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Conny-W.-Demo bleibt friedlich

Rund 1400 Menschen, davon nach Einschätzung der Polizei 1200 aus dem linksextremen Spektrum, haben am Sonnabend an einer Demonstration zum 20. Todestag der Studentin Kornelia Weßmann in der Göttinger Innenstadt teilgenommen. Die unangemeldete Versammlung verlief überwiegend friedlich und wurde von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Im November 1989 war die Studentin auf der Flucht vor der Polizei von einem Auto überfahren worden.

Weender Tor: 140 Demonstranten ziehen am Sonnabend durch Göttinger Straßen.

© Heller
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Gerangel, rund 1400 Teilnehmer, davon 1200, die die Polizei der linksextremistischen Szene zurechnet, zwei Festnahmen und einige brennende Müllcontainer in der Nacht zu Sonntag – das ist die glimpfliche Bilanz der Demonstration zum 20. Todestag der am 17. November 1989 ums Leben gekommenen Studentin Kornelia Weßmann. Die Polizei stellte nach eigenen Angaben 300 Personalien fest, durchsuchte rund 150 Personen, 54 Fahrzeuge und Behältnisse und sprach 20 Platzverweise aus. 20 Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, zwölf wegen Sachbeschädigung und je eines wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung wurden eingeleitet.

Die Polizei hatte sich auf alles vorbereitet. Hundertschaften in allen Seitenstraßen. Wasserwerfer und Räumpanzer vor dem Bahnhof. Polizeiwagen an den Stadtgrenzen. Ein Lastwagen mit Absperrgittern biegt von der Groner auf das Gelände der Polizeidirektion. In Nörten-Hardenberg wird ein Reisebus mit Autonomen aus dem Hamburger Schanzenviertel angehalten und kontrolliert.

Um 15 Uhr am Sonnabend liegt noch gespannte Ruhe über dem Marktplatz. Der Freitagabend mit einer Musikveranstaltung und rund 400 Teilnehmern im Juzi blieb ruhig. Dann versammeln sich rund 1400 Demonstranten. Die Göttinger Autonomen sprechen von 1800. 1200 rechnet die Polizei der linksextremistischen Szene zu. Die Polizei befürchtet, dass sich weitere in der Stadt versammelt haben.

Die Beamten sperrten den Marktplatz zur Weender ab und verlangten, Vermummungen abzunehmen und einen Versammlungsleiter zu benennen. Einen Versammlungsleiter zu benennen, sei ihnen nicht zuzumuten, erklärt eine Frau über den Lautsprecherwagen.

Die Polizei ließ die Demonstranten schließlich eng begleitet in Richtung Weender Tor ziehen. Am 17. November 1989 war die Studentin Kornelia „Conny“ Weßmann nach Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten auf der Flucht vor der Polizei auf der Weender von einem Auto überfahren worden. In Sichtweite der Stelle stockte der Demonstrationszug. Polizeitrupps griffen zwei Teilnehmer aus dem Zug. Sie seien verbotenerweise mit Schutzbewaffnung, mit Sand verstärkte Quarzhandschuhe, bekleidet gewesen, teilte die Polizei später mit. Die Stadtverwaltung will darüber mit der Polizei reden.

Weite Anreise

Auch mit Wasserwerfern versperrte die Polizei den Weg zurück in die Innenstadt. Die Demonstration zog am Bahnhof vorbei über die Bürgerstraße zum Juzi. Zu Auseinandersetzungen kam es nicht mehr. Allein 600 Extremisten seien nach Erkenntnissen der Polizei unter anderem aus Berlin, Hamburg, Hannover und Gießen mit Fahrzeugen und der Bahn nach Göttingen gereist. Die Versammlung habe dazu genutzt werden sollen, um gezielt Gewalttaten gegen Polizeibeamte zu begehen. Gesamteinsatzleiter Thomas Rath beurteilte den Einsatzverlauf aus polizeilicher Sicht als sehr erfolgreich. „Unser von Beginn an angewendetes, konsequentes Einsatzkonzept ist aufgegangen“, so Rath. „Nur der engen Begleitung des Aufzuges durch erfahrene Einsatzkräfte, der starken Polizeipräsenz insgesamt und dem konsequenten Einschreiten aller eingesetzten Beamten ist es zu verdanken, dass gewalttätige Auseinandersetzungen ausblieben und Straftaten weitgehend verhindert werden konnten.“ Sichergestellt seien mehrere Spraydosen mit Pfefferspray, Sturmhauben, drei Holzknüppel, ein Tischbein und ein Messer. Vierzehn Personen wurden aus „gefahrenabwehrrechtlichen“ Gründen vorübergehend in Gewahrsam“ genommen. Unbekannte setzten nach Demo-Ende mehrere Papiercontainer und Mülltonnen in Brand. Vier Tatverdächtige wurden festgenommen. Als „besonderen Tabubruch“ bezeichnete die Göttinger „Antifaschistische Linke International“ das Polizeiverhalten an der Todesstelle und die Versperrung des Gedenksteines.

Von Gerald Kräft

Ein Video zum Thema gibt es hier.

Eine Bildergalerie zum Thema gibt es hier.


  • Was wäre gewesen, wenn... Tut-Nicht-Zur-Sache – 16.11.09
    mal wieder eine im wahrsten Sinne friedliche Demonstration aus dem rechten Lager, einer pro-nationalen Partei oder einer islam- und/oder multikultikritischen Organisation stattfinden hätte sollen, welche zudem auch noch, anders als in diesem Fall, ordnungsgemäß angemeldet worden wäre?! Da hätte die linsautonome Fraktion Alles Erdenkliche getan um diese Demonstration zu unterbinden und wäre, wenn dies nichts genützt hätte zum frontalen Gegenangriff übergegangen, mit Krawalle wohlgemerkt. Auf Polizei und Rechtsstaat schei.en, aber für sich demokratische Grundrechte einfordern und anderen Menschen vorschreiben, wie sie gefälligst zu denken haben. Linksautonome sind keinen Deut besser als Rechtsradikale.

    Und immer dran denken, wenn die Personalien kontrolliert werden sollen, besser nicht weglaufen. Und wenn, vorher gucken, ob ein Auto kommt, bevor man über die Straße läuft!!!
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