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Ursulinenoberin Barbara Wien über ihren Beruf und das Klosterleben

„Ich dachte lange, ich sei noch frei“ Ursulinenoberin Barbara Wien über ihren Beruf und das Klosterleben

Die Schwestern kennt sie bereits, einige der älteren sogar noch aus ihrer Schulzeit an der Marienschule in Hildesheim als Lehrerinnen. Duderstadt und das Eichsfeld wurden ihr während der Osterferien ein bisschen vertrauter. Seit Dezember ist Barbara Wien (58) Oberin des Ursulinenkloster in Duderstad.

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Duderstadt und das Eichsfeld kennenlernen: Schwester Barbara ist neue Ursulinenoberin.

Quelle: Richter

Duderstadt. Bis zum Ende des Schuljahres lässt sich die Lehrerin noch von Schwester Ignatia Hartung (84) vertreten. Dann will die gebürtige Hildesheimerin, die auch während ihres Studiums und des Referendariats in Hannover nicht aus ihrer Heimatstadt fortzog, nach Duderstadt wechseln.

Leicht fällt ihr der Abschied von der Domstadt nicht. „Ich bin sehr gerne Lehrerin“, erzählt sie. Hinzukommt, dass sie die letzte aktive Nonne an der Marienschule ist, die einst vom Orden betrieben wurde. Selbst der Bischof zeigte sich über Wiens frühes Ausscheiden aus dem Schuldienst verwundert. „Ich dachte, sie seien das Bollwerk der Ursulinen in Hildesheim“, meinte er.

Die beiden Schwestern und ehemaligen Lehrerinnen, mit denen Wien in Räumen unter dem Dach des Schulgebäudes zusammenlebt, sind bereits im Ruhestand. Sie wollen weiter in Hildesheim bleiben, der letzten von früher mehreren Filialen des Duderstädter Mutterhauses.

Auf zehn Schwestern ist die Zahl der Ursulinen geschrumpft. Wien ist die Jüngste. „Dass es mich einmal treffen würde, als Oberin die Leitung übernehmen zu müssen, war mir klar“, sagt sie. Doch der Zeitpunkt hätte sie überrascht. Die Wahl nicht anzunehmen, sei ihr aber unpassend erschienen. Immerhin hätten ihr die Schwestern das Vertrauen ausgesprochen. So beuge sie sich dem Willen der Gemeinschaft.

Eine wichtige Entscheidung setzt der Orden gerade um. Er wandelt seine Rechtsform. Aus einer Körperschaft des öffentlichen Rechts wird eine Stiftung. „Wir möchten, dass nach dem Tod der letzten Schwester unser Besitz in einer Hand bleibt“, erläutert Wien. Über eine Stiftung lässt sich die künftige Verwendung des Klosters im Sinne der Ursulinen festlegen.

Die Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch Frauen zum Beitritt zur Gemeinschaft entschließen, hat Schwester Barbara nicht ganz aufgegeben. Sie selbst schloss sich dem Orden erst mit 35 Jahren an. In der neunten Klasse hatte sie das bereits einmal in Erwägung gezogen, den Gedanken aber schnell wieder verworfen.

Ihre Berufswahl und die gewählte Fächerkombination (Deutsch und Textiltechnik, später auch Religion) zeigten aber, dass sie die Möglichkeit immer in Betracht zog. „Ich dachte lange, ich sei noch frei“, meint sie im Rückblick.

Als junge Lehrerin sei sie gerne mit alten Schwestern zusammen gewesen. Besonders eine Nonne wäre wie eine Großmutter für sie gewesen. Das hätte ihr nach dem Beitritt das Einleben erleichtert. Einfach sei das Klosterleben nämlich nicht. Als Lehrerinnen sind die Ursulinen voll berufstätig.

Nach der Arbeit müssen sie gemeinsam die Hausarbeit erledigen. Hinzu kommt das spirituelle Leben, täglich die heilige Messe und die Stundengebete. Zusätzlich sollen sie sich eine Stunde pro Tag für das freie Gebet Zeit nehmen.

Von Michael Caspar

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