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Deutsches Publikum als Wirtschaftsfaktor im Blick

Göttingen: Moshe Zimmermann referiert über das Bild der Deutschen in Spielfilmen

In Hollywood-Filmen spielt der gute Deutsche seit dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle. Der Historiker Moshe Zimmermann, Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem, hat in einem öffentlichen Gastvortrag erklärt, warum das so ist.

Der gute Deutsche: Liam Neesen als Oskar Schindler (links) mit Ben Kingsley in Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ von 1993.

© OBS
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Die mediale Repräsentation der Deutschen in Hollywood ist das Lieblingsthema des Gastprofessors am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte. Seinen Ausführungen schickt er eine kurze Bemerkung voraus: Ein Vortrag über Filme habe eine gute Seite – auch wenn der Vortrag schlecht sei, habe man am Ende wenigstens einige gute Filmszenen gesehen. Zimmermann beschäftigt sich mit dem Spielfilm, weil er der Ansicht ist, dass das Geschichtsbild der meisten Menschen eher vom Bild als von Wort und Schrift geprägt ist.

Filme seien häufig dem Vorwurf ausgesetzt, zu erfinden und nicht die Wahrheit zu erzählen. Zimmermann ist anderer Ansicht: „Nichts ist wahrhaftiger als der Film.“ Im Spielfilm, nicht im Dokumentarfilm werde das geschaffen, was für die Menschen Geschichte war. „Die meisten Leute haben ihr Geschichtsbild aus Hollywood-Filmen.“ Profi-Historiker seien lange Zeit zu hochnäsig gewesen, sich mit dem Film zu befassen. Das Medium sei allerdings schwer erreichbar gewesen, doch jetzt sei der Zugang durch Video und DVD leichter.

Positive Darstellung

In vielen Spielfilmen über den Nationalsozialismus habe man die Deutschen in einer Zeit, in der sie eigentlich schlecht sein sollten, positiv dargestellt. Der Historiker bewegt sich bei seinem Vortrag in der Filmgeschichte rückwärts. „Der Pianist“ von Romans Polanski und Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ arbeiten mit den guten Deutschen. Und auch bei Billy Wilder sei er Thema.

Die amerikanische Filmindustrie habe bis heute immer das europäische und deutsche Filmpublikum als Wirtschaftsfaktor im Blick. Die Charaktere müssten deshalb so geschaffen werden, dass das deutsche Publikum den Filmen nicht fern bleibt. Zimmermann bezieht sich auf Steven Sonderberghs Drama „The Good German“ von 2006 mit George Clooney. In dem Film entpuppt sich eine Jüdin als Kollaborateurin, sie hat andere Juden an die Gestapo verraten und so ihr Leben gerettet. Der gute Deutsche wird dadurch erzeugt, dass alle anderen – Amerikaner, Russen, Juden – relativiert werden, erklärt Zimmermann.

Von Eida Koheil


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