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Zeitzeugenberichte und Fotografien erinnern an Chemnitzer Haftanstalt

Wanderausstellung im Grenzlandmuseum Zeitzeugenberichte und Fotografien erinnern an Chemnitzer Haftanstalt

Die biografische Wanderausstellung „Das Kaßberg-Gefängnis und seine Gesichter“ ist im Grenzlandmuseum (GLM) eröffnet worden. Dokumentiert wird die mehr als 100-jährige Geschichte der Chemnitzer Haftanstalt, die ab den 1960er-Jahren zur Drehscheibe des deutsch-deutschen Häftlingsfreikaufs wurde.

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Die Ausstellung zeigt die Geschichte einer Chemnitzer Haftanstalt.

Quelle: Soeren Kracht

Teistungen. Die biografische Wanderausstellung „Das Kaßberg-Gefängnis und seine Gesichter“ ist im Grenzlandmuseum (GLM) eröffnet worden. Dokumentiert wird die mehr als 100-jährige Geschichte der Chemnitzer Haftanstalt, die ab den 1960er-Jahren zur Drehscheibe des deutsch-deutschen Häftlingsfreikaufs wurde.

Der Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis verfolgt das Ziel, die ehemalige Haftanstalt als Gedenkort zu erhalten und an seine Bedeutung im Nationalsozialismus und später in der SED-Diktatur zu erinnern. Steffi Lehmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins, gab zur Ausstellungseröffnung eine Einführung in die Geschichte des Gefängnisses und moderierte gemeinsam mit GLM-Geschäftsführerin Mira Keune das Gespräch mit dem Zeitzeugen Chris Bürger. In der DDR hatte Bürger mehrere Ausreiseanträge gestellt, die abgelehnt worden waren. Als die Repressionen gegen den vermeintlichen Volksverräter unerträglich wurden, plante Bürger mit zwei Freunden die Flucht aus der DDR, die jedoch verraten wurde und scheiterte. So landete er im Kaßberg-Gefängnis.

Anschaulich berichtete er über die Zustände, über psychische und physische Auswirkungen der Einzelhaft, der gesellschaftlichen Isolation nach der Entlassung auf Bewährung und von den erneuten Fluchtplänen, über die deutsche Botschaft in Prag in den Westen zu gelangen. Im Juni 1989 kam Bürger dort an. „Ich war der 40.“, sagte er und erzählte, wie die ausreisewilligen DDR-Bürger erst nach und nach, zum Teil über das West-Fernsehen, davon erfuhren, dass sich schon einige Landsleute in der BRD-Botschaft in Prag einquartiert hatten. Als es immer mehr wurden, ist Bürger zum Lagersprecher ernannt worden. Am 30. September 1989 stand er neben dem damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag. Genscher verkündete die Erlaubnis zur Ausreise von inzwischen rund 4000 DDR-Bürgern, die das Botschaftsgelände belagert hatten, um dem SED-Regime zu entfliehen und in den Westen zu gelangen.

Chris Bürger, ehemaliger politischer Häftling im Kaßberg-Gefängnis: „Für die Häftlinge hat die DDR rund 34 Milliarden D-Mark erhalten und damit ihr Überleben gesichert.“

Auf die Frage nach der Intension, sich so aktiv für den Verein und gegen das Vergessen einzusetzen, antwortete Bürger: „Mich motiviert, wenn ich höre, dass doch nicht alles schlecht war in der DDR. Aber was da geschehen ist, ist alles schwarz auf weiß belegt. Ich kann nur sagen: Doch, so schlimm war es!“

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Ausstellungseröffnung im Grenzlandmuseum

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Von 1963 bis 1989 wurden mehr als 33000 politische Häftlinge aus dem DDR-Gefängnis von der bundesdeutschen Regierung freigekauft. „Für die Häftlinge hat die DDR rund 34 Milliarden D-Mark erhalten und damit ihr Überleben gesichert“, sagte Bürger, der heute unter anderem auch bei der Bundesstiftung für Aufarbeitung aktiv ist und sich für Menschenrechte einsetzt.

Die Ausstellungseröffnung war der Auftakt zum Veranstaltungsprogramm des zweiten Halbjahres 2017 im GLM. „Das Kaßberg-Gefängnis und seine Gesichter“ ist zu den Öffnungszeiten des Museums noch bis Freitag, 15. September, zu sehen. Auf Roll-Ups werden die Geschichten von Zeitzeugen und die historischen Aspekte des Kaßberg-Gefängnisses präsentiert.

Von Claudia Nachtwey

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