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Von Klebchen bis Sushi: Ernährung im Wandel

Erzählcafé Von Klebchen bis Sushi: Ernährung im Wandel

Früher wurden die Mahlzeiten bestimmt, von dem, was Garten, Feld und Hof hergaben. Heute kommen eher Fertiggerichte und Fast Food auf den Teller. Die Veränderungen bei den Ernährungsgewohnheiten standen im Mittelpunkt des letzten Erzählcafés im St.-Martinus-Altenheim in Bilshausen.

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Sigrid Jacobi (mit Mikrofon) moderiert: Beim Erzählcafé dreht sich alles um Kochen und Ernährung.

Quelle: EF

Moderatorin Sigrid Jacobi trug aus alten Eichsfelder Kochbüchern vor und fragte die Anwesenden nach deren Erinnerungen. Am häufigsten wurden früher Kartoffeln gegessen, die gab es zu jeder Mahlzeit, auch zusätzlich zu Reis, berichteten die Senioren. Spagetti kamen erst in den 60er-Jahren in Mode, nachdem die Reisewelle ausländische Geschacksrichtungen ins Eichsfeld trug. Der asiatische Einfluss kam erst sehr viel später. Und Sushi war den meisten Teilnehmern suspekt: Dennoch fanden sich einige Gäste, die mutig die mitgebrachte Spezialität probierten.

Das Sushi hatte Wolfgang Schöngraf vom „Club kochender Männer zu Göttingen“ beigesteuert. Er übernahm es, die moderne Küche vorzustellen, erläuterte auch Beispiele aus der Molekularküche, in der neben Chemikalien auch flüssiger Stickstoff eingesetzt wird.
Ein einheimischer Klassiker sind bis heute Saure Klebchen. Sie bestehen aus gekochtem Hintereisbein, Pfoten, Schwanz, Schnauze und Rippen vom Schwein – das alles mit einer klebrigen Soße aus Honigkuchen angerichtet. Lecker? Die Jüngeren im mit fast 80 Personen voll besetzten Saal verzogen jedenfalls das Gesicht. Weitere Eichsfelder Spezialitäten wie Lumpen und Lüse, Milchsuppe mit Klumpen oder Kartoffelsuppe mit Pflaumen erhellten die Gesichter der Älteren. Manche schienen den Geruch noch in der Nase zu haben, als sie sich an den Genuss von Apfelpfannkuchen im Kreise von neun Geschwistern am heimischen Esstisch erinnerten.

„Wir haben früher drei Schweine pro Winter geschlachtet, die bis zum Sommer reichen mussten,“ erinnerte sich eine Bilshäuserin. Kühltruhen gab es aber erst in den 60er-Jahren Jahren. Wie wurde früher haltbar gemacht? „Alles wurde verwurstet, eingekocht und geräuchert. Talg haben wir ausgelassen und einen Bindfaden hineingelegt“, berichtete die Teilnehmerin. „Nachdem der Talg fest wurde, konnte man ihn am Faden aufhängen und immer ein Stück für die Suppe abschneiden.“ Milchkannen habe man im Sommer in die Rhume gestellt, um sie zu kühlen.

In Bilshausen gab es früher trotz der vielen Hausschlachtungen noch mehrere Schlachter, berichteten die Senioren. Auch Gemischtwarenläden boten Lebensmittel an: Hier saß die Inhaberin hinter einer Glasscheibe, die sie beiseite schob, wenn Kundschaft kam. Alles wurde in Tüten abgewogen, fast alles erwarb man lose. „Am besten waren die von der Ladeninhaberin eingelegten Heringe“, schwärmte ein Bilshäuser.

Leider lerne heute die nachfolgende Generation viel zu selten das Kochen von den Müttern, bedauerten viele Gesprächsteilnehmer. „In der Schule gibt es zuviel Stoff, da passt Kochen nicht mehr rein“, meinten einige, andere kritisierten, dass mittlerweile überwiegend Fertigprodukte auf den Tisch kommen. „Da die Menschen heute an künstliche Geschmacksverstärker gewöhnt sind, emfinden sie die natürlichen Aromen oft als fad“, resümierte Schöngraf.

Schließlich wurde der Bogen geschlagen von der heutigen Küche zum Kochen in früheren Zeiten: ein gutes Stück Fleisch von Tieren, dessen Ernährung man kennt, saisonales Gemüse aus der Region , etwas Butter, Pfeffer und Salz: Das waren und sind auch heute wieder die Grundlagen einer leckeren Küche – fanden jedenfalls die Bilshäuser Senioren.

epw

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