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Trotziges Selbstbewusstsein beim Landvolktag

Vortrag von Behördenpräsident Trotziges Selbstbewusstsein beim Landvolktag

Eine Stimmung zwischen hilfloser Empörung und trotzigem Selbstbewusstsein herrschte beim Landvolktag. Unter dem Eindruck des Dioxinskandals waren knapp 350 Landwirte sowie Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nach Gieboldehausen gekommen.

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350 Landwirte und Gäste im Niedersachsenhof: Beim Landvolktag in Gieboldehausen zeigen sich die Bauern überzeugt, „dass wir eine Zukunftsbranche sind“.

Quelle: Thiele

Diesen Zwiespalt der Gefühle konnte und wollte auch der Festredner im Niedersachsenhof nicht auflösen. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, bot beim Landvolktag jedoch einen zugleich scharf analysierenden und unterhaltsamen Überblick über das Thema Lebensmittelsicherheit.

Wissenschaftlich fundiert, amüsant und eingängig erläuterte er die zentrale Aussage seines Vortrags: „Entscheidend ist nicht die Existenz einer Bedrohung, sondern ihre Kommunikation und Präsentation.“ Er analysierte die Mechanismen von Skandalen, zeigte wie einerseits tatsächliche Bedrohungen kaum ins Bewusstsein der Menschen gelangten, andererseits geringe Gefährdungen als Risiken wahrgenommen würden. So liege die statistische Wahrscheinlichkeit, durch Rauchen zu sterben bei eins zu sechs. „Wer von uns raucht, braucht sich über Pestizidrückstände und anderes keine Gedanken mehr machen.“ Die Wahrscheinlichkeit, beim Essen zu ersticken, liege bei eins zu 200 000. „In Deutschland sterben mehr Menschen an Wurstbroten als an BSE“, spitzte Hensel zu.

Mit Blick auf Dioxin sagte er: „Wir haben nur ein Schwein gefunden mit Höchstgehalten, eines bei 59 Millionen geschlachteten Schweinen in Deutschland pro Jahr.“ Bei Verbrauchern und in den Medien habe das Thema dennoch eine sehr hohe Aufmerksamkeit. Das lasse sich durch verschiedene Faktoren erklären. Entscheidend sei dabei aber die Aufmerksamkeit, nicht der Informationsgehalt.

Anschließend gefragt, warum das Bundesinstitut für Risikobewertung nicht aktiver Informationen an die Verbraucher weitergebe, erläuterte Hensel, Auftrag der Behörde sei die Beratung der Politik. Zwar würde er gern mehr Öffentlichkeitsarbeit machen, das sei jedoch nicht seine Aufgabe, und es fehlte auch das Geld.

Den Selbstbehauptungswillen der Landwirte hatte zuvor Landvolk-Vorsitzender Hubert Kellner beschworen. In seiner Begrüßung stellte er zwar fest, der aktuelle Skandal sei „erneut ein Supergau“ für die Landwirtsfamilien. Auch beklagte er einen bislang nicht gekannten Preisverfall („50 Euro pro Schwein fehlen“). Er forderte mit Blick auf die Verantwortlichen, „solche Brunnenvergifter müssen ihre gerechte Strafe erhalten“, und appellierte an den Staat, „einen Rettungsschirm zu spannen“. Gleichzeitig gab er sich aber überzeugt, „dass wir aus Rückschlägen gelernt haben und lernen, dass wir eine Zukunftsbranche sind“.

Von Ulrich Lottmann

Vertrauen ist Schlüsselwort

Landwirte sind durch Preisverfall und Vertrauensverlust Leidtragende des Dioxinskandals, der durch Futtermittelproduzenten ausgelöst wurde. Nach seinem Vortrag im Niedersachsenhof fragte das Tageblatt Andreas Hensel, ob die Bauern das hinnehmen müssten, oder er den Landwirten etwas raten könne. „Den Skandal müssen sie hinnehmen“, stellte Hensel zunächst fest. Er rate jedoch zu vernünftiger Aufklärung der Verbraucher.
„Vertrauen ist das Schlüsselwort“, so Hensel. Landwirte hätten da durch ihre lokale Verankerung eine besondere Position. Sie müssten und könnten vor Ort den Menschen erklären, wie die tatsächliche Gefährdung sei, was die gesetzlichen Regelungen bedeuteten, wie sie selbst ihre Produkte erzeugten. Hensel riet dabei zu großer Offenheit. lo

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200 Zuhörer beim Landvolktag in Gieboldehausen.

Unter dem Eindruck politischer Ereignisse und erneuter Lebensmittelskandale stand der Landvolktag in Gieboldehausen. Die aktuellen Schlagzeilen zu undeklariertem Pferdefleisch und falsch etikettierten Bio-Eiern machte Landvolk-Vorsitzender Hubert Kellner zum Ausgangspunkt seiner zornig-selbstbewussten Zustandsbeschreibung der Landwirtschaft.

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©Richter