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Vortrag für Kinder beim Max-Planck-Institut in Lindau

Warum ist die Sonne gelb? Vortrag für Kinder beim Max-Planck-Institut in Lindau

„Ich beobachte die Sonne, um herauszufinden, wie sie funktioniert“, sagt Dr. Achim Gandorfer und erklärt damit, was er in seinem Beruf als Sonnenphysiker beim Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) tut. Bei der zweiten Veranstaltung der Vortragsreihe „Max-Planck-Wissenswelten – Vorträge für junge Entdecker“ gab er jetzt jungen Zuhörern einen Einblick in die spannende Welt unseres Sonnensystems.

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Gespannte Mienen: Der Vortrag über Sonne und Sterne füllt den Hörsaal im Max-Planck-Institut in Lindau.

Quelle: Pförtner

Mit einem schlichten „Hallo“ begrüßt Gandorfer die Runde im MPS. Um die Sonne und Sterne solle es heute gehen, eröffnet der Mann hinter dem Rednerpult, und große, erwartungsvolle Augen blicken ihn an. Dass diese Himmelkörper alles andere als langweilig sind, beweist er mit Aufnahmen von der Sonne, wie sie die Kinder wohl noch nicht gesehen haben. Ein leises „Wow“ zieht sich durch die Bänke. Das Eis zwischen Redner und Zuhörern ist gebrochen. Charakteristisch für Sterne, so Gandorfer: „Sie leuchten“. Das mache den Unterschied, beispielsweise zu Planeten, aus.

„Und jetzt brauch’ ich eure Hilfe“, so der Experte weiter. Immer wieder bezieht er während seiner einstündigen Darstellungen die kleinen Zuhörer mit ein. Gemeinsam „bauen“ sie ein Sonnensystem; die Sonne steht – im Maßstab eins zu einer Milliarde verkleinert – als großer gelber Ball bei Gandorfer am Pult. Die weiteren Planeten, die zu „unserem Sonnensystem“ gehören, verteilt er in Form von Murmeln, Holz- und Styroporkugeln an Jungen und Mädchen, die diese auf dem Heimweg in entsprechendem Abstand „zum Ball hier“ positionieren sollen. Den weitesten Weg muss der Pluto nehmen, der, dem Maßstab folgend, erst in Krebeck den richtigen Abstand zur Sonne hat. Die anderen acht Planeten bekommen einen Platz zwischen MPS und Krebeck zugeteilt. „Und die nächste Sonne, wo wäre die in diesem Modell?“ In Duderstadt, Hamburg oder gar in Afrika? „In Australien“, kommt ein Vorschlag aus einer der Sitzreihen. Afrika sei ausreichend – „aber ihr seht, das Weltall ist leer“. Weltraumaufnahmen an der Wand hinter ihm belegen, was er sagt.

Und warum ist die Sonne gelb? Die Farbe, erklärt der Sonnenphysiker, sei ein Maß für die Temperatur. Je heller, desto heißer. Gut nachvollziehen könne man dies an einem Hufeisen, das vom einem Schmied erwärmt wird. An der Wand erscheint das Bild eines heißen Eisens, manche Teile sind rot, manche hellgelb. Ein Nicken geht durch den Raum. 6000 Grad Celsius heiß sei die Sonne an ihrer Oberfläche; so heiß, „dass kein Material es aushalten würde“. Nur Gas, aus dem auch die Sonne sei. Die Sonne, also ein großer, heißer Gasball. Wieder herrscht im Raum gespannte Stille.

Schlagartig schlägt diese in ein Kichern um, als Gandorfer einen Luftballon aus der Tasche zieht und ihn hastig aufpustet. Wenn das Gas im Inneren des Ballons von eben diesem zusammengehalten werde, wer halte dann die Sonne zusammen? Eine mutige Meldung im Publikum: „Ich würde sagen, der Kern hat Anziehungkraft.“ Richtige Lösung, die anerkennende Blicke erntet.

Die letzte große Frage ist die nach dem Unterschied zwischen der Sonne und anderen Sternen. Nach den Ausführungen des Physikers ist klar: Die Sonne ist auch einer, nur eben „ein richtig großer.“ Und was passiert mit Sternen, die nicht mehr genügend strahlen? Vor dem Ausglühen „lassen sie es noch mal so richtig krachen“, bekommen die Entdecker erklärt. Sie pumpen sich auf, ihre Hülle löst sich vom Kern, kühlt dadurch ab – und wird rot. Am Himmel erkennt man sie dann als rote Riesen. Und was bleibt, wenn die Hülle sich abgelöst hat? Ein weißer Zwerg. Der Hörsaal lacht. „Und welche Farbe hat dann nun der Himmel?“, fragt Gandorfer abschließend. Logisch, bei genauem Hinsehen ist er bunt.

„Das habe ich vorher nicht gewusst, dass Sterne auch blau sind“, sagt David Rittmeier hinterher erstaunt. Der sechsjährige Nesselröder ist mit seinem Bruder, Felix, und Cousin Lukas Rittmeier, beide acht, da. Es ist der erste Vortrag, den sie aus der Reihe hören. „Dass die Sterne zum Schluss noch mal so Power geben und nicht einfach langsam verglühen...“ Lukas‘ Augen leuchten. Am meisten hat sie überrascht, dass es auch noch Sterne gibt, die größer sind als unsere Sonne, so Felix. Viel Neues hätten sie erfahren. Nur die Planeten, erzählen die drei, hätten sie schon aus der Schule gekannt. „Jetzt werde ich meinen Mitschülern am Montag erzählen, dass wir hier viel gelernt haben“, plant Felix. „Und ich werde erzählen, dass Sterne blau sind, wenn sie nur heiß genug sind“, fügt sein Bruder hinzu. „Und wie viele Glühbirnen man bräuchte, um die Helligkeit der Sonne zu erzeugen“, sagt Lukas und schaut, als würde er sich die 1 mit den 25 Nullen noch mal ins Gedächtnis rufen. Ob sie das nächste Mal wieder dabei sind? „Auf jeden Fall.“ Gleich nach der Veranstaltung haben sie sich für den nächsten Vortrag am 4. März angemeldet. Thema dann: „Funktioniert mein Kompass auch auf dem Mars?“

Von Christina Stender

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