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Umgehungsstraße: Wut und Frust in Westerode

Kein Baustart in Sicht Umgehungsstraße: Wut und Frust in Westerode

Seit Jahren schwelt das Thema Umgehung im Duderstädter Ortsteil Westerode, den täglich bis zu 16 000 Fahrzeuge passieren. Dabei ist schon viel erreicht, alle baurechtlichen Vorgaben sind erfüllt. Jetzt fehlt nur noch das Geld, die Finanzierungszusage des Bundes. In der Zwischenzeit steigt das Frustniveau im Ort in ungeahnte Höhen.

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Blick aus dem Fenster auf den einsetzenden Feierabendverkehr: Die Landesstraße 569 bringt 6000 Fahrzeuge täglich, die Bundesstraße noch einmal knapp 10 000 Fahrzeuge. Engelbert Gatzemeier hat – wie 87 Prozent der Westeröder – die Nase voll.

Quelle: Thiele

87 Prozent sind dafür – das ist eine klare Meinungsäußerung. Die Nutzer des Internetauftritts von Westerode sind sich einig: Die Umgehung ist sehr wichtig, so votierten die Teilnehmer einer Umfrage. Zwar haben bis zum gestrigen Tag erst 23 Personen teilgenommen, doch die Umfrage spiegelt das Meinungsbild offensichtlich wider. Die Verkehrssituation in dem 700-Seelen-Dorf stößt den Einwohnern sauer auf.

Engelbert Gatzemeier geht sogar noch weiter: „Hier herrscht ein Riesenfrust.“ Der ehemalige Ortsbürgermeister hält die Situation für nicht mehr hinnehmbar. „Der Dreck, der Lärm, die Straßenschäden“, diese Dinge seien kaum auszuhalten. „Bis zu 16 000 Fahrzeuge fahren täglich durch.“ Aufgrund der Straßenschäden, die Lastwagen und Autos verursachen, habe sich die Lage noch weiter zugespitzt. „Bei vielen Menschen klappert das Geschirr im Schrank.“ 70 Prozent der Westeröder seien vom Verkehr entlang der Landesstraße 569 und der Bundesstraße 446 betroffen.

Elisabeth Friedrich hat einen Zeitungsartikel gefunden. „Der ist mir zufällig in die Hände gefallen“, sagt die 64-Jährige, die an der Bundesstraße lebt. Der Beitrag habe über eine Veranstaltung der Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth berichtet, die ins örtliche Gasthaus Kellner eingeladen hatte. Auf dem Bild seien zahlreiche, längst verstorbene Damen zu sehen. „Und schon damals hat man uns die Umgehung versprochen. Seit 30 Jahren werden wir hingehalten.“

Das sieht auch Heinrich Vollmer so, der einige Häuser weiter wohnt. Er hat seine Eindrücke schriftlich festgehalten: Da ist von schwingenden Decken, klirrenden Gläsern und Rissen in der Häuserwand zu lesen. Ab um 5 Uhr morgens bis in die Nacht mache der Verkehr den Weste-rödern das Leben zur Hölle. Die Straße sei kaum zu überqueren, Linksabbieger von den Grundstücken in Richtung Göttingen führen bis zum Kreisel vor Duderstadt, um dort zu wenden. Und: „Die neuen Schlaglöcher und Risse in der Straße machen es nicht besser.“ Doch selbst für diese behebbaren Schäden sei kein Geld seitens der zuständigen Straßenmeisterei da, meint Gatzemeier. Der 64-jährige Vollmer bezweifelt, dass er den Baubeginn noch erlebt.

Ortsbürgermeister Bernward Vollmer (CDU) formuliert es so: „Die Lebensqualität leidet beträchtlich.“ Dabei setzten er und die Mitglieder des Orts- und Stadtrates sich permanent für die Ortsumgehung ein. „Wir sind neben der Worbiser Straße im Bereich Stadthaus am Stärksten vom Verkehr belastet. Die Umgehung ist unabdingbar, da sind wir uns alle einig. Wir sind da ständig dran.“ Er schränkt jedoch etwas ein: „Die endgültige Voraussetzung für den Bau, der Planfeststellungsbeschluss, existiert ja erst seit 2009.“

Dass es nicht an ihren lokalen Vertretern liegt, wissen auch Gatzemeier und die meisten anderen Westeröder. „Es hängt in den höheren Etagen, in Hannover und darüber“, meint Gatzemeier, dem seit 1976 in der scharfen Kurve an der Rosenthaler Straße bereits 19 Mal Autos in den Zaun gerast sind. Auch die regionalen Abgeordneten setzten sich sehr für das Thema ein. Doch es passiere einfach nichts, so dass selbst der ruhige Ortsbürgermeister Vollmer sagt: „Das macht schon aggressiv.“ Zumal die Baukosten für den Abschnitt um Westerode herum ja mit sechs Millionen Euro verhältnismäßig gering seien. Auch die Ausschreibungsvorgaben für die Umsetzung seien bereits vorbereitet, die notwendige Flurbereinigung erfolgt. Man könnte sofort loslegen. Zu den Belästigungen im Alltag komme, dass die Verzögerung auch wirtschaftliche Folgen habe, das Gewerbegebiet am Breiten Anger nicht genutzt werden könne.

Gatzemeier sieht noch ganz andere Folgen. „Die Leute sagen: Wir gehen nicht mehr zur Wahl, weder im Kommunalen, noch darüber.“ So sieht Politikverdrossenheit aus.

Von Erik Westermann

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