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Zehntklässler der Astrid-Lindgren-Schule in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Schüler geschockt Zehntklässler der Astrid-Lindgren-Schule in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Einen neuen, „schockierenden“ Blickwinkel auf ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte haben Duderstädter Hauptschüler bekommen. Sie haben die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers (KZ) Buchenwald bei Weimar besucht. Das Lager war eines der größten seiner Art im Deutschen Reich. Es wurde von 1937 bis 1945 von den Nationalsozialisten als Arbeitslager betrieben. Während dieser Zeit starben 56 000 der Inhaftierten, darunter etwa 11 000 Juden, ansonsten Sowjetbürger, Polen und andere Ausländer. 9000 Todesopfer waren Deutsche, meist politisch oder religiös Verfolgte, Homosexuelle oder andere Minderheiten.

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1962 vom ehemaligen Häftling Richard Kucharzyk gestaltet: Modell des Konzentrationslagers Buchenwald.

Quelle: Gedenkstätte Buchenwald

„Es hat dort totale Willkür geherrscht, bei einem Fluchtversuch wurde man sofort erschossen“, berichtet Sonny Weiß zurück in Duderstadt. Er ist zutiefst betroffen von den Eindrücken, die er während des Besuchs in Buchenwald gesammelt hat. „Wenn man das im Fernsehen sieht, ist das schon schlimm, aber in echt ist es unglaublich.“ Der 16-Jährige ist geschockt von Abbildungen von Toten in Massengräbern, von Verbrennungsöfen oder von unmenschlich kleinen Arrestzellen. „Da waren 17 Leute drin eingesperrt“, erzählt Sonnys Cousin Marlon Weiß (15). Die beiden Jugendlichen hatten schon vor ihrem Besuch von Buchenwald gehört. Ihr Ur-Opa Karl Weiß war dort als Kind inhaftiert. Er berichtete seinen Urenkeln später von der Zeit im KZ, zeigte ihnen die Erkennungsnummer, die ihm „die Nazis auf die Haut tätowiert hatten“.
„In Buchenwald wurden die Lagerinsassen wie Tiere behandelt“, hat Vanessa Jaschewski (16) erfahren. Es habe eine Art Menschen-Zoo gegeben, in denen die Häftlinge hinter Stacheldrahtzäunen eingepfercht waren.
Holzschuhe im Winter
„Die SS-Offiziere sind mit ihren Familien dadurch spaziert“, ergänzt Vanessas Klassenkameradin Laura-Jane Schmidt mit stockender Stimme. „Holzschuhe und leichte Kleidung auch im Winter“, es seien unmenschliche Zustände gewesen. „Wir wussten schon, dass es so etwas gab, aber nicht, dass es so schlimm war“, sagt die 16-Jährige. Sie meint, ein Besuch in der KZ-Gedenkstätte sei viel lehrreicher, als nur Geschichtsunterricht in der Schule. „Ich bin kein Geschichte-Fan“, gibt sie zu, „aber man lernt viel mehr, wenn man etwas mit eigenen Augen gesehen hat.
Auch eine „beeindruckende“ Filmdokumentation haben die Astrid-Lindgren-Schüler gesehen, außerdem wurde ihnen in einer Führung der Aufbau des Konzentrationslagers gezeigt. „Es war ein blödes Gefühl, hinter den Stacheldrahtzäunen zu stehen“, erinnert sich Franziska Fischer (16).
Tötungsmethoden, brutale Behandlung, fehlende medizinische Versorgung, Hunger, Schwerstarbeit, Psychoterror – ohne Rücksicht sei den Jugendlichen vor Augen geführt worden, wie grausam es in den Konzentrationslagern zugegangen sei, erklärt Klassenlehrer Hubert Dornieden, der die Schüler begleitet hat. „Das übertraf alles, was sie bisher aus dem Geschichtsunterricht oder den Medien erfahren hatten“, betont er. „Der Wert von Frieden, Freiheit und Demokratie war den Jugendlichen nie offensichtlicher als in diesen bedrückenden Momenten“, fasst er die Erlebnisse zusammen.
Stadtführung in Weimar
Bei einer jugendgerechten Stadtführung durch das geschichtsträchtige Weimar wandelten die Schüler im Anschluss auf den Spuren Goethes und Schillers. „Der Stadtführer hat uns wieder aufgeheitert“, so Jane Mörstedt (16). Doch auch in Weimar seien sie mit Erinnerungen an Hitler und den Nationalsozialismus konfrontiert gewesen.

Von Björn Dinges

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