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Wie sicher sind Behörden im Eichsfeld? Können sich Mitarbeiter schützen?

Bürgerwut entlädt sich in Behörden Wie sicher sind Behörden im Eichsfeld? Können sich Mitarbeiter schützen?

In Hameln erschießt ein erboster Rentner den Landrat. In Hildesheim kommt es bei einer Gerichtsverhandlung zu Tumulten und Todesdrohungen eines libanesischen Clans. In Neuss ersticht ein Langzeitarbeitsloser die Sachbearbeiterin eines Jobcenters, die kurz zuvor an einem Deeskalationstraining teilgenommen hatte. In Soltau wird der Mitarbeiterin der Führerscheinstelle eine Pistole an den Kopf gehalten.

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Demonstriert Einlassschleuse, beäugt von Günter Funke (l.): Amtsgerichtsdirektor Gerhard von Hugo.

Quelle: Thiele

Eichsfeld. Sind diese Gewaltausbrüche Einzelfälle oder Symptome für eine aggressiver werdende Gesellschaft? Wie sieht es im Eichsfeld aus? Sind Behörden noch sicher, können sich Mitarbeiter schützen?

Die Gewaltbereitschaft von Bürgern in Amtsstuben sei eindeutig gestiegen, sagt Göttingens Landrat Bernhard Reuter (SPD) und steht mit dieser Einschätzung nicht allein. Nicht nur in Jobcentern, Jugendämtern und Ausländerbehörden kommt es zu brenzligen Situationen. „Konfliktpotenzial gibt es auch bei uns“, sagt Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) und verweist auf Streitigkeiten zum Beispiel im Baubereich.

Ein perfektes Sicherheitskonzept  gebe es nicht, der vernünftige Umgang miteinander sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. Alle Verwaltungen, so Nolte, hätten sich in den zurückliegenden Jahren um eine intensive Öffnung und Dienstleistungscharakter bemüht, ein kundenorientierter Umgang mit den Bürgern werde in Fortbildungen trainiert.

Ton ist rauer geworden

Doch trotz der Bemühungen um Abkehr von obrigkeitsstaatlichem Gebaren scheint es immer mehr Wutbürger, Krakeeler und Querulanten zu geben. „Der Ton ist rauer und aggressiver geworden“ bestätigt Annelore von Hof, die in Duderstadt den Fachbereich Recht und Bürgerservice leitet und auch schon Konfliktschulungsseminare besuchte.

Vor einigen Jahren wurde die Brochthäuserin selbst attackiert: In ihrem Büro im ansonsten verwaisten Stadthaus hielt ihr freitagnachmittags ein Drogenabhängiger ihren Brieföffner an den Hals. Von Hof konnte ihn beruhigen. Seitdem liegt ihr Brieföffner nicht mehr auf dem Schreibtisch, sondern in der Schublade. Der Schreck sitzt ihr heute noch in den Knochen.

Immer häufiger seien Fingerspitzengefühl und die Kunst der Beschwichtigung gefragt, sagt von Hof. Sensible Bereiche wie Wohngeld seien auch nach Übertragung von Sozialamtszuständigkeiten auf den Landkreis geblieben. Mit beruhigenden Worten lasse sich in den meisten Fällen viel erreichen.

16 Menschen umgebracht, „Du wirst der 17.“

Die Erfahrung, bei Hitzköpfen durch sensible Gesprächsführung Akzeptanz zu erzielen, hat auch Marlies Dornieden (CDU) gemacht. Die Bürgermeisterin der Samtgemeinde Gieboldehausen relativiert die aktuelle Diskussion:

Auch in der Vergangenheit habe es Aggressionen gegeben, die Sensibilität dafür sei nach der Ermordung des Hamelner Landrats allerdings gestiegen. Sein Arbeitsplatz sei „sicherlich kein Sonnenplatz“ hatte schon der langjährige Gieboldehäuser Sozial- und Ordnungsamtsleiter Günter Goldmann bei seiner Verabschiedung vor vier Jahren betont.

So habe ihn ein Asylbewerber, der eine andere Wohnung zugewiesen haben wollte, mit den Worten bedroht: „Im Libanon habe ich 16 Menschen umgebracht. Du wirst der 17.“

Beim seit 2005 für Hartz-IV-Leistungen zuständigen Landkreis sei die Situation anders als in kleinen Kommunalverwaltungen, meint Dornieden. Auf Kreisebene gebe es weniger Publikumsverkehr und Laufkundschaft, aber mehr Konfliktbereiche wie Jobcenter, Ausländerbehörde und Führerscheinstelle.

„Einigeln ist der falsche Weg“

„Sicher ist der eine oder andere Bürger nicht über Entscheidungen vor allem im Ordnungsbereich erfreut“, räumt Dornieden ein. In der Regel kenne man aber fast alle Antragsteller persönlich und könne Konflikte so leichter klären. Dass es im Einzelfall zu einer Eskalation kommen könne, sei nun einmal nicht auszuschließen: „Man kann den Menschen nicht hinter die Stirn schauen.“

Im Bürgerbüro sei immer ein Team vorhanden, im Ordnungsbereich gebe es Verbindungstüren, meint Dornieden: „Wenn jemand laut wird, bleibt das nicht unbemerkt. „Eine Notwendigkeit für weitere Sicherheitsmaßnahmen wie Einlasskontrollen oder Notruftasten sieht die Bürgermeisterin nicht: „Einigeln ist der falsche Weg – und in einer offenen Kommunalbehörde mit Meldewesen ohnehin nicht praktikabel.“

Taschenmesser und Pfefferspray

Anders sieht das am Duderstädter Amtsgericht aus. Bis vor drei Jahren war das Fachwerkgebäude noch ein Haus der offenen Tür. Dann wurden im Zuge der Sanierung eine Sicherheitstür mit Summer und ein Metalldetektor-Rahmen eingebaut. Seitdem gibt es dort sowohl unregelmäßige Ganztags- als auch Anlasskontrollen.

Amtsgerichtsdirektor Gerhard von Hugo verweist auf das landesweite Sicherheitskonzept für Gerichte, Verfahren mit erhöhtem Sicherheitsrisiko, verfeindete Parteien und vorangegangene Auseinandersetzungen. „Bei uns werden immer wieder Taschenmesser und Pfefferspray sichergestellt“, sagt von Hugo. Das zeige, dass Kontrollen nötig seien. Ein Restrisiko bleibe: „Man weiß nicht, wie die Menschen ticken.“

Auch der Landkreis will auf das Gefährdungspotenzial reagieren. Nach dem Brandanschlag auf die Ausländerbehörde sei dort beispielsweise die Hintertür gesperrt worden, berichtet Reuter. Schrittweise sollen jetzt die Jobcenter, zu denen die Duderstädter Außenstelle in der Industriestraße gehört, und andere gefährdete Bereiche mit Notfallknöpfen für Mitarbeiter ausgestattet werden. Einlasskontrollen lehnt Reuter mit Blick auf die Bürgernähe jedoch ab: „Das Kreishaus soll offen für Besucher bleiben.“

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