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Umbau am Duderstädter Max-Näder-Haus rechtzeitig fertiggestellt

Visionen von gestern und Realitäten von heute Umbau am Duderstädter Max-Näder-Haus rechtzeitig fertiggestellt

250 Gäste, Festredner wie Rita Süssmuth und eine Gartenparty mit Kuba-Konzert: So haben am Mittwoch die Gäste Hans Georg Näders den 100. Geburtstag seines Vaters Max gefeiert. Zugleich ist an diesem Tag das Max-Näder-Haus am Duderstädter Hindenburgring eröffnet worden.

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Vor der Kulisse eines Bildes seiner Eltern Max und Maria Näder eröffnet Näder das Max-Näder-Haus am Hindenburgring.

Quelle: Richter

Duderstadt. Außerdem gab es einen dritten Anlass zum Feiern: Seit 25 Jahren ist Hans Georg Näder Chef der Ottobock-Firmengruppe. Als einen „komischen Tag“, an dem er eingeholt worden sei von Emotionen, beschrieb Hans Georg Näder, was ihm durch den Kopf ging, als er vor den Gästen des Doppeljubiläums und der Eröffnung stand. Unter ihnen Thomas Oppermann, Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Landtagsabgeordneter Lothar Koch (CDU), Landrat Bernhard Reuter (SPD) und Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) sowie die Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche, die dem Haus den Segen verliehen. Daneben tummelten sich unter den Gästen beispielsweise der Paralympionik Heinrich Popow oder das beinamputierte Supermodel Viktoria Modesta.

Der Grund für seinen emotionalen Ausnahmezustand sei allerdings nicht die überbordende Promi-Dichte am Duderstädter Hindenburgring, sondern die Tatsache, das Erbe seines Vaters in einem weiteren Schritt in die Zukunft zu tragen, sagte Näder. In den vergangenen Tagen habe er sich intensiv mit der Familien- und Firmengeschichte befasst.

Dabei habe er sich an zahlreiche Anekdoten erinnert: Er berichtete vom stressrauchenden Vater, der in den Kriegsjahren 80 Zigaretten am Tag weggequalmt und sich später sogar am Rauch einer Kerze gestört habe. Er thematisierte das lebenslustige, bratkartoffelgeprägte Leben des „Patriarchen mit Volumenschwankungen“, die offenbar erblich seien. Er berichtete vom „gedeckten Tisch“, an dem die Qualität von Schrauben ausdiskutiert worden sei, von Schützenfest-Partys mit anschließendem FKK-Poolbesuch, von getrennten Schnarch-Zimmern im Hause Näder und diversen Weinkellerplünderungen.

Außerdem schlug Näder ernste Töne an, berichtete von dem Eindruck, den das erste Zusammentreffen mit Otto Bock bei Max Näder hinterlassen hatte und die Konsequenzen, die diese Begegnung für den späteren Weltmarktführer Orthopädie hatte. Er thematisierte das Kriegstrauma des Vaters, das ihn, wie viele andere, habe verstummen lassen – und das Sicherheitsbedürfnis, das sich bei Max Näder daraus entwickelt habe. Und er sprach von der Flucht der Eltern ins Eichsfeld.

Das Flüchtlingsthema habe derzeit eine Aktualität, die ihn zwinge zu helfen: „Als Zeichen der Integration wird am Mittwoch eine Auswahlmannschaft der Levante-Flüchtlinge aus Westerode gegen eine Auswahl des VfL Olympia antreten“, erklärte Näder. „Und am Donnerstag gibt es statt  Caipirinha und Musik einen Willkommenabend mit Flüchtlingen aus Friedland und Westerode“, kündigte Näder an. Ein Grund, diese Dinge zu veranstalten, sei der Fachkräftemangel und die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen: „Wir suchen Menschen mit Sprachfähigkeiten mit interkulturellen Kenntnissen“, erklärte Näder. Die Politik müsse es möglich machen, dass diese Menschen in Arbeit kämen und integriert würden. „Ich werde da als Lokomotive vorweg gehen“, kündigte er an. Bedenken lasse er nicht gelten. „Ich bin im Alter radikal geworden“, sagte er. Schließlich habe das Beispiel seines Vaters gezeigt, dass Visionen von heute die Realitäten von morgen sein könnten.

In diese Kategorie falle auch der Umbau des Max-Näder-Hauses, von niemand gedacht habe, dass er je fertig würde. Doch Bauleiter Bernd Kemmerling und rund 50 Firmen aus der Region hätten dafür gesorgt, den Altbau rechtzeitig zu sanieren und den kristallinen Neubau zu realisieren, den Architekt Rolf Gnädiger als „einzigartig“ bezeichnete.

Einen Grund für das Gelingen unmöglich scheinender Projekte benannte Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth: Die Familie Näder bringe eine eigenwillige Energie mit sich, aus der Innovationen hervorgegangen seien, die Orthopädietechniker Kurt Pohlig hinsichtlich ihrer Bedeutung mit der Erfindung des Käfers für Volkswagen verglich.

Diese Energie sei in einen Ort geflossen, zu dem nicht nur der Chef passte: „Max Näder passte auch nach Duderstadt“, erklärte sie. Zugleich sei er mit offenen Augen durch die Welt gegangen, nicht interessiert an den Unterschieden, sondern an den Gemeinsamkeiten. „So wie Max Näder den Menschen in den Mittelpunkt gestellt hat, sollten auch wir den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen“, forderte sie. Außerdem plädierte sie dafür, bei allem Kalkül auch Bauchentscheidungen nicht zu kurz kommen zu lassen. Auch dies sei eine Näder-Spezialität, die sich vom Vater auf den Sohn übertragen habe – und möglicherweise auch Julia und Giorgia als Töchter einbeziehe.

Sie sollen als Nachfolgerinnen ihres Vaters in den Betrieb hineinwachsen – mit Unterstützung des langjährigen Weggefährten Hans Georg Näders, Harry Wertz, der sie von 2017 unterstützen soll. Näder versprach, den Sitz der Holding auch während ihrer Zeit in Duderstadt zu belassen und kündigte an, seinen Hauptwohnsitz ebenfalls im Eichsfeld behalten zu wollen. Seinen Dank für das Engagement Näders in Duderstadt formulierte Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU). Er bezeichnete das Haus als einen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft – für die Familie, für das Unternehmen und für Duderstadt.

 

©Richter

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