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Zivis machen sich rar

Nur noch sechs Monate Zivis machen sich rar

Eine Lücke in der personellen Versorgung hat sich zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres im August bei den sozialen Einrichtungen im Eichsfeld aufgetan. Die im Mai verabschiedete Regelung der Bundesregierung besagt, dass Zivildienstleistende statt für neun nur noch für sechs Monate verpflichtet werden müssen.

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Werden Mangelware: Zivildienstleistende in Pflegeheimen und Krankenhäusern.

Quelle: Herzog

Wird die Alternative zum Wehrdienst also zum längeren Praktikum? Und lohnt sich der Einsatz jugendlicher Helfer jetzt überhaupt noch?
„Die verkürzte Zivildienstzeit macht sich bei uns schon bemerkbar“, berichtet Martin Weinrich, Pflegedienstleiter des St. Martini Krankenhauses Duderstadt. „Bei uns hat im Juli jemand angefangen, der im Januar bereits wieder ausscheiden wird. Die drei restlichen Monate fehlen einfach“, so Weinrich.

Das Problem, das der neue Kurzzeit-Zivildienst auslöst, ergibt sich aus der Vakanz der Stellen bis zum Schuljahresende. Erst dann nämlich werden die sozialen Einrichtungen mit neuen Schulabgängern versorgt. Die Option, eine Verlängerung der Pflichtzeit von sechs auf zwölf Monate in Anspruch zu nehmen, stellt keine sichere Alternative zur bisherigen Handhabung dar. „Die meisten sind froh, wenn sie fertig sind“, meint der Dienstkoordinator.

Viel hat das Krankenhaus von seinen Zivis ohnehin nicht, denn neben der effektiven Dienstzeit stehen für die Wehrdienstverweigerer noch vierwöchige Lehrgänge an. „Plus Urlaubszeit und einer zweiwöchigen Einarbeitungsphase ergibt sich dann eine Effizienz-Zeit von weniger als fünf Monaten. Aufwand und Nutzen tragen sich nicht mehr. Wir überlegen, ob überhaupt noch Zivis aufgenommen werden sollen“, erklärt Weinrich.

In den Behinderteneinrichtungen der Lebenshilfe Duderstadt für Menschen mit Handicap stehen die Dienstleiter vor demselben Problem. „Wir gehen nicht davon aus, dass nach Ende des halben Jahres die nächsten auf der Matte stehen“, merkt Geschäftsführer Rudolf Nowald an.

Eine einzige Stelle ist am Kutschenberg für Zivildienstleistende jedes Jahr zu vergeben. Zuständig ist der oder die Jugendliche dort für den Transport der zu Betreuenden und die Unterstützung des Teams. Kontakt und Begegnung mit den Behinderten stehen dabei bewusst im Mittelpunkt. Eine Arbeit also, die zu einem großen Teil auf sozialer Ebene abläuft.

„Für die Menschen, die der Pfleger dann betreut, ist es natürlich auch nicht schön, wenn sie ständig neue Gesichter vor sich haben“, gibt Nowald zu bedenken. Trotzdem möchte er den Jugendlichen weiterhin die Möglichkeit bieten, die Lebenshilfe kennenzulernen. Wie genau die fehlende Zivi-Kraft aufgefangen werden soll, ist jedoch noch unklar. „Wahrscheinlich wird das große Probleme geben. Richtig sehen können wir es erst im nächsten Jahr“, erklärt der Geschäftsführer.

Noch keine Erfahrungen mit dem am 1. Dezember in Kraft tretenden Wehrrechtsänderungsgesetz hat das Duderstädter Altenheim Hollenbachstift gesammelt. Zwar scheiden die Zivis, die am 31. Dezember 2010 sechs Monate oder länger Dienst geleistet haben, laut Gesetz mit Ablauf dieses Tages aus, können aber ebenfalls auf Wunsch verlängern. Das haben die jüngsten Schützlinge von Verwaltungskraft Petra Schwedhelm bereits zugesagt. Selbstverständlich ist ein solches Engagement dennoch nicht.

Schwedhelm signalisiert jedoch Hoffnung: „Ich halte es durchaus für möglich, dass einige auch neun Monate arbeiten werden. Schließlich wäre nach sechs Monaten ohnehin erstmal Lehrlauf angesagt, wenn die Betreffenden ein Studium oder eine Ausbildung beginnen wollen.“ Schade sei es, wenn die Stellen aufgrund von fehlendem Kosten-Nutzen-Ausgleich abgeschafft werden müssten. Die Bewohner hätten ihre Freude an den jungen Leuten, die immer etwas Schwung einbringen würden. Wenn es keine Zivis mehr gibt, muss das Stift sich mit bezahlten Praktikanten oder FSJlern (Freiwilliges Soziales Jahr) behelfen. Diese hätten zwar durchaus auch die Chance auf einen Ausbildungsplatz, aber großer Andrang herrsche nicht. Schwedhelm: „Wir schalten zwar immer wieder mal Anzeigen, aber in den letzten zwei, drei Jahren haben wir immer weniger Bewerbungen bekommen.“

Von Anna Kleimann

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