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„Verlernt, mit Toten und Trauernden umzugehen“

Allerseelen und Totensonntag „Verlernt, mit Toten und Trauernden umzugehen“

Im November wird der Toten gedacht. Zuerst am morgigen Allerseelen, dann am Totensonntag, 25. November. Die Gärtnereien bieten reichlich Grabschmuck an, der auch gekauft und auf die Ruhestätten  gelegt wird – sofern diese nicht anonym im Friedwald liegen oder nur eine Urne beinhalten. Brauchen die Menschen noch Gedenktage an die Toten in einer Gesellschaft, die sich bemüht, den Tod auszuschließen?

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Gestecke und Lichter: Im Totenmonat November werden Grabstellen von Verwandten und Freunden besonders geschmückt.

Quelle: Lüder

Eichsfeld. „Wer einen nahestehenden Menschen verloren hat, vermisst diese Person ohnehin ständig“, sagt Mechthild Rittmeier, Vorsitzende des Hospizvereins Eichsfeld.

Dennoch sieht sie einen Sinn in den Gedenktagen: „Nach meiner Erfahrung nehmen sich viele aus verschiedenen Gründen vor, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen, aber im Alltag wird das dann immer weiter verschoben. Die Gedenktage können helfen, sich daran zu erinnern, dass Sterben und Tod ständig stattfinden“, sagt sie.

Tatsächlich hat sich im Umgang mit Tod allein in den letzten fünfzig Jahren viel verändert. Früher starben die Menschen meist zu Hause, oft hatte der Sterbende noch Gelegenheit, sich von den Angehörigen zu verabschieden und sich mit einem Geistlichen auf den Übergang vorzubereiten. „Damals konnten die Kinder von den Erwachsenen lernen.

Sie sahen, wie Abschied genommen wurde, wie die Toten gewaschen und aufgebahrt wurden und wie Freunde und Nachbarn reagierten. Heute wird gerade von Kindern und Jugendlichen das Thema Tod ferngehalten“, vergleicht Rittmeier. Heute wird meist fern von der Familie gestorben, in Krankenhäusern und Heimen, und selbst viele Erwachsene haben noch nie einen Toten gesehen.

Es wuchs eine Gesellschaft, in der dem Tod aus dem Weg gegangen wird, in der Menschen die Straßenseite wechseln, wenn ihnen ein Trauernder entgegenkommt. „Es fehlen oft einfach die Worte, Menschen sind verunsichert und haben verlernt, mit Toten und Trauernden umzugehen“, weiß Rittmeier.

Aber auch der Umgang mit der eigenen Trauer wurde verlernt. In Todesanzeigen ist häufig zu lesen: Von Beileidsbekundungen bitten wir Abstand zu nehmen. Früher besuchte die ganze Nachbarschaft die trauernde Familie und half bei den Vorbereitungen für die Beerdigung, die heute ein Bestattungsunternehmen übernimmt. „Der Trauernde ist heute oft genau so allein wie der Sterbende. Daher kann es sehr hilfreich sein, sich nicht erst mit dem Thema Tod zu beschäftigen, wenn man davon betroffen ist, beispielsweise in einem Hospizkurs“, rät Rittmeier.

Dennoch sieht sie auch eine Veränderung in der Gesellschaft: „Der Palliativgedanke spielt heute zum Glück eine immer wichtigere Rolle, bei Angehörigen wie auch bei Ärzten“, stellt sie fest. Besonders Menschen, die einmal erlebt hätten, wie furchtbar Sterben heute stattfinde und wie groß die Defizite im Umgang mit diesem Thema seien, würden zu einem Umdenken bewegt werden. Diese Gedanken zuzulassen, sei der erste Schritt, und diesen Schritt zu gehen – dabei könnten auch Gedenktage helfen.

Von Claudia Nachtwey

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