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„Unsere eisigen Herzen sind weicher geworden“

KZ-Überlebende im Kolpingferienparadies Pferdeberg „Unsere eisigen Herzen sind weicher geworden“

Sechs Überlebende des Konzentrationslagers Osaritschi sind für einen dreiwöchigen Besuch der Region ins Kolpingferienparadies Pferdeberg gekommen. Die sechs Frauen aus Weißrussland wollen mit Jugendlichen ins Gespräch kommen und vom Erlebten erzählen.

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KZ-Überlebende aus Weißrussland mit Begleiterinnen im Kolping-Ferienparadies Pferdeberg.

Quelle: Artmann

Gerblingerode. „Die Aufmerksamkeit, die Gespräche und alles, was wir hier erleben, tut uns gut. Unsere eisigen Herzen sind weicher geworden“, sagte Valentina Schischlo, Leiterin der Gruppe, die aus Waisenkindern besteht. „Jeder hat fast die ganze Familie verloren, uns hat vielleicht Gott unterstützt“, betonte Schischlo.

Die Frauen im Alter zwischen 75 und 81 Jahren sind Gäste des in Freiburg ansässigen Maximilian-Kolbe-Werks und des Caritas-Verbandes in der Diözese Hildesheim. Sie wollten zwei Gymnasien in Göttingen besuchen, „damit unsere Jugendliche authentisch und nicht nur aus Büchern erfahren, was damals passiert ist“, erklärte Helga Chrpa, ehrenamtliche Betreuerin des Caritas-Verbandes. Die Gruppe freue sich bereits auf Stipendiaten des Goethe-Instituts, die aus vielen Teilen der Welt in das Kolpingferienparadies kämen und mit denen sie Gespräche führen wollten.

„Das ist das Beste, was passieren kann, wenn der ältere Mensch mit der Jugend zusammenkommt“, sagte Chrpa, die in Gerblingerode lebt. „Durch Erzählen wird man frei und kann leichter mit dem Erlebten umgehen“, betonte sie.

Die Gruppe erhalte auch Besuch von zwei Sammlern von Unterlagen zur Geschichte des Konzentrationslagers. Außerdem werde den Gästen eine Filmdokumentation über Osaritschi gezeigt, das in einem Sumpfgebiet im Bereich Gomel liege, berichtete Chrpa. Die Frauen hätten den Film, in dem viele Zeitzeugen aus Weißrussland zu Wort kämen, noch nie gesehen. In dem Konzentrationslager seien die Internierten als „biologische Schilde“ missbraucht worden, erklärte Natalia Gerhard, die für das Maximilian-Kolbe-Werk das Projekt betreut. Gezielt seien Typhuskranke in das Lager gebracht worden, damit sie die Lagerinsassen ansteckten und es zu einer Epidemie käme. Die deutschen Soldaten hätten damit den Vormarsch der russischen Truppen aufhalten wollen. Die Truppen der Roten Armee hätten ich bei den Lagerinsassen anstecken sollen, wenn sie diese befreit hätten.

Empfang bei Bischof Trelle

Auf dem Besuchsprogramm der Gruppe stehen nach Gerhards Angaben ein Empfang im Duderstädter Rathaus und eine Fahrt nach Hildesheim, wo Bischof Norbert Trelle die Gruppe begrüßt und den Dom zeigt. Darüber hinaus seien unter anderem Ausflüge zum Seeburger See, zur Heinz-Sielmann-Stiftung und nach Lüneburg geplant. Bei einem Stadtrundgang werde den Gästen Duderstadt gezeigt.

Die Begegnungen mit den Jugendlichen sollten während der kommenden Jahre noch intensiviert werden, berichtete Chrpa. Die Kolping-Einrichtung auf dem Pferdeberg sei seit sechs Jahren ein regelmäßiger Standort für das Projekt. Die Schließung eines Hauses in Braunlage habe dazu geführt, dass sich das Maximilian-Kolbe-Werk und der Caritasverband für die Kolping-Einrichtung auf dem Pferdeberg als Ziel entschieden hätten. Das Projekt werde so lange existieren, „wie die Menschen leben und die Finanzen da sind“.

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