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Workshop mit Hörbeeinträchtigten

Lebenshilfe Leinefelde Workshop mit Hörbeeinträchtigten

Ein einmaliges, einzigartiges Projekt hat die Lebenshilfe Leinefelde-Worbis am Sonnabend in ihren Räumen in Leinefelde präsentiert: „Musik erleben“, ein Musikstück mit und von Hörbeeinträchtigten und dem Musiker Alexander Blume.

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Einzigartiges Projekt der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis: „Musik erleben“ in Leinefelde.

Quelle: Müller

Leinefelde. „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist/ Das ist alles, was sie hört/ Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist/ Wenn sie ihr in den Magen fährt“ – Herbert Grönemeyer besang Anfang der 1980er-Jahre, wie Hörgeschädigte Musik wahrnehmen können: durch Schwingungen. Doch das, so Alexander Blume, stelle nur eine Form der Musikrezeption dar. Visualisierungen etwa, optische Signale, machten auch für die, die nicht oder schlecht hören, Musik zu einem Erlebnis, das Gefühle – bei Schwingungen im doppelten Wortsinn – und Emotionen fördere.

 

Mit der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis und gefördert durch „Demokratie leben“ veranstaltete der renommierte Blues- und Jazz-Musiker, der mit DDR-Größen wie Stefan Diestelmann musizierte, einen Workshop in der Lebenshilfe. „Ich musste mir Gedanken machen“, erlklärte Blume, „wie ich gemeinsam mit ihnen arbeiten kann.“ Dabei meinte er nicht nur die Hörgeschädigten, sondern auch die anderen Teilnehmer, denn es habe sich um ein Inklusionsprojekt gehandelt, an dem ebenso Hörende teilnahmen. Zuerst bot er den Teilnehmern die Wahl, sich zwischen Bewegung und Instrumentalspiel zu entscheiden.

 

Singen, sagte Blume, sei schwieriger und erfordere mehr Übung, da auch die Kontrolle des Hörens beim Singen eine Rolle spiele. Doch letztlich entschieden sich alle für die Instrumente, für Gitarre, Kontrabass oder Pauke. „Sie hatten keine Berührungsängste“, sagte der Eisenacher Musiker. Unterschiede? Nein, widersprach Blume. Egal ob Hörender oder Nichthörender sei Üben wichtig, selbst wenn es nur wenige Griffe oder Töne seien. „Gemeinsam“ war das meistbenutzte Wort des Nachmittags. Zunächst führte er zusammen mit Sohn Maximilian, ebenfalls seit Jahren Blues- und Jazzmusiker, Möglichkeiten vor, Musik auf andere Weise zu zeigen. Mit ein wenig verdünnter Wasserfarbe und von unten angestrahlten Pauken, spielte der Schlagzeuger Rhythmen, ließ das farbige Wasser in die Höhe spritzen.

 

Einen anderen Zugang bot Libor Fišer, Gitarrist und Musikpädagoge der Musikschule Blume: Seine Klänge projizierten verschiedene Farben, jeder Ton eine bestimmte Farbe. „Der Mann ihrer Träume muss ein Bassmann sein/ Das Kitzeln im Bauch macht sie verrückt“: Höhepunkt des Nachmittags war das gemeinsame Konzert mit Chor, Gehörlosen und einer Tanzchoreographie zu Ode an die Freude“ von Beethoven und Schiller –zu dem auch das Publikum miteinsetzte: „Wenn du Musik machst, entsteht ganz schnell ein Gemeinschaftsgefühl“, war sich Alexander Blume sicher. „Dann vergisst sie, dass sie taub ist“.

Von Gunnar Müller

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