Kirchenvorstand habe sie vorgeschlagen. Zweimal habe sie die Führung schon mitgemacht und sei beide Male begeistert gewesen. Um so schöner sei es, dass die Stadt sie nun in ihr Angebot an Themenführungen aufgenommen habe. Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) ergänzte, dass besonders die Themenführungen eine gute Nachfrage hätten. „Deshalb wollen wir das Angebot ausweiten“, erklärte er. Darüber hinaus sei die Stadt bemüht, mit ihren Häusern in den Kreis des immateriellen Kulturgutes aufgenommen zu werden. Am Dienstag nun wurde die neue Themenführung in einem kleinen Kreis vorgestellt.

Beginn unter dem Krummstab

„Wie sah es in Duderstadt vor 500 Jahren aus?“, fragt Sczuplinski zu Beginn der Führung vor dem Rathaus. „Unter dem Krummstab ist gut leben“, habe es damals geheißen. Damit sei der Bischofsstab gemeint gewesen. Und unter dem Mainzer Erzbischof habe sich in Duderstadt ein politisch freies Klima entwickeln können. Die Bürger hätten ihre Kinder zum Studieren nach Erfurt und Wittenberg geschickt. Und beide Kirchen hätten sich den Protestanten geöffnet – bis zur Gegenreformation. Die Duderstädter hätten aber daraufhin ihren Widerstand im Holz gezeigt – in den Inschriften an ihren Häusern.

„Eine feste Burg ist unser Gott “

„Eine feste Burg ist unser Gott ...“

Quelle: Rüdiger Franke

Der Widerstand zeigte sich gleich an der ersten Station auf der Marktstraße, die nach Sczuplinskis Angaben zu Luthers Zeit „breyden straten“, also „Breite Straße“, geheißen habe. Über dem Eingang der Hausnummer 56 ist ein Auszug aus dem Lied des evangelischen Widerstandes zu lesen: „Eine feste Burg ist unser Gott, eine gute Wehr unt Waffen, er hilft uns frei aus aler Not, die uns itzt hat betrof“. Und der Stadtführer berichtet, dass die Lutheraner keinen Platz mehr für ihre Gottesdienste hatten. Deshalb seien sie nach Wehnde und Tastungen gegangen, singend und betend auf dem Weg, der dadurch den Namen Musikantenweg erhalten habe.

Doch auch wenn auf dem Weg durch die Stadt die evangelischen Inschriften im Mittelpunkt stehen, so macht Sczuplinski auch vor Häusern mit katholischer Inschrift halt und berichtet von weiteren interessanten Fakten auf dem Weg, auch wenn sie nichts mit der Reformation zu tun haben. Den Teilnehmern gewährt er auch Einblicke in einige Kurzbiografien wie die des Schusters Michael Botmann, der in der Scharrenstraße lebte, früher Schopenstraße oder Schaupenstraße genannt. „Er war ein einfacher aber wortgewaltiger Mann“, erklärt er, „der als unverständiger einfältiger Mann bezeichnet wurde.“ Dieser habe wegen widersetzlichen Verhaltens gegen die Mainzer Abgesandten sechs Taler Strafe zahlen müssen.

„Der Segen des Herrn macht reich ohne Mühe“

„Der Segen des Herrn macht reich ohne Mühe“: Jürgen Sczuplinski erläutert die Inschrift über der Haustür in der Scharrenstraße 12.

Quelle: Rüdiger Franke

Kunne lernt bei Gutenberg

In einer weiteren Kurzbiografie erfahren die Führungsgäste interessante Fakten aus dem Leben von Albrecht Kunne. Kunne, nach die Kunnegasse am Stadtarchiv benannt ist, hat bei Johannes Gutenberg in Mainz den Buchdruck gelernt. „Martin Luther hatte ein Ziel , die Bibel für alle“, erklärt Sczuplinski. Und das sei erst durch das damals anbrechende neue Medienzeitalter möglich geworden. Und Kunne habe dazu beigetragen. Aber der Duderstädter habe später auch ein Geografiewerk gedruckt – das erste, in dem der Name Amerika auftaucht.

Und Sczuplinski zeigt bei seiner Führung auch das Haus, das in Duderstadt das Haus sei, welches nach seinen Angaben „das Haus der Reformation schlechthin“ sei. Dieses steht in der Westertorstraße 22. Zu sehen seien an der Fasssade Kriegsszenen aus dem Dreißigjährigen Krieg. Und zu lesen der Auszug aus dem Paulusbrief an die Römer, der Luther endgültig in seinem Tun bestätigt habe: „Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit“. Dieser beschreibe die Erkenntnis, dass der Mensch nicht wegen seiner Taten sondern wegen seines Glaubens in den Himmel komme.

Stadtführer Jürgen Sczuplinski zeigt „das Haus der Reformation schlechthin“ in der Westertorstraße 22

Stadtführer Jürgen Sczuplinski zeigt „das Haus der Reformation schlechthin“ in der Westertorstraße 22.

Quelle: Rüdiger Franke

Den Abschluss findet die neue Themenführung am heutigen Tabalugahaus. „Das Haus wurde 1620 von Johannes und Anna Hesse erbaut“, erklärt Sczuplinski. Eine der Inschriften am Haus vermittelt wieder eine eindeutige Botschaft. Direkt neben der Kirche, in welcher kein evangelischer Gottesdienst mehr zugelassen war, heißt es: „Wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein?“

Die Themenführung „Sprechende Häuser – Zeitzeugen der Reformation“ dauert etwa 1,5 Stunden und beginnt am Duderstädter Rathaus. Die Anmeldung erfolgt über die Gästeinformation im Rathaus, Marktstraße 66, unter Telefon 05527/841200 oder per Mail an info@duderstadt.de

Von Rüdiger Franke

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