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Ukrainer Andrej Kasachenko über die Situation in seiner Heimat

„Krieg mit Russland“ Ukrainer Andrej Kasachenko über die Situation in seiner Heimat

Bei Gefechten in der Ukraine hat Andrej Kasachenko sein Bein verloren. Mit einer Prothese des Orthopädieherstellers Ottobock lernte er nun erneut das Gehen.

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Quelle: Richter

Duderstadt. Beim Duderstädter Unternehmen haben Kasachenko und seine Frau Katja nicht nur über ihr albtraumhaftes Erlebnis, sondern auch über die Situation in ihrer Heimat gesprochen.

Vor Anstrengung zittert sein linkes Bein bei den Gehversuchen die Treppe hinauf. Doch Andrej Kasachenko gibt nicht auf. Das rechte Bein des Ukrainers wurde so schwer bei Gefechten in seinem Land verletzt, dass es amputiert werden musste. Doch der 36-Jährige lacht oft – zumindest heute wieder.

Eigentlich leitet Andrej Kasachenko eine Autowerkstatt in Berdytschew. Am 20. März 2014 wurde er allerdings einberufen und kam zu einem Antipanzertrupp. Er selbst habe gesehen, wie die Ukraine aus Russland beschossen worden sei. Bei einem Feuergefecht im Gebiet Donezk am 14. August, dem Geburtstag einer seiner beiden Töchter, deckten er und seine vier Kameraden den Rückzug einer Artillerieeinheit. „Dabei gerieten wir unter Panzerbeschuss“, berichtet der 36-Jährige. Zwei seiner Kameraden starben, Andrej Kasachenko wurde schwer verletzt. Er konnte den Helfern gerade noch seinen Namen und seine Blutgruppe mitteilen, bevor er ohnmächtig wurde.

So hat ihn seine Frau gefunden. Alles andere weiß er nur aus Erzählungen. Über Umwege kam er ins Krankenhaus, es folgten Verlegungen ins Lazarett und weitere Kliniken. Wenn er schneller behandelt worden wäre, hätten die Ärzte sein Bein retten können, habe man ihm später gesagt.

Erfahrene Kämpfer werden in der Ukraine nicht Veteranen genannt, berichtet Andrej Kasachenko. Sie seien „Teilnehmer der Antiterror-Operation“. Den Krieg habe nämlich niemand offiziell erklärt. „Nicht alle in der Ukraine verstehen, dass überhaupt Krieg geführt wird“, meint Katja Kasachenko. Auf die Frage, was die Kameraden in der Ukraine benötigen, antwortet ihr Mann kämpferisch: „Waffenlieferungen.“

Viele Hilfsangebote seien bei den Kasachenkos eingegangen. Menschen aus ihrer Umgebung haben Spenden gesammelt. Letztendlich entschieden sich die Kasachenkos für die Prothese bei Ottobock. „Hier hat man mich wieder auf die Beine gebracht“, sagt der 36-Jährige und lacht. Schmerzmittel nehme er keine mehr, nur noch etwas gegen den Phantomschmerz. Den Kontakt zu Ottobock stellten die ukrainischen Behörden her, teilt das Unternehmen mit. Diese bereiteten die Reise der Kasachenkos vor. Zudem reisten Techniker des Orthopädieherstellers in die Ukraine.

Nun sind Andrej und Katja Kasachenko, die sich in der Schule kennengelernt haben und mittlerweile seit zwölf Jahren verheiratet sind, in ihre Heimat zurückgekehrt und gut angekommen, wie Ottobock mitteilt. Viele Pläne hätten sie – ein „stabiles Leben“ gehöre dazu, wie Katja Kasachenko meint. „Es ist kein Bürgerkrieg, es ist ein Krieg mit Russland“, sagt sie, „Es gibt keinen Weg zurück.“ Hoffnung auf Frieden klingt anders.

Von Friedrich Schmidt

©Richter

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