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Vorwurf der Brutalität

Nach Polizeieinsatz Vorwurf der Brutalität

Der mit Pannen behaftete Polizeieinsatz in Rollshausen wirft weitere Fragen auf. Äußerst brutal sei das Sondereinsatzkommando (SEK) vorgegangen, sagen Jens Hoffmeister und Sarah Schultz, deren Wohnung die Beamten in der Nacht zu Donnerstag ebenfalls stürmten. Hoffmeister trug mehrere Verletzungen davon, seine Tochter Jannicka (19) und Lebensgefährtin Schultz sind traumatisiert. Die Polizei spricht von einer „gefährdungsausschließenden Vorgehensweise“.

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Eingeübtes Einsatzverhalten: Das Vorgehen in Bedrohungssituationen wird von Beamten (hier an der Polizeiakademie) trainiert.

Quelle: SPF

Rollshausen. Das SEK aus Hannover hatte nachts zunächst die falsche Wohnung in der Rollshäuser Ziegeleistraße gestürmt. Bereits das dort betroffene Ehepaar sprach von brutalem Vorgehen der Polizisten. In die Wohnung von Schultz und Hoffmeister eine Etage tiefer drang das SEK danach ein und überraschte diese im Schlaf. Tochter Jannicka war zuerst wach, als die Beamten die Tür aufbrachen, sie rief ihren Vater. Der stand, nur mit Unterwäsche bekleidet, im Flur, als sechs bis sieben vermummte Polizisten die Wohnung stürmten. Er habe die Waffen gesehen, überall rote Punkte von Laserzieleinrichtungen auf seinem Körper gehabt. „Ich habe gedacht, die erschießen Papa“, berichtet Jannicka.

Er sei dann zu Boden gerissen, mit Kabelbindern und Handschellen gefesselt worden. Dabei sei eine Sehne in seiner Schulter gerissen, so Hoffmeister. Am Boden liegend habe er den Kopf gehoben, wollte nach Tochter und Lebensgefährtin fragen. Da habe er zunächst einen Fuß in den Nacken bekommen, dann habe sich ein Beamter auf ihn gekniet. Als er wieder versuchte den Kopf zu heben, sei ihm ein Elektroschocker in den Rücken gedrückt worden. Hoffmeister trug Verbrennungen davon, schürfte sich durch die Verkrampfung die Knie auf, brach sich einen Zeh. Eine Waffe sei im so auf die Schulter gedrückt worden, dass ein Bluterguss zurückblieb.

Brutalität ist ein Vorwurf, Willkür ein anderer. Nachdem ihr Lebensgefährte in Unterwäsche abgeführt worden war, hätten zahlreiche Beamte die Wohnung durchsucht, berichtet Schultz. Als sie ins Badezimmer gemusst habe, seien Polizisten dabei gewesen. „Das war menschenunwürdig“, so Schultz. Bis zum gestrigen Freitagabend sei ihnen weder ein Durchsuchungsbeschluss vorgelegt, noch sei ihnen Betreuung angeboten worden.

Zum Hintergrund: Zum SEK-Einsatz kam es, nachdem ein Anrufer bei der Polizei behauptete, Hoffmeister habe ihm im Streit um Mietangelegenheiten eine Waffe an den Kopf gehalten. Hoffmeister bestreitet das. „Ich bin ein unbescholtener Bürger, habe das letzte Mal vor 25 Jahren bei der Bundeswehr eine Waffe in der Hand gehabt.“ Nach Tageblatt-Informationen wurde bei der Durchsuchung keine Waffe gefunden. Vielmehr berichten Zeugen von Provokationen des Anrufers. Der versuchte, beim Ortstermin auch die Tageblatt-Mitarbeiter einzuschüchtern.

Anzeige erstatten Hoffmeister und Schultz auch gegen die SEK-Beamten wegen übertriebener Gewalt. Mit dem Vorwurf der Brutalität konfrontiert, reagiert die Polizei mit dem Hinweis auf eine Bedrohungssituation. Für solche Fälle gebe es ein festgelegtes und eingeübtes Einsatzverhalten, so Polizeisprecherin Jasmin Kaatz auf Tageblatt-Anfrage. Konsequentes Handeln sei entscheidend für den Einsatzerfolg in Extremlagen. Dies möge den Betroffenen überzogen vorkommen, sei aber letztlich Ausdruck professioneller Vorgehensweise, so Kaatz.

Die Verantwortung für den SEK-Einsatz liegt bei der Polizeiinspektion Göttingen. Die Durchsuchung sei von der Staatsanwaltschaft beantragt worden, bestätigt deren Sprecher Andreas Buick. Sie habe den Eildienst des Amtsgerichts eingeschaltet. „Wie die Durchsuchung dann durchgeführt wird, liegt bei der Polizei“, so Buick. Gleichlautend äußert sich auch Stefan Scherrer, Sprecher des Amtsgerichts. Weil der Beschuldigte verdächtigt wurde, jemandem eine Waffe an den Kopf gehalten zu haben, sei die Durchsuchung angeordnet worden. „Das ist Beschluss. Der Rest ist Polizeitaktik.“ Angefordert wurde das SEK durch den Dienstabteilungsleiter der Polizeiinspektion

Vom Elektroschocker : Jens Hoffmeister zeigt Verbrennungen. OT

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