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Lösungen zum Leerstand in Fachwerkstädten

Duderstadt Lösungen zum Leerstand in Fachwerkstädten

Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard und Jürgen Rödiger aus der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser haben anlässlich des Festivals „Denkmal!Kunst – Kunstdenkmal!“ im Duderstädter Rathaus einen Vortrag gehalten. Das Thema lautete „Stadt und Bürger vermarkten leerstehende Häuser“.

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Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard (rechts) und Jürgen Rödiger aus der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser referieren zum Thema Leerstand.

Quelle: Arne Bänsch

Duderstadt. Der Leerstand vor allem in Fachwerkgebäuden in vielen kleinen Städten sei dem demografischen Wandel geschuldet und stelle bundesweit ein Problem dar, erklärte Gebhard. In Wanfried sei bereits 2006 damit begonnen worden, eine Lösung zu suchen. „Es geht aber nur, wenn Stadt und Bürger gemeinsam anpacken“, sagt der Bürgermeister. Um das zu verdeutlichen, würden Rödiger und er die Vorträge grundsätzlich gemeinsam halten.

Wanfried habe 1608 die Stadtrechte erhalten, berichtet Gebhard. Seinerzeit habe die Stadt große Bedeutung in der Weser-Werra-Schifffahrt gehabt. Aus dieser Blütezeit würden auch die prächtigen Fachwerkhäuser stammen. Aktuell habe die Stadt rund 4200 Einwohner. 1995 habe ein starker Rückgang der Einwohnerzahl eingesetzt. „Wanfried hat in 20 Jahren etwa 700 Einwohner verloren“, so der Bürgermeister. Die Brügergruppe habe es aber geschafft, den Fall zu bremsen. So habe die Stadt 2012 erstmals wieder mehr Zu- als Wegzüge verzeichnen können. Und seit 2016 sei die Stadt wieder leicht gewachsen. „Wir gehen sehr offensiv mit dem Thema Leerstand um“, sagte Gebhard. Viele seiner Amtskollegen in Nordhessen hätten ihn gefragt, warum er das mache. Sie würden das Problem nicht als ihres erkennen. Es sei aber wichtig, frühzeitig gegenzusteuern. Und die Bürgergruppe habe sich dabei als eine Art Exportschlager für Wanfried herausgestellt.

Finsteres Szenario als Ausgangspunkt

Rödiger berichtet, dass 2006 zwei Bürger aus Wanfried zusammengesessen hätten und ein Szenario gebildet hätten, wie es wohl in fünf oder zehn Jahren in der Stadt aussehen würde. Ihr Fazit: Es werde bitter aussehen. Und so hätten die beiden Fachwerkhausbesitzer überlegt, wie junge Leute überzeugt vom Fachwerk überzeugt werden könnten. Sie überlegten sich, Kaufinteressenten beraten zu können. Und nach einigen Gesprächen habe sich eine kleine Gruppe gefunden, um sich in diesem Bereich zu engagieren – darunter Architekten und der heutige Bürgermeister.

Anfangs hätte sich die Gruppe einen Überblick verschafft. „In der Kernstadt fanden wir 21 Häuser“, erzählte Rödiger. Von denen sei nur ein Haus noch nicht veräußert. Es seien aber weitere Häuser hinzugekommen, sodass die Bürgergruppe gemeinsam mit der Verwaltung mittlerweile 55 Häuser erfolgreich vermitteln konnten. Zum Umfang der Angebote der Bürgergruppe zähle zum Beispiel, dass ein Architekt mit den Interessenten durch das Haus geht und ermittelt, was gemacht werden muss und was das kosten wird. Da alle in der Gruppe ehrenamtlich arbeiten, koste diese Dienstleistung nichts, sorge aber dafür, dass sich der Kaufinteressent willkommen fühlt. Und so würden Neubürger auch über den Kauf hinaus weiter beraten. Auch sei mit Handwerkern gesprochen worden, die sich zur Zusammenarbeit bereiterklärten. „Durch die Bürgergruppe sind insgesamt 3,5 Millionen Euro an die Handwerker vermittelt worden“, berichtete Gebhard. Es sei also ein Zusammenspiel vieler Seiten, bei dem alle gewinnen würden.

Werbung in den Niederlanden

Und die Wanfrieder hatten weitere Ideen. Sie inserierten 2009 auf einer Plattform in den Niederlanden, als dort die Immobilienpreise sehr hoch waren, sagte Gebhard. Dabei generierten sie in den ersten drei Monaten rund 4000 Klicks. Daraus resultierten 32 Anfragen, acht hätten sich Häuser angeschaut und zwei hätten am Ende gekauft. Mittlerweile seien 13 Familien aus den Niederlanden nach Wanfried gezogen, was für eine hohe Medienpräsenz der Stadt gesorgt habe. Es gebe sogar ein Fachwerkmusterhaus in der Stadt, in dem Kaufinteressenten gezeigt werden könne, welche Möglichkeiten es gebe, ein altes Haus modern umzubauen, erklärte Rödiger. „Das sorgt nach der Besichtigung der Kaufimmobilie meist für einen Aha-Effekt“, erzählte der Bürgermeister. Die Verwaltung betreue darüber hinaus ein tagesaktuelles Immobilienportal.

Von Rüdiger Franke

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