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Zeit des Innehaltens beginnt für viele Eichsfelder

Zeichen der Erinnerung Zeit des Innehaltens beginnt für viele Eichsfelder

Für viele Eichsfelder beginnt eine Zeit des Innehaltens. Auf Friedhöfen setzen sie mit Grabschalen, Gestecken, Blumensträußen und anderen Botschaften ein Zeichen der Verbundenheit zu verstorbenen Angehörigen. Florale Arrangements gibt es in unterschiedlichen Größen und Formen.

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Hält Gesteck auf Wurzelwerk: Claudia Hampel.

Quelle: Richter

Eichsfeld. Ein Klassiker zu den Gedenktagen sind Grabschalen, so Tobias Manegold vom Betrieb Blumen-Manegold aus Seulingen, der die Schalen mit Nordmannstannen aus eigener Anpflanzung füllt. „Diese Tannen sind sehr schön dunkel und glänzend“, erläutert der Gärtnermeister. Für einen Kontrast sorge das Zypressengewächs Thuya. Integriert sind nach Manegolds Worten oft Zapfen und Proteen. Weitere Bestandteile können Schafgarbe, Mohnkolben und Palmspeerblätter sein, generell kommen viele Exoten in Frage. Bei der Grabgestaltung spielen Kreuze und Sterne aus Moos ebenso wie geflochtene Herzen aus getrockneten Naturmaterialien eine wichtige Rolle. „Dieses Jahr sind Rindenkränze sehr gefragt“, benennt der Fachmann einen Trend.

„Grabsträuße für die Vase werden oftmals als Ergänzung zu  Gestecken genommen“, beobachtet Stefanie Löffelholz von Blumen-Teccolo. Gern gewählte Bestandteile der Sträuße sind frische Proteen, Ilex- und Tannenzweige sowie Zapfen. Besonders aber auch Heide, da sie in aller Regel mit der Bepflanzung harmoniert. Gefragt sind, so Löffelholz, gebleichte Elemente. Bei Gestecken kommen sie unter anderem in Form von Palmblättern und Schilfkolben zur Geltung.

Ein Trend sind Gestecke mit einem Wurzelwerk als Grundlage, berichtet Claudia Hampel, Mitarbeiterin am Stand der Gärtnerei Hesse aus Ecklingerode. Tannenzweige werden gerne kombiniert mit Zapfen, Holz  oder künstlichen Rosen, Calla und Orchideen.

„Es ist wichtig, Individualität auszudrücken"

„Oft beschreiben uns die Kunden die Grabstellen und wollen dann beraten werden“, weiß Hampel aus Erfahrung. Die gewählte Floristik solle einerseits damit harmonieren und andererseits einen Kontrast setzen. Vielen Menschen sei wichtig, dass Symbole wie Kreuze oder ein Engel in die Komposition eingebunden sind. Steine mit Aufschriften wie „Wir vermissen Dich“ und „Wir denken an Dich“ kleiden die Verbundenheit mit dem Verstorbenen in Worte.

„Es ist wichtig, Individualität auszudrücken, zu zeigen, dass es eine persönliche Gabe ist und dass ein bisschen Herzblut drinsteckt“, sagt Martin Marienfeld, Inhaber der gleichnamigen Gärtnerei aus Hattorf. Möglich sei dies mit kleinen Körben, bei deren Ausgestaltung der Fachmann viel Wert darauf legt, „dass es farblich nicht zu bunt wird.“ Zweige von Edeltannen würden kombiniert mit wachsgefertigten Rosen „oder älterem Efeu mit Patina, so dass es ein bisschen melancholisch wirkt“.

„Man merkt, dass es immer mehr Urnengräber gibt“, so Angela Kunz vom Teeladen, die eine steigende Nachfrage nach kleineren Arrangements registriert. Beispiele sind Moosgefäße, die unter anderem mit Nordmannstanne, Buxbaum, Kirschlorbeeren, Efeu und anderem frisch geschnittenen Grün gestaltet werden. „Dann kommen noch Exoten dazu“, so Kunz. Verziert würden die Schalen dann oft mit kleinen Engeln und Kreuzen. Auf kleinen Steinen werde Verbundenheit mit den Toten ausgedrückt.

Von Axel Artmann

Interview: Ritual im Trauerprozess

Mechthild Rittmeier und Marita Thiele vom Hospizverein Eichsfeld über Trauerkultur

Sie begleiten das ganze Jahr über Menschen in Trauer. Werden die Themen Tod und Trauer während der Gedenktage im November anders wahrgenommen als im übrigen Jahr?
Rittmeier: Schon. Allerheiligen ist eben ein fester Tag, an dem bewusst der Verstorbenen gedacht wird. Es handelt sich um einen Gedenktag, an dem sich Menschen in Gemeinschaft an die Verstorbenen erinnern. Die individuelle Trauer hingegen ist ein Prozess, dem jeder Mensch unterschiedlich begegnet.

Manch einer geht jeden Tag zum Friedhof, weil es ihm damit gut geht. Manch einer kann nicht zum Grab gehen, weil er sich damit überfordert fühlt. Wieder andere brauchen gar keinen festen Ort, um sich an den Verstorbenen zu erinnern, sondern tragen ihn sprichwörtlich im Herzen.

Thiele: Allerheiligen ist ein Ritual wie auch der Geburtstag des Verstorbenen oder dessen Todestag. Für manche Menschen ist es wichtig, an diesem Tag die Verbundenheit zum Verstorbenen zu zeigen, indem man zum Friedhof geht. Durch das Aufstellen einer Kerze oder eines Gesteckes wollen Trauernde sagen: Ich denke an Dich.

Grablichter und Blumenschmuck sorgen im Herbst für eine besondere Stimmung auf dem Friedhof.
Thiele: Richtig. Der Schmuck vermittelt einen Eindruck von Wärme und eine wohltuende Atmosphäre in der kalten Zeit. Insbesondere die Vielzahl der Lichter stellt eine symbolische Verbindung her, nicht nur zwischen dem Angehörigen und dem Verstorbenen.

Gleichzeitig wird damit eine Gemeinschaft aller Trauernden dargestellt. Die besteht natürlich auch im Sommer, aber in der Dunkelheit des Herbstes kommt sie stärker zum Ausdruck. Um diesen Tag herum werden die Gräber geschmückt, Kerzen werden aufgestellt. Ich kenne Menschen, die in der dunklen Zeit bewusst abends zum Friedhof gehen, um zu sehen, wo kein Licht brennt – und dort wird dann eine Kerze entzündet.

Die Gemeinschaft spielt also bei Trauernden eine Rolle?
Rittmeier: Nicht bei allen. Die zunehmende Zahl anonymer Bestattungen insbesondere in Großstädten zeigt, dass sich daran etwas verändert hat. Allerdings erleben wir im Eichsfeld noch etwas anderes: Hier nehmen nach wie vor viele Trauergäste an Beerdigungen teil.

Thiele: Ein Begräbnis ist eine Situation, in der die Hinterbliebenen die Gelegenheit haben, sich noch einmal mit dem verstorbenen Menschen zu beschäftigen. Je mehr er am Schluss mit anderen Menschen zu tun hatte, desto mehr werden von ihm Abschied nehmen wollen.

Dabei spielen das Alter, die Lebensumstände und auch die christliche Grundhaltung im Eichsfeld eine Rolle. Für viele ist die Teilnahme an einer Beerdigung zudem eine Situation, in der man sich die eigene Endlichkeit vor Augen führt – ähnlich, wie dies an Allerheiligen der Fall ist.

Das Interview führte Nadine Eckermann

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