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Überfall auf Tankstelle in Teistungen: Freispruch für Angestellte

Mittäterschaft nicht beweisbar Überfall auf Tankstelle in Teistungen: Freispruch für Angestellte

Die heute 22-Jährige, die wegen Mittäterschaft beim Überfall auf die Tankstelle in Teistungen im August 2013 angeklagt war, ist am Mittwoch am Duderstädter Amtsgericht freigesprochen worden. Anklage, Verteidigung und Richter waren sich einig, dass ihr eine Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden könne.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Duderstadt. Auch am sechsten Verhandlungstag ging es nur stockend voran. Im Zentrum stand weiterhin die Frage, ob der Überfall mit 6500 Euro und Zigaretten als Beute nur vorgetäuscht und inwiefern die damalige Tankstellen-Angestellte darin involviert war.  Trotz Verdachtsmomenten und Indizien kam das Jugendschöffengericht zu dem Entschluss, im Zweifel für die in prekären Verhältnissen großgewordene Angeklagte zu entscheiden.

Nachdem Richter Michael Pietzek mehr als 29 000 Chat-Nachrichten kontrolliert hatte („Von denen habe ich mich heute noch nicht erholt“), wurde erneut  der Ex-Freund der Angeklagten als Zeuge befragt. Der Nesselröder, der nur ausweichend antwortete, und sein Mittäter wurden bereits wegen Beihilfe zur Untreue  zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Zu einer Anklage wegen schweren Raubes kam es in diesem Verfahren nicht, da von einem fingierten Überfall ausgegangen wurde. Am Amtsgericht wurde noch einmal der Frage nachgegangen, wie es zu dieser Einlassung der Täter kam. Abschließend geklärt werden konnte auch sie nicht.

Als Zeugen vernommen wurden auch ehemalige Freunde der beiden Verurteilten und der nicht mehr im Eichsfeld lebenden Angeklagten, die sich zur  WhatsApp-Gruppe „Die besten Feinde“ zusammengeschlossen hatten. Übereinstimmend sagten sie aus, von dem Überfall in Teistungen erst aus der Zeitung erfahren zu haben. An eine Chat-Nachricht, in der auf einen Tankstellenüberfall in Rhumspringe angespielt wurde, konnte sich keiner erinnern („Man schreibt soviel Scheiße“). 

„Es gibt Anhaltspunkte für beide Varianten“, sagte Pietzeck in der Urteilsbegründung und beklagte widersprüchliche und falsche Aussagen. Die Beteiligten hätten sich – auch in ihren Beziehungen – gegenseitig hinters Licht geführt. Der Verteidiger der 22-Jährigen zeigte sich überzeugt, dass die Täter ein falsches Konstrukt zu Lasten der Angeklagten aufgebaut haben, um eine mildere Strafe zu bekommen.

„Wir sind mit beeindruckenden Lügengespinsten, einem Wust an Indizien und Beweismitteln überzogen worden“, sagte der Staatsanwalt. Weder die nicht aktivierte Alarmanlage noch Aussagen von Polizisten über die Gefasstheit der Angeklagten nach dem Überfall, das Nicht-Erkennen ihres maskierten Ex-Freundes, der Eindruck der Videoaufnahme, die erste Schicht allein in der Tankstelle und die in der Kasse befindlichen Tageseinnahmen seien belastbare  Indizien.

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©Richter