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Stefan Koch warnt vor Trump-Panik

US-Korrespondent über den Wechsel im Weißen Haus Stefan Koch warnt vor Trump-Panik

Ein Trump-Freund ist Stefan Koch nicht, ein Versteher des Phänomens Trump schon – zumindest ein Stück weit. Der Washington-Korrespondent des Madsack-Verlags hat am Mittwochabend in der Alten Backstube die Panik hinterfragt und relativiert, die die Wahl Trumps in Deutschland ausgelöst hat.

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Intimer Kenner der amerikanischen Politik und Gesellschaft: Stefan Koch.

Quelle: Pförtner

Duderstadt. „Letztlich wissen wir alle nicht, was jetzt passiert“, sagt Koch und verweist auf die diplomatische Unruhe, für die Trump schon vor seiner Amtseinführung mit seiner Haltung gegenüber Israel und Taiwan sorge: „Wir haben aber keine andere Wahl, als dem demokratisch gewählten US-Präsidenten als wichtigem Partner Deutschlands eine Chance zu geben.“ Die Zeiten würden schwierig, aber nicht katastrophal, Trump sei in ein straffes Korsett aus Kongress und Oberstem Gericht eingebettet. Koch schließt auch eine Korrektur und Zwischenwahl nach zwei Jahren nicht aus. Trumps Hauptinteresse sei big business, Hauptleidtragende die eigenen Wähler.
Die hätten aber den Wechsel gewollt: „Trump hat sich seine Wahl nicht erkauft, sondern eine Partei gekapert.“

Statt das anzuprangern, versucht der 50-Jährige, der seine Laufbahn beim Eichsfelder Tageblatt begonnen hat, die andere Kultur und den starken Willen der Amerikaner zu Neuanfängen zu verstehen. Das tut Koch nicht nur in seinem Büro in Sichtweite zum Kapitol, sondern ebenso in den Appalachen oder dem Schwarzen-Viertel in Washington, in dem er mit seiner Familie wohnt. Und er baut Anekdoten und persönliche Erlebnisse ein, die unterschiedliche Mentalitäten verdeutlichen. Seine erste Begegnung mit Trump hatte der Journalist und Buchautor, der schon im Plattenbau in Leinefelde und Almaty in Kasachstan, Hannover und Berlin gelebt hat, aber immer pünktlich zum Schützenfest in seinen Heimatort Langenhagen eintrudelt, in einem kleinen Saal.

Trump hielt eine feurige Rede, und Koch ließ sich von ihm eine der dort ausliegenden Playboy-Ausgaben signieren.
In den Appalachen, wo ärmliche Verhältnisse vorherrschen, hätten 90 Prozent für Trump gestimmt, der jetzt ein Kabinett aus Militärs und Milliardären zusammenstellt. Den Wählern sei es um den Protest gegen das Polit-Establishment gegangen. Sie wollten reinen Tisch machen, und Trump habe es geschafft, eine Bewegung zu formen „weg von dem, was bisher war“. In Deutschland sei der Sicherheitsgedanke stark verankert, die Amerikaner tickten anders, würden noch als Ruheständler unternehmerisch aktiv und Unternehmer verehren.

Statt sich in Mittelmäßigkeit einzurichten, wagten die Amerikaner, die im Schnitt 20 bis 30 Mal im Leben umziehen, lieber etwas Neues. Auch die außenpolitische Zurückhaltung und Besinnung auf nationale Interessen sei Trump zugute gekommen: „In Europa kommt die lauteste Kritik ausgerechnet aus antiamerkanischen Ecken, die jahrzehntelang die dominante Stellung der Supermacht USA in der Welt kritisiert haben.“ 

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©Richter