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Vier Eichsfelder wegen erpresserischen Menschenraubs angeklagt

Prozessauftakt in Duderstadt Vier Eichsfelder wegen erpresserischen Menschenraubs angeklagt

Wegen einer nächtlichen Entführungsaktion müssen sich seit Donnerstag, 25. September, vier Männer vor dem Amtsgericht Duderstadt verantworten. Die zwischen 21 und 25 Jahre alten Angeklagten aus dem Eichsfeld sollen im Februar 2013 einen 20-Jährigen aus einer Wohnung in der Samtgemeinde Gieboldehausen entführt und später an einer Scheune ausgesetzt haben.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Duderstadt. Dort sollen sie ihn unter Drohungen und Schlägen aufgefordert haben, 3600 Euro zu zahlen. Die Staatsanwaltschaft hat die vier Männer wegen erpresserischen Menschenraubs angeklagt.

Zu Beginn des Prozesses führten die Verfahrensbeteiligten unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Rechtsgespräch, um Möglichkeiten einer Verständigung auszuloten. Den Verteidigern ging es insbesondere darum, für ihre Mandanten eine Bewährungsstrafe zu erreichen.

Der Vorsitzende Richter Michael Pietzek machte indes deutlich, dass eine Verständigung nur zustande kommen könne, wenn die Angeklagten ein umfassendes Geständnis ablegen und auch die bisher nicht bekannten Mittäter benennen würden. Nachdem die Angeklagten in einer Verhandlungspause diverse Telefonate geführt hatten, erklärte einer der Verteidiger, dass eine Benennung weiterer Täter nicht in Betracht komme.

Schulden als Anlass der Entführung?

Zwei der vier Angeklagten wollten gar keine Angaben zur Sache machen. Die beiden anderen ließen über ihre Verteidiger erklären, dass sie die Vorwürfe einräumen. Anlass der Entführung sollen Schulden des 20-Jährigen gewesen seien.

Dieser soll von einem der geständigen Angeklagten 1500 Euro bekommen haben, um illegal Zigaretten zu beschaffen. Stattdessen soll der 20-Jährige das Geld für andere Zwecke verwendet und nicht zurückgezahlt haben.

Bislang ist unklar, wie es dazu kam, dass sich einige Wochen später ein regelrechtes Rollkommando in Bewegung setzte, um das Geld einzutreiben. Der als Zeuge geladene 20-Jährige war nach eigenen Angaben bei einem Nachbarn zu Besuch, als es abends an der Tür klingelte. „Auf einmal standen zehn Leute in der Tür“, sagte er. Die Männer hätten ihn in ihre Mitte genommen und in einen Pkw gezerrt.

Ultimatum gestellt

Anschließend seien sie mit zwei Autos zu einer Scheune gefahren, wo man ihn geschlagen und bedroht habe. Der Wortführer der Gruppe habe ihm dann ein Ultimatum gestellt. Er sollte bis Mitternacht 3600 Euro in einer Kapelle deponieren, anderenfalls würde seiner Familie etwas Schlimmes passieren.

Warum er plötzlich eine viel höhere Summe zahlen sollte, habe er nicht verstanden, sagte der 20-Jährige. Er habe den Entführern gesagt, dass er das Geld von seinen Eltern bekommen würde. Daraufhin hätten sie ihn zu Fuß nach Hause gehen lassen. Seine Eltern hätten dann die Polizei gerufen.

Am Ende des ersten Verhandlungstages erlebten die Angeklagten eine böse Überraschung: Der Richter ließ ihre Handys beschlagnahmen, um ermitteln zu lassen, mit wem sie in der Verhandlungspause telefoniert hatten. Der Prozess wird Mitte Oktober fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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