Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Zeugen mit Erinnerungslücken

Prozess um versuchte räuberische Erpressung Zeugen mit Erinnerungslücken

Das Verfahren gegen zwei Männer wegen versuchter räuberischer Erpressung ist am Amtsgericht fortgesetzt worden. Erkenntnisse über das Tatgeschehen im Februar 2013 brachte der Prozesstag nicht - dafür ordnete Richter Michael Pietzek zwei Mal Ordnungshaft gegen Zeugen an.

Voriger Artikel
Grüne drängen auf Polizei-Kontrollen
Nächster Artikel
Verfolgungsfahrt in Ortsdurchfahrt
Quelle: dpa (Symbolbild)

Duderstadt. „Ich weiß nicht mehr“, lautete wohl der Satz, der an diesen Morgen am häufigsten fiel. Auch am zweiten Verhandlungstag beriefen sich Zeugen auf Erinnerungslücken. Bereits am ersten hatte dies dazu geführt, dass Handschellen klickten - wegen Aussageverweigerung. Da zunächst aber die Anordnung eines Ordnungsgeldes anstand, war es nicht zur Anwendung der Strafe gekommen.

Bilshäuser aus Wohnung gezerrt und auf Feldweg gebracht

Am Montag wurden nun drei Zeugen gehört, deren Aussagen im Vagen blieben: Ein 25-Jähriger, der wegen des Vorfalls in der Nacht zum 20. Februar bereits verurteilt worden war, erklärte, er könne sich erinnern, dabei gewesen zu sein, als ein Bilshäuser aus seiner Wohnung gezerrt und auf einen Feldweg gebracht wurde, wo er zusammengeschlagen und bedroht wurde. Außerdem soll jemand versucht haben, 3600 Euro vom Opfer zu erpressen, nachdem dieses einen Zigarettendeal fingiert hatte, um an 1500 Euro zu kommen, die es sich mit einem Komplizen teilte. So lautete die Anklageschrift.

Beteiligt gewesen seien daran die Männer, mit denen er bereits vor Gericht gestanden habe, erklärte der 25-Jährige. Ob aber die Angeklagten eine Rolle gespielt hätten - er wisse es nicht mehr. Das hingegen wollte ihm der Richter nicht glauben. Schließlich habe der junge Mann selbst mehrere Verhandlungstage miterlebt, in denen seine Erinnerung aufgefrischt worden sei. Er ordnete auf Antrag der Staatsanwältin zunächst eine Ordnungsstrafe von 400 Euro an, später ließ er ihn in Haft nehmen. Außerdem wies er den Zeugen darauf hin, dass durch seine fehlende Aussage entstehende Kosten an ihm hingenblieben. Der junge Mann schwieg dennoch weiter.

Zeuge: „Ein bisschen erpresst“

Ähnlich verhielt es sich mit einem zweiten Zeugen. Ein dritter hatte sich krankheitsbedings abgemeldet, ein Vierter konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden, da er sich im Ausland aufhält. Der zweite 25-Jährige bestätigte, dass ein wegen Beihilfe angeklagter 21-Jähriger am Tatort gewesen sei. Über den 33 Jahre alte Hauptangeklagten könne er das nicht sagen - Er wisse es nicht mehr. Das Tatgeschehen schilderte er in Kürze: In einer Spielothek hätten sich mehrere junge Männer getroffen und seien gemeinsam zur Wohnung des späteren Opfers gefahren. Dort „haben wir ihn rausgeholt und ein bisschen erpresst.“

Weiterhin sagte der 34-Jährige, der die Täter auf die Spur des Opfers gebracht hatte, aus. Außer dem Mann, der bei dem geplatzten Zigarettendeal um sein Geld gebracht worden war, habe er niemanden gekannt. Er sei angetrunken gewesen, zudem die Lichtverhältnisse schwierig, erklärte er.

Anwalt sieht Verhältnusmäßigkeit nicht gewahrt

Der Anwalt des älteren Angeklagten äußerte in einer Erklärung seine Bedenken an der Verhältnismäßigkeit der Anordnung der sogenannten Beugehaft. Pietzek setze voraus, die Zeugen täuschten ihre Erinnerungslücken nur vor, obwohl die einzige seinen Mandanten belastende Aussage von dem Zeugen getätigt worden sei, der sich im Ausland aufhalte und noch nicht geladen werden konnte. Entsprechend habe das Gericht ihn noch nicht gehört.

Dies soll nun am Mittwoch, 18. Mai, nachgeholt werden. Für diesen Tag sind die Zeugen des zweiten Verhandlungstages und der bisher fehlende Zeuge erneut geladen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Apfel- und Birnenmarkt in Duderstadt

©Richter