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Zeitumstellung: Zeit wie Sand am Meer?

Sommerzeit Zeitumstellung: Zeit wie Sand am Meer?

In der Nacht von Samstag auf Sonntag passiert es wieder: Eine ganze Stunde wird uns gestohlen. Manche merken es kaum, und manche brauchen einen ganzen Monat, um diesen Verlust zu verkraften. Die Mehrheit der Betroffenen ist sich laut einer DAK-Umfrage allerdings einig, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte. Doch was bedeutet uns die Zeit?

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Eichsfeld. Das ungeliebte Uhrendrehen kann aber nicht nur Anlass zum Aufregen sein, es ist auch eine Gelegenheit, einmal darüber nachzudenken, was uns Zeit bedeutet. Fünf Eichsfelder und fünf Perspektiven:

Olaf Diederich, Bundespolizei

Wie ein Uhrwerk müssen die Beamten der Duderstädter Bundespolizei funktionieren. Der Blick auf das Ziffernblatt, um das sich alles dreht, muss bei allen in Fleisch und Blut übergangen sein. „Pünktlichkeit ist extrem wichtig. Bei einem großen Einsatz muss alles ineinandergreifen“, erklärt Olaf Diederich (52), Polizeihauptkommissar und Einsatzkoordinator. Wenn es in den Außendienst gehe, beispielsweise eine Fanbegleitung bei einem Fußballspiel, werde dieser Vorgang minutiös geplant und strukturiert, so Diederich.

„Das kann man sich vorstellen wie einen Stundenplan in der Schule“, ergänzt Einsatzkraft Sandra Vorwerg (38). Für jeden noch so kleinen Vorgang ist vorher ein Zeitfenster eingerichtet worden. Ob es Anziehzeiten, Einsatzzeiten, Ankunftszeiten, Meldezeiten oder Abmarschzeiten sind, die Abläufe müssen reibungslos funktionieren, um die Zusammenarbeit größerer Gruppen zu gewährleisten. „Immer auf die Uhr zu schauen, das wird irgendwann zur Routine“, meint Einsatzkraft Florian Renner.

„Wenn man dann privat mal keine Uhr am Handgelenk trägt, fühlt man sich schon irgendwie nackt, sagt der 27-Jährige und stellt aber gleich klar, dass er mit einem Leben nach Uhrzeiten, Minuten und Sekunden auch keinerlei Probleme habe. Ruhigere Zeiten wünsche sich Renner nicht herbei.

 
Josef Haase, 100-Jähriger aus Gieboldehausen

Eine Armbanduhr trägt auch Josef Haase. Immer. Obwohl man annehmen könnte, dass er sie eigentlich gar nicht mehr braucht. Haase ist am 24. Februar 2013 nämlich 100 Jahre alt geworden. Wer ein ganzes Jahrhundert durchlebt hat, muss doch nun wirklich keine Minuten mehr zählen. Oder?

Der gebürtige Gelsenkirchener, der mit seinen Markenzeichen Filzhut und Hornbrille aus seinem Rollstuhl heraus wachsam seine Umgebung beobachtet, hat die meiste Zeit seines Lebens in Brochthausen verbracht und wohnt jetzt in der Seniorenresidenz Eschenhof in Gieboldehausen. Zeit gibt es hier wie Sand am Meer. Wenn der Senior sich morgens noch einmal umdrehen möchte, dann hält ihn nichts davon ab. Dennoch stehe Haase meistens gegen acht Uhr auf, meint Pflegediensthelferin Marlies Zauske. Dann widmet er sich seiner Lieblingsbeschäftigung: Singen.„Und ich kenne viele Lieder“, sagt Haase. Seine Mitbewohner und die Pflegekräfte kennen sie mittlerweile auch alle – freuen sich aber immer über die gute Laune Haases.

Langeweile kennt er nicht. Seine alltäglichen Freuden sind Marmeladenbrote, Ausflüge an die frische Luft und einmal im Monat ein Bierchen („oder auch drei“) und Mettwurst in der Männerrunde des Eschenhofs. Nach seinem 100. Geburtstag sei er nochmal richtig aufgeblüht, sagt Zauske. Er fühle sich „zu hundert Prozent glücklich“, sagt Haase und ergänzt „Hundert ist eine schöne Zahl“. Wieviele Geburtstage er noch feiern werde, wisse er nicht, aber „ich bin für jeden dankbar“. Einsam fühle er sich manchmal auch, gibt Haase zu. Aber anstatt darüber nachzugrübeln, singe er eben.

 
Thomas Kluß, Spedition Sommer

Von so viel Muße kann Thomas Kluß (42) nur träumen. Er gehört zum Team der Gieboldehäuser Spedition Sommer und ist verantwortlich für die Fahrpläne der Lkw-Fahrer.  „In diesem Job zählt jede Sekunde“, sagt Kluß. Die Fahrzeuge, die für die Spedition unterwegs sind, könne man sich praktisch als fahrende Warenlager für die Produzenten vorstellen, die von ihnen beliefert werden.

Wenn die Ladung nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort sei, dann „stehen beim Unternehmen die Bänder still“, so der Buchhalter. Zeitfenster-Management heißt das. „Ein guter Fahrer hat daher immer eine Stoppuhr um den Hals“, bringt es Kluß auf den Punkt. Das bedeute natürlich viel Stress, für junge Leute werde der Fahrer-Job immer unattraktiver. Dank der gesetzlich strikt geregelten Ruhezeiten müssen ein Fahrer auch mal eine Nacht auf dem Rasthof verbringen, auch wenn er fast zuhause sei, erzählt Kluß. Eine Überschreitung der vorgegebenen Fahrzeiten könne nämlich zu Strafen führen.

 
Michaela Diedrich, Landfrauen-Kreisvorsitzende

Eine Stoppuhr braucht Michaela Diedrich (50) nicht. Sie verfügt über die seltene Gabe, ihre zahlreichen Aufgaben flexibel und ohne starren Stundenplan regeln zu können. Ihren Job in einer physiotherapeutischen Praxis, ihr Ehrenamt als Kreisvorsitzende der Landfrauen, ihre Betreuungstätigkeit für Familien und ihren eigenen Haushalt – das bekommt Diedrich scheinbar spielend unter einen Hut.

Ihr Geheimnis sei der Ausgleich von „Stresstagen“ durch kleine Belohnungen. „Highlights“ nennt Diedrich das. Ob es nur zehn Minuten, eine Stunde oder ein ganzer Tag sei, an dem man sich zurückziehe sei egal, so die aktive Landfrau. „Man muss nur spontan genug sein, auch mal eine Freundin zu treffen oder sich mit einem Buch in die Sonne zu setzen.“

 
Karl Wurm, Pastor im Ruhestand

„Im Ruhestand hat man mehr Zeit und das ist auch gut so“, meint der ehemalige  Pastor der evangelischen Kirchengemeinde St. Servatius Duderstadt, Karl Wurm (65) .

In seiner aktiven Zeit habe er zwar Privates und Berufliches auch schon immer gut verbinden können, aber er genieße es, mehr Zeit zum Orgelspiegel zu haben. „Ich kann die Zeit sinnvoll nutzen, um zu lesen, spazieren zu gehen oder meine zehn Enkelkinder zu besuchen“.

Von Anna Kleimann

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