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Was kann man mit Büchern tun, ohne sie zu lesen?

Welttag des Buches Was kann man mit Büchern tun, ohne sie zu lesen?

Ein Gegenstand feiert heute seinen Ehrentag. Es handelt sich dabei zwar „nur“ um ein Ding, bestehend aus Druckerschwärze und Papier, doch es beinhaltet die Geistesgeschichte der gesamten Menschheit. Der „Welttag des Buches“, 1995 von der UNESCO initiiert, geht zurück auf eine katalanische Tradition ähnlich des Valentinstages. Was aber kann ein Buch neben seiner ursprünglichen Bestimmung als Buchstabenträger noch alles leisten?

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Quelle: Pförtner

„Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“ Schon Kafka blieb die waffenähnliche Verwendungsmöglichkeit von Büchern nicht verborgen, auch wenn er ihren Einsatz wohl auf die literarische Rezeption bezog. Meyers Konversationslexikon bietet der Hausfrau von heute aber auch eine fixe Alternative zum Nudelholz, um den spät heimkehrenden Gatten seiner gerechten Strafe zuzuführen. Von Softcovern ist in diesem Zusammenhang aufgrund der fehlenden Durchschlagskraft abzuraten.

Der geistesgegenwärtige Gatte hingegen hat nun Gelegenheit, die Gunst der Stunde zu nutzen und den ungeliebten Zellulose-Schinken ganz beiläufig unter das Osterfeuer zu schieben. Wahlweise, das heißt im Falle einer handwerklichen Begabung, kann aus mehreren Büchern auch ein Kunstobjekt wie etwa ein Tisch werden. Das ermöglicht einem ruhmlosen Werk nicht nur ein ehrbares Zweitleben, sondern kann auch in lukrativer Weise per Internet-Markt den Geldbeutel klingeln lassen.

Für alle diejenigen, die kein Vertrauen in Bankanlagen mehr besitzen oder einfach das lasterhafte Rauchen nicht lassen können, bieten selten gelesene Exemplare im Bücherschrank auch eine professionelle Versteckmöglichkeit für Geld und Zigaretten. Von den althergebrachten Nutzungsmöglichkeiten des Buches als Sonnenschutz oder Blumenpresse mal abgesehen, hat das Buch selbst Bedeutung für jene gewonnen, die Seiten mit Buchstaben höchstens hinter dem Cover einer „Cosmopolitan“ entdecken. Auch Model-Mutti Heidi Klum nutzt umfangreiche Publikationen gerne mal als billigen Lauftrainer für ihre „Mädchen“.

Als letzte Rettung könnte ein Bücherstapel auch in Ermangelung eines Wagenhebers beim Winterreifenwechsel helfen. Wer die alljährliche Umzäumung schon hinter sich gebracht hat, trotzdem aber von Langeweile geplagt wird, möge sich im Bücherweitwurf versuchen. Nach dem Baumstammweitwurf möglicherweise die zweitbeliebteste schottische Sportart in Europa.

Von Anna Kleimann

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