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„Wie eine Familie“: Weihnachten im Kloster

Augustiner-Ordensbrüder „Wie eine Familie“: Weihnachten im Kloster

Wenn der letzte Christbaum gefällt, das letzte Geschenk gekauft, die letzte Gans in der Tiefkühltruhe Platz genommen hat, werden wir dann feststellen, was der wahre Sinn von Weihnachten ist? Das Tageblatt hat Pater Benno Friedrich vom Germershäuser Augustinerkloster gefragt, was an den Festtagen wirklich wichtig ist und wie Weihnachten in seinem Konvent gefeiert wird.

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Besinnlich: Pater Rudolf Götz, Pater Ulrich Miller, Bruder Franz Unterburger und Pater Benno Friedrich (v.l.) an der Krippe.

Quelle: Lüder

Weihnachten im Kloster – das muss doch die wahre Besinnlichkeit sein, ein Ort der Ruhe und Stille, wo Gedanken und Gebete ohne den Einfluss einer gehetzten Umwelt im Mittelpunkt stehen können. Doch weit gefehlt. An Weihnachten geht es für Prior Benno Friedrich und seine Mitbrüder erst so richtig los. An insgesamt neun Gottesdiensten ihrer Pfarrei innerhalb von drei Tagen sind die Augustinerpater beteiligt, müssen sich vorbereiten und Predigten schreiben. Die Ordensbrüder sind im Konvent nur noch zu fünft – man teilt sich auf. Besonders die Christmette am Heiligen Abend draußen an der Germershäuser Wallfahrtskirche am Freialtar bei Feuerschein ist beliebt, auch „viele junge Leute kommen jedes Jahr“, erzählt Friedrich. „Das hat Tradition“.

Tradition hat es bei den Augustinern auch, dass Weihnachten nicht als Anlass genommen wird, sich auf sich selbst zu konzentrieren, sondern Dienst am Nächsten zu leisten. „Wir helfen den anderen dabei dieses Fest zu feiern, indem wir ihnen bewusst machen, dass Gott Mensch geworden ist. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, zu vermitteln, dass Weihnachten auch etwas mit Glauben zu tun hat und nicht nur Kommerz und ein heimeliges Familienfest ist“, erzählt Friedrich.

Um sich vor den ereignisreichen Feiertagen voller „frommer Aktivitäten“ noch einmal sammeln zu können, feiern die Augustiner am 24. Dezember gemeinsam im Kloster eine Vigil, eine liturgische Feier am Vortag eines kirchlichen Festes. „Das ist so eine Art Vorfeier für uns, so etwas wie eine Vesper. Da singen wir dann, lesen Psalmen und die Predigt“, erklärt der Prior. Um das Essen an diesem Abend müsse man sich erfreulicherweise nicht kümmern, denn in diesem Jahr gebe es eine Besonderheit: der Bruder des Paters Pius Wegscheid aus Werneck bei Schweinfurt sei zur Gast und dieser sei zufällig ein pensionierter Koch. „Was es genau gibt, weiß ich noch nicht, aber das ist ja auch nicht so wichtig“, gibt sich der 70-Jährige bescheiden. Normalerweise werden die Ordensbrüder von der Bildungsstätte mit Essen versorgt, die ist aber in den Weihnachtsferien  nicht besetzt.

Eine gemeinsame Feier mit den Familienangehörigen ist für die Ordensbrüder nicht ausgeschlossen, nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag schwärmen die Augustiner aus, um ihre Verwandten zu besuchen. Pater Friedrich hat es dabei nicht weit, er besucht seine Schwester in Gerblingerode, denn dort muss er „helfen, dass die Gans aufgegessen wird“, erzählt er schmunzelnd. Eine zweite Schwester wohnt in Göttingen und kommt den Pater ebenfalls zwischen den Jahren bei Kaffee und Kuchen im Kloster besuchen. Die Ordensbrüder sind dann mit dabei, denn „wir sind ja durchaus auch wie eine Familie“. Eine Sache ist dabei aber nicht wie bei den meisten Familien: Pater Friedrich macht keine Weihnachtsgeschenke. „Das mache ich aus Prinzip nicht, weil man dann so unter Druck steht. Ich verschicke auch keine Weihnachtspost. Aber wenn ich eine E-Mail bekomme, antworte ich auch darauf. Dem Bischof habe ich zum Beispiel heute zurückgeschrieben“, berichtet der Germershäuser Prior.

„Ich will jetzt aber keinen Feldzug gegen Geschenke führen“, mildert Friedrich seinen Standpunkt, „das muss jeder für sich selbst entscheiden. Martin Luther hat ja bei uns eingeführt, dass das Christkind die Geschenke bringt und er wollte damit sagen, dass Gott uns beschenkt indem er uns seinen Sohn geschickt hat. Wir sind alle Beschenkte und wenn wir etwas weiterschenken, dann ist das schön und auch richtig.“

Über die Bedeutung des Weihnachtsfestes kann der Pater selbst immer wieder staunen. „Es ist eigentlich unglaublich. Ich frage mich immer wieder, wie es heute wohl wäre, wenn jemand käme und uns diese Botschaft brächte. Sicherlich würden viele so reagieren wie damals“, überlegt Friedrich. „Dass wir aber glauben können, das liegt daran, dass auch das uns geschenkt wurde. Und das hat auch ganz viel damit zu tun, dass man es zusammen mit anderen lebt.“ Das gemeinsame Feiern der Messe und das Singen von Liedern, all das gehöre zu Weihnachten dazu. „Das ist das Anziehende daran, dass man erlebt, mitten dabei ist und auf einmal mitgenommen wird.“

Von Anna Kleimann

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