Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Weiberfastnacht: Eichsfelder Herren bangen um ihre Krawatten

„Es geht den Männern an den Kragen“ Weiberfastnacht: Eichsfelder Herren bangen um ihre Krawatten

Die Karnevalszeit brachte im Laufe der Jahrhunderte unzählige Traditionen hervor. Am Fetten Donnerstag müssen sich die Männer im Eichsfeld besonders vor einem Brauch in Acht nehmen, der aber dem anderen Geschlecht umso mehr gefällt: Die „Weiber“ feiern Fastnacht, und kein Schlips ist vor ihnen sicher.

Voriger Artikel
Anbau brennt Duderstädter Feuerwehr unter den Nägeln
Nächster Artikel
Duderstädter Krankenhaus-Team vermittelt Erste Hilfe
Quelle: Erichsen/dpa

Duderstadt. Das Abschneiden des beliebten männlichen Halsschmucks bereitet der holden Weiblichkeit Jahr ein, Jahr aus diebische Freude. Kein Brauch zeigt die Dominanz der Damen so deutlich wie dieser. Und der Mann? Der muss die ganze Prozedur  ertragen. Eine schreiende Ungerechtigkeit? Aber nur aus der Sicht der männlichen Karnevalisten.

Für Spielverderber gibt es nur eine Möglichkeit, sich vor den mit Scheren bewaffneten Frauen zu schützen: den Schlips zu Hause lassen. Für wahre Männer ist dieses Ausweichmanöver aber keine Option. Besonders wenn die Krawatte zum beruflichen Alltag gehört, bleibt nur ein Ausweg, nämlich sich seinem Schicksal zu ergeben.

Fünf dieser tapferen Herren stellen sich seit jeher dieser Gefahr. Björn Henkel, Ralf Regenhardt, Wolfgang Nolte, Markus Kohlstedde und Markus Teichert gehen sogar noch einen Schritt weiter, indem sie ihre liebsten Schlipse preisgeben und den weiblichen Karnevalisten uneingeschränktes Verständnis für ihre Tradition entgegenbringen.

Von Kay Weseloh

 
 
Geschenk von der Liebsten   Passend zum Logo

„In dubio pro Karneval – im Zweifel für den Karneval“, fällt Ralf Regenhardt , Geschäftsführer des Caritasverbandes in Stadt und Landkreis Göttingen, spontan ein, wenn er an die lustige Jahreszeit denkt. Die Begeisterungsfähigkeit der Karnevalisten, der Spaß und die Freude der Beteiligten, begeistere auch ihn.

Deshalb empfinde er die Tradition des Schlipse-Abschneidens auch als charmant. „Es geht ja um die Entmachtung des Mannes“, sagt er. Es sei nur gerecht, dass es uns auch mal „an den Kragen“ geht. Nur seinen Lieblingsschlips, ein Geschenk seiner Frau, würde er gerne vor der Schere bewahren.

 

„Auch in unserer Bank ist das Abschneiden der Schlipse Tradition“, sagt Björn Henkel , Vorstandsmitglied der Volksbank Mitte in Duderstadt. In den fast 22 Jahren die er in der Bank tätig sei, habe er bereits eine zweistellige Stückzahl Krawatten einbüßen müssen.

„Dankenswerter Weise erinnert mich meine Frau an Weiberfasching, dann kann ich schnell einen älteren Schlips anlegen“, schildert er. Zudem gingen die Damen der Volksbank behutsam vor. „Den Lieblingsschlips dürfen wir noch in Sicherheit bringen“, sagt er dankbar. Sein derzeitiger Favorit sei aktuell schmal, gestreift und passe zum Volksbank-Logo.

 
 
 
Karos und Streifen   Auffällig rot

„Es drohen auf jeden Fall keine körperlichen Auseinandersetzungen“ für den Fall, dass eine Dame seinen Lieblings-Schlips abschneiden sollte, sagt Wolfgang Nolte , Bürgermeister der Stadt Duderstadt im Spaß. Überhaupt sei es notwendig, die Tradition mit Fassung und Humor zu tragen.

Das Eichsfeld habe vor Jahrhunderten zu Mainz gehört, weshalb er selbst und die Region eng mit dem Karneval verbunden sind. Seine Lieblings-Krawatte, so Nolte, müsse ein längs-gestreiftes Karomuster aufweisen, am besten mit rot-blauer Farboptik.

 

„Ich komme zwar nicht aus der Karnevalshochburg, aber ich habe eine Kölnerin geheiratet“, sagt Markus Kohlstedde , Geschäftsführer des St. Martini Krankenhauses und Altenheims. Damit käme ein grundlegendes Verständnis für die Tradition des Schlipse-Abschneidens.

Die Begeisterung an Karneval sei Grundvoraussetzung für die Heirat mit einer Kölnerin und gehöre zum Gesamtpaket. „Ich habe selber zwei Jahre in Köln gewohnt, daher bin ich eng mit den Traditionen vertraut und auch für diesen Spaß zu haben“, sagt er. Wie seine Lieblingskrawatte aussähe, beschreibt er ohne Umschweife: „Rot“.

 
 
 
Kundenfänger mit „S“

„Wenn die Dame dadurch Kundin unseres Hauses wird, darf sie mir gerne den Schlips abschneiden”, sagt Markus ­Teichert , Vorstandsmitglied der Sparkasse Duderstadt, erheitert. Er denkt, dass die Karnevalszeit Anlass gebe, ausgelassen zu feiern.

Da passe die Tradition des Schlipse-Abschneidens sehr gut ins Bild. Ihm sei die Tradition sehr vertraut, da sie auch in seiner Sparkasse vereinzelt stattfinde. Die Frage nach seinem Lieblings-Schlips sei für ihn leicht zu beantworten: „Mein Sparkassen Schlips: Rot mit weißen Streifen und dem Sparkassen „S“.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Apfel- und Birnenmarkt in Duderstadt

©Richter