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Wolfgang Apsel spricht bei Versammlung der IG-Bau-Senioren

Hinter dem Grau führt ein Weg weiter Wolfgang Apsel spricht bei Versammlung der IG-Bau-Senioren

„Und plötzlich ist alles nur noch grau.“ Wolfgang Apsel kennt die Lage, in der sich Angehörige nach dem überraschenden Tod eines Familienmitglieds befinden: Unfall, Feuer, Suizid oder andere Ereignisse, die einen Menschen aus dem Leben gerissen haben, können eine Überforderung für die Hinterbliebenen darstellen.

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Quelle: Eckermann

Brochthausen. „Dann ist Hilfe nötig“, sagt Apsel, der am Dienstag auf Einladung des Seniorenarbeitskreises Eichsfeld-Duderstadt der IG Bau referiert hat. Vorsitzender Heinrich Ahrens und rund 80 Zuhörer informierten sich über die Arbeit der Helfer. Apsel ist Notfallseelsorger und ausgebildet in Psychosozialer Notfallversorgung. Bevor der ehemalige Bundespolizist, der im Einsatz wie auch im Privaten bereits einige Schicksalsschläge erlitten hatte, in den Ruhestand ging, fasste er einen Entschluss: „Ich will helfen“. Nach einem Lehrgang vor rund fünf Jahren ist er Teil eines zehnköpfigen Teams, das der Kirchenkreis Harzer Land schickt, „wenn es drauf ankommt“.

Es müssten nicht immer die Schicksalsschläge sein, die später auf den Titelseiten der Zeitungen Erwähnung fänden, erklärte Apsel. Die Notfallseelsorge komme immer dann, wenn jemand plötzlich geht: Apsel warf Fragen auf, um dafür zu sensibilisieren: Was passiert mit Opa, wenn Oma plötzlich nicht mehr aufwacht und die Kinder weit weg wohnen? Was, wenn Papa einen Arbeitsunfall hatte? Was, wenn ein Kind vor den Eltern geht? Dann brauche es Hilfe von außen. „Wir kommen, wenn wir gerufen werden, jederzeit. Und wir fragen nicht, welchen Glauben derjenige hat.“

Den Anwesenden rät er, sich Hilfe zu holen, wenn sie sie brauchen. Und er rät ihnen, so lange sie nicht betroffen sind, sorgsam mit ihrem Leben und ihren Angehörigen umzugehen:  „Wir haben alle nur eine beschränkte Lebenszeit auf dieser Erde.“ Manchmal sei es nicht mehr möglich, sich zu verabschieden, wenn diese Zeit abgelaufen ist. Darauf könne sich jeder selbst vorbereiten, beispielsweise indem er Bilder von Familienangehörigen aufhängt, „nicht nur auf dem Laptop sollten sie da sein.“ So ließe sich später die gute Erinnerung aufrecht erhalten.

Letzte Worte

Außerdem appelliert er an jeden, den Partner im Alltag auch dann liebevoll zu verabschieden, wenn es zuvor Streit gab: „Stellen Sie sich vor, einem passiert etwas. Der Partner denkt immer nur an diese letzten Worte, nicht an die dreißig Jahre, die man zuvor miteinander verbracht hat.“

Auch bat er, gerade an die Jüngeren, darum, nicht ungefiltert Unfallbilder, Katastrophenfotos oder Gerüchte über vermeintliche Opfer zu verbreiten. „Für die Familie kann das bedeuten, dass sie es auf diesem Weg erfährt“, sagt er. Das sei niemandem zuzumuten. Auch Rettungskräfte, die damit konfrontiert würden, könnten damit vor ein Problem gestellt werden: „Aus der Ferne können sie nichts tun, das ist eine Belastung.“

Die Aufgabe des Notfallseelsorgers bestehe darin, die Todessituation vor Augen zu führen und Gefühle aufzubrechen. Dabei helfe ihm ein Bild, das seine Frau gemalt habe: Es zeigt ein massives, graues Kreuz. Hinter dem steinernen Rahmen schlängelt sich ein Weg durchs Grün, der Betrachter schaut auf eine hügelige Landschaft. „Hinter dem Grau geht es weiter“, solle es symbolisieren.

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©Richter