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Zwangsarbeit in Südniedersachsen auf der Spur

Ausstellung in Duderstad Zwangsarbeit in Südniedersachsen auf der Spur

Eine Wanderausstellung über die Schicksale von NS-Zwangsarbeitern in Südniedersachsen hat die Geschichtswerkstatt Duderstadt in die Brehmestadt geholt.

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Beim Rundgang durch die Ausstellung: Brita Bunke-Wucherpfennig (rechts) zeigt Besuchern Dokumente aus der NS-Zeit.

Quelle: Walliser

Bis zum 10. Oktober ist in den Räumen der Handelskammer Hildesheim-Südniedersachsen, Auf der Klappe 45, donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr eine eindrucksvolle Zeitreise möglich. Sie eröffnet Einblicken in südniedersächsische Zwangsarbeiterschicksale während des NS-Regimes.

„Auf der Spur Europäischer Zwangsarbeit – Südniedersachsen 1939 bis 1945“ heißt die Ausstellung mit Fokus auf den Leidensweg von Zwangsarbeitern in der Region während des zweiten Weltkriegs. Hatte schon bei der Eröffnung Zeitzeuge Miroslaw Kuklinsky aus Warschau seine Erlebnisse – von der Verschleppung durch die Nazis über die Zwangsarbeit in Südniedersachsen bis hin zur Heimkehr –gegenüber den Zehntklässlern der Duderstädter St.-Ursula-Schule beschrieben, sind es darüber hinaus zahllose Biografien, die die Ausstellung so menschlich bewegend machen.

Stellwände, grau meliert, teils mit echtem Gefangenenbaracken-Holz versehen, zeigen in Bilddokumenten und mit textlichen Erläuterungen die Schicksale durch das NS-Regime verschleppter Menschen. Aus Polen, den Niederlanden und Italien waren sie zur Zwangsarbeit auch in Untereichsfelder Unternehmen gekommen. Sie wurden zur Arbeit in der Landwirtschaft, in der Gastronomie, in der Medizin, auch in dörflichen Bäckereien, der Reißwollfabrik Hollenbach und den Polte-Munitionsfabrik gepresst. Die Ausstellung zeigt zudem Fenster, ausgestattet mit Relikten aus jener Zeit und Schubladen mit Dokumenten. Über Landkarten spannen sich rote Fäden. Sie zeigen die Wege, die Zwangsarbeiter zurücklegen mussten, als sie aus ihrer Heimat verschleppt wurden. Aber nicht nur die Wege in die Zwangsarbeit spielen eine Rolle in der Ausstellung. Die Geschichten der betroffenen Menschen vor und nach der Zwangsarbeit, Rückkehr in die Heimat, sofern noch vorhanden, Überwindung der traumatischen Erlebnisse und bestehen bleibende Kontakte sind ebenso berücksichtigt.

Ein älterer Besucher bittet um Einblick in die Familiengeschichte, will eigene Spuren der Zwangsarbeit zurückverfolgen. Brita Bunke-Wucherpfennig, zweite Vorsitzende der Geschichtswerkstatt Duderstadt, hilft. Im Hintergrund Kinderstimmen. Schüler lesen einander die Berichte vor. Weitere Stimmen lenken ebenfalls die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Teil der Ausstellung enthält Videoaufnahmen einer Straßenumfrage zum Thema. Auch Wissen über Einzelschicksale ist per Video abrufbar. An Computerterminals mit Kopfhörern können Informationen und Interviews mit Zeitzeugen abgerufen werden.

International wie die Schicksale entstand auch die Konzeption der Ausstellung. Neben den Geschichtswerkstätten Duderstadt und Göttingen waren die Fundacja Polsko-Niemckie Pojedanie (Warschau, Polen), das Institutio di Storia Contemporanea (Como, Italien), Stichting Deportatie Oktober 1944 Noord-en Midden-Limburg (Helden, Niederlande) , sowie Uni und Fachhochschule Hannover beteiligt. Beim Aufbau in Duderstadt hat die GAB (Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung) geholfen. So enthält sie eine kleine Zusatzausstellung: Berufsschüler haben im Internet recherchiert und zum Beispiel Collagen erstellt. Thema war der Vergleich von Jugend heute und Jugend in der NS-Zeit.

Von Matthias Moneke

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