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„Wusste, dass der liebe Gott mich hier haben will“

Jubiläum „Wusste, dass der liebe Gott mich hier haben will“

„Ich habe nie gezweifelt, denn ich wusste, dass der liebe Gott mich hier haben will“, sagt Schwester Gabriele Fiedler entschieden über ihren Eintritt in die Ordensgemeinschaft der Ursulinen. Ebenso wie ihre Mitschwester Genovefa Heptner, die am 4. November den 60. Jahrestag ihrer Einkleidung feiert, blickt sie am morgigen Sonntag an ihrem 65. Ordensjubiläum auf mehrere Jahrzehnte Tätigkeit und Schaffen in der Nachfolge der heiligen Ursula zurück.

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Haben nie  gezweifelt: Schwester Genovefa (l.) und Schwester Gabriele.

Quelle: Lüder

Duderstadt. Aufgewachsen ist Gabriele in Bremerhaven, „damals war das noch keine Großstadt“, und absolvierte nach der Schule das damals für alle geltende „Pflichtjahr“ auf dem Wohldenberg, einer heute zur Diözese Hildesheim gehörenden Jugendbildungsstätte. Hier kam sie erstmals in Kontakt mit Ordensschwestern. Geboren und aufgewachsen allerdings in Zeiten des Krieges, musste auch sie als junges Mädchen bis zum Ende des „Dritten Reiches“ zusammen mit ihrem Vater in einer Munitionsfabrik arbeiten. „Das waren damals schwere Zeiten“, erinnert sich die 87-Jährige. Gabriele suchte gleich nach Kriegsende das Gespräch mit der Duderstädter Oberin Augustina, die sie um Aufnahme in den Orden bat.

Ihre Familie habe ein wenig überrascht auf ihre „Verkündung“ reagiert, habe sie doch vorher nichts von Gabrieles Plänen gewusst. Die damals 22-Jährige ließ sich allerdings nicht beirren und nahm trotz zunächst skeptischer Mutter die Ausbildung als Novizin auf.
Zusammen mit einer anderen Ursuline kümmerte sich Gabriele dann um die Buchhaltung und Finanzverwaltung im Kloster. Die Begabung für den Umgang mit Zahlen habe sie wohl von ihrer Mutter geerbt, „die musste immer rechnen, denn wir hatten nicht so viel“.  

„Sie zählt noch heute die Kollekte“, ergänzt Oberin Ingeborg Wirz schmunzelnd. Nach zehn Jahren im Ursulinenkloster sei von ihrer Mutter dann „ein wunderbarer Brief“ gekommen, erzählt Gabriele, der ihren Stolz auf die Tochter zum Ausdruck brachte. Ihr fester Wille und die Zuverlässigkeit seien der 87-Jährigen immer erhalten geblieben: „Wenn sie jetzt mal verschläft, dann steht sie um halb sechs statt um fünf auf“, sagt die Oberin lächelnd.

Fünf Jahre später als Gabriele ist Genovefa in der Orden der Ursulinen eingetreten. Als sie 1952 unter Oberin Cäcilia in Duderstadt eingekleidet wurde, war sie fest entschlossen „in einen strengen Orden“ einzutreten, da es ihr nicht ganz leicht fiel, sich von ihrer Familie und ihren sieben jüngeren Geschwistern zu trennen, mit denen sie aus ihrer schlesischen Heimat ausgewiesen worden war. Nachdem sie ebenfalls auf den Wohldenberg gemeinsam mit den Ordensfrauen die Exerzitien durchgeführt hatte und kurz danach das Duderstädter Kloster besuchte, „wusste ich es“. Die ersten zwei Jahre bis 1954 unterrichtete Genovefa an der Landfrauenfachschule in Duderstadt, die dann geschlossen wurde.

Für ein Mathematik- und Biologiestudium zog sie anschließend nach Hannover und Münster, um nach dem Referendariat für höheres Lehramt zur Lehrtätigkeit am damaligen Ursulinen-Gymnasium nach Duderstadt zurückzukehren. 1973 schloss der letzte von Ursulinen betreute Abiturjahrgang die Schule ab. Von 1972 bis 1988 übernahm Genovefa daher die Leitung der Marienschule in Hildesheim, um dann bis 1996 als Oberin wiederum in Duderstadt die Grundsanierung des dortigen Klosters zu betreuen und den Umbau des halben Hauses zu einem Gästebereich zu organisieren. 16 Zimmer mit Nasszellen sind auf Entschluss des Konvents und unter ihrer Leitung dort entstanden. Bis 2010 hat die heute 85-Jährige den Gästebereich, der für Besucher Aufenthalt und Teilhabe am Klosterleben ermöglicht, weiter betreut.

Zusammen mit dem Bischof besprach sie damals das Vorhaben. Genovefa: „Wir haben überlegt, wie wir bei einem immer kleiner werdenden Konvent mit den Zimmern umgehen können. Und er hat dann gesagt ‚Lassen Sie die Menschen teilhaben‘.“

Von Anna Kleimann

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