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Vortrag des Bruno-Gröning-Freundeskreises in Duderstadt

Heilsversprechen im Jugendgästehaus Vortrag des Bruno-Gröning-Freundeskreises in Duderstadt

„Heilung auf geistigem Weg – medizinisch beweisbar“ nennt sich eine Vortragsreihe des Bruno-Gröning-Freundeskreises, die Station in Duderstadt macht und Esoteriker ebenso wie Skeptiker auf den Plan ruft.

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Quelle: Archiv (Symbolfoto)

Duderstadt. Während im Flyer noch der 13. Juni als Termin aufgeführt ist, kündigte der Göttinger Wolfgang Krumme am Donnerstag einen „öffentlichen Informationsvortrag von Dr. med. Thiel“ am Sonnabend, 30. Mai, um 15 Uhr im Jugendgästehaus an – bei freiem Eintritt und der Bitte um Spenden.

Die referierende Ärztin gehöre der Medizinisch-Wissenschaftlichen Fachgruppe des Bruno-Gröning-Freundeskreises an. „Es werden Heilungen von teils schweren körperlichen und seelischen Leiden, aber auch von Drogensucht vorgestellt“, heißt es in der Ankündigung. „Diese Gruppe ist nicht harmlos“, sagt Anett Hartung vom Verein Netzwerk Sektenausstieg und warnt ausdrücklich vor dem Gröning-Freundeskreis, der auch Mitglieder werben wolle.

Bruno Göring war eine schillernde Figur der Nachkriegszeit. „Durch außergewöhnliche Heilungserfolge wurde er in den 50er-Jahren weltbekannt“, heißt es in Publikationen des Freundeskreises, der auch auf einen Dokumentarfilm verweist: „Zuschauer berichten, wie sie beim Anschauen des Films Kraft, Kribbeln und ein Strömen im Körper wahrgenommen haben. Einige berichten vom Verschwinden von Schmerzen, Behinderungen usw.“

Die Anhänger Grönings seien überzeugt, dass der „göttliche Heilstrom“ aus dem Jenseits von Bruno Gröning direkt an die Menschen weitergegeben werde – wenn man daran glaube, sagt die Sekten-Kritikerin Hartung: „Wer geheilt wird, glaubt, und wer nicht geheilt wird, ist selbst Schuld, weil er nicht geglaubt hat.“ Das Totschlagsargument „Wer heilt, hat Recht“ habe sie auf Esoterik-Messen so oft vernommen, dass sie es nicht mehr hören könne. Gröning habe geglaubt, dass Satan Menschen vom rechten Weg – sprich seinem Weg – abbringe, sagt Hartung. Deshalb würden seine Anhänger auch Kontakte zu Zweiflern abbrechen.

Gröning bekam in Deutschland 1954 Auftrittsverbot. Als Heilpraktiker-Gehilfe fand er ein Schlupfloch in München, von ihm „angesprochene“ Stanniolkugeln wurden zu seinem Markenartikel. 1958 wurde er wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt, weil er durch die Suggestion seiner Heilsversprechen die ärztliche Behandlung eines an Tuberkulose erkrankten Mädchens störte. Das Mädchen starb.

Auch sich selbst konnte Gröning nicht heilen. Im Alter von 53 Jahren starb er 1959 an Krebs. Seinen Nachruf begann das Nachrichtenmagazin Spiegel damals mit den mahnenden Worten: „Sein Leben war die Antwort auf die Frage, was die Aufklärung an uns vermocht habe. Sie hat fast gar nichts vermocht. Das Mittelalter dauert an.“

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