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Zwölfjähriger geht drei Kilometer zu Fuß nach Haus

Fahrplan kontra Bildschirmanzeige Zwölfjähriger geht drei Kilometer zu Fuß nach Haus

Rund drei Kilometer ist ein zwölfjähriger Junge aus Bösinghausen nach Einbruch der Dunkelheit nach Hause gelaufen, weil der Bus sein Dorf nicht ansteuerte. Das Problem: Die Ortsmitte ist nur als Bedarfshaltestelle im Fahrplan ausgewiesen, wird auf den Anzeigentafeln im Bus aber als Haltestelle angezeigt.

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Quelle: EF

Bösinghausen. „Wir sind dankbar, dass uns dieser Fehler jetzt angezeigt wurde“, sagt eine Sprecherin der Regionalbus Braunschweig (RBB). „Das wird auf jeden Fall geändert.“ Für Zoë Scho, die Mutter des Jungen, ist die Angelegenheit nicht so leicht aus der Welt geräumt. „Statt nach Bösinghausen abzubiegen, fuhr der Bus aus Waake kommend geradeaus wieder auf die B27“, erklärt sie den Sachverhalt. Darauf sprach ihr Sohn die Busfahrerin an, dass er nach Bösinghausen Ortsmitte wolle, worauf sie mit Hinweis auf den Fahrplan antwortete: „Das hättest Du mir sagen müssen.“ An der Anzeige im Bus stehe aber Bösinghausen Ortsmitte als nächste Haltestelle, wie die Mutter am darauf folgenden Tag selbst überprüfte und dokumentierte. Und deshalb würde sicher auch mancher Erwachsener davon ausgehen, dass der Bus dorthin fahren würde.

Florian habe daraufhin gebeten, an der nächsten Haltestelle – einer Schulbushaltestelle direkt hinter der Auffahrt auf die B 27 – aussteigen zu dürfen, was die Busfahrerin abwies. „Da darf sie aus versicherungstechnischen Gründen nicht halten“, erklärt die RBB-Sprecherin. „Das kann ich ja irgendwie noch verstehen. Letztendlich ließ sie unseren Sohn gegen 18.50 Uhr an der Bushaltestelle Hacketal raus, etwa drei Kilometer von unserem Haus entfernt“, beschwert sich Frau Scho. Der Junge sei auf eigenen Wunsch dort ausgestiegen, betont hingegen die Unternehmenssprecherin mehrfach. Für die Mutter ein nicht hinzunehmender Zustand, dass ein Zwölfjähriger allein im Dunkeln an der B 27 stehe. Die Fahrerin habe nicht einmal gefragt, ob ihr Sohn ein Handy dabei habe. „Das Gerät, dass die Busfahrerin als Handy gesehen haben will, ist ein iPod Touch.“ Und damit könne man nicht telefonieren. „Zumindest ist es ja wohl eine Selbstverständlichkeit, abzuwarten, ob ein Zwölfjähriger jemanden erreicht, wenn er an einer solchen Stelle aussteigt“, erwartet Zoë Scho. Am Ende habe ihr Sohn nach seinem Fußmarsch am nächsten Tag krank im Bett gelegen.

Einig, ob die Busfahrerin richtig oder falsch gefahren sei beziehungsweise gehandelt habe, werden sich beide Seiten nicht. Die RBB-Sprecherin weist deshalb abschließend noch einmal darauf hin, dass die Einträge in den Fahrplänen ausschlaggebend seien und Passagiere die Anfahrt einer Bedarfshaltestelle ankündigen müssen.

von Rüdiger Franke

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