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Weimarer Kultur-Express gastiert an Berufsbildenden Schulen Duderstadt

Essstörungen auf Theaterbühne Weimarer Kultur-Express gastiert an Berufsbildenden Schulen Duderstadt

In Deutschland leiden über zwei Millionen Menschen an Essstörungen. Zwei Schauspielerinnen des Weimarer Kultur-Express haben rund 150 Schülern der Berufsbildenden Schulen (BBS) Duderstadt am Dienstag vorgeführt, welche drastischen Folgen das haben kann. Ihre Inszenierung von Peter Tavantis Stück „Die perfekte Leere“ erntete kräftigen Beifall und regte viele Gespräche an.

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Diskutieren auf der Bühne in der BBS-Turnhalle über ihr Essverhalten: Stella und Bella (von links).

Quelle: Thiele

Duderstadt. Bella (Stefanie Masnik) will ein Star werden und als Sängerin ihren Freund bei einer Casting-Show beeindrucken. Doch Julian kommt nicht zu dem Auftritt, stattdessen macht er Schluss mit ihr. Bella schwankt zwischen Frustessen und Selbstzweifeln, ob sie zu fett ist.

Kurzerhand übernimmt Freundin Stella (Bettina Brezinski), die von fast allen Lebensmitteln die Kalorienzahl kennt, das Kommando über Bellas Speiseplan. Deren Pfunde purzeln, die Waage wird zu ihrem besten Freund. Irgendwann geht es nicht weiter abwärts. Sie will schon aufgeben, bekommt plötzlich Essattacken.

Nun tritt Stella mit viel krasseren Diättipps auf den Plan. Bella will mit ihr durch „dünn und dünn“ gehen. Beide treten einem Online-Forum bei, das für Anorexie und damit Magersucht wirbt. „Ana till the end“ ist das Motto für ihre Freundin – Anorexie bis zum Schluss. Ohne Nahrung aber mit jeder Menge Abführmitteln endet die Magersucht für sie tödlich.

Zeit für Gespräch

Beiden Darstellerinnen gelingt es, über die tiefer liegenden Gründe und Hintergründe von Essstörungen wie Anorexie und Bulimie, die auch  Ess-Brech-Sucht genannt wird, aufzuklären, ohne dabei Humor und Spaß zu kurz kommen zu lassen.

Nach dem Schlussapplaus sprechen Masnik und Brezinski in der BBS-Turnhalle mit den Schülern über das Stück. Gründe für eine Essstörung können aus deren Sicht falsche Schönheitsideale in der Gesellschaft, Gruppenzwänge und Mobbing sein.

Das Publikum erfährt, dass die gesundheitlichen Probleme nicht frauenspezifisch sind. Jeder zehnte essgestörte Patient sei ein Mann. Das Duo aus Weimar freut sich, dass die Schüler „sehr aufmerksam“ gewesen sind. „Es hat echt super funktioniert“, fasst Masnik ihren Eindruck zusammen.

Zufrieden ist auch Deutschlehrerin Katja Fürstenberg. Viele Schüler wüssten nicht, „was so ein Theaterstück überhaupt ist“. Ziel sei es, „dieses vergessene Kulturgut mal wieder ins rechte Licht zu rücken“. Mit den Inhalten des Stücks setzen sich Schüler aus unterschiedlichen Blickwinkeln im Unterricht auseinander, so Fürstenberg.

Von Axel Artmann

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