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1,9 Millionen Euro für die Stadtkasse: Göttingen profitiert von Spielsüchtigen

Großer Andrang in Beratungsstelle 1,9 Millionen Euro für die Stadtkasse: Göttingen profitiert von Spielsüchtigen

Blinkende und piepende Automaten mögen nicht jeden in ihren Bann ziehen. Manche aber verzocken an ihnen Unsummen. Und davon gibt es offenbar genügend. Denn das Glücksspiel hat in Göttingen Hochkonjunktur. Seit Jahren steigen die Summen, die dabei umgesetzt werden.

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Zocken statt sparen: Die Göttinger stecken vergangenes Jahr knapp 13 Millionen Euro in Glücksspielautomaten.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Davon profitiert nicht nur die Glücksspielbranche, sondern auch die Stadtkasse. Nahm die Stadt Göttingen im Jahr 2011 über die Automatensteuer noch rund eine Million Euro ein, waren es 2012 bereits gut 1,8 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Stadt gar Einnahmen von rund 1,9 Millionen Euro. Rekord. Der Steuersatz beträgt 15 Prozent: Demnach haben die Göttinger 2013 rund 12,7 Millionen Euro in Geldspielautomaten gesteckt.

Dabei blieb die Zahl der Spielgeräte relativ konstant, wie Verwaltungssprecher Detlef Johannson auf Anfrage mitteilt. Demnach waren davon im Jahr 2011 noch 456 und 2012 und 2013 jeweils 465 in Göttinger Spielhallen und Kneipen in Betrieb.

Ein alarmierendes Zeichen, findet Uta Dormann von der Göttinger Fachstelle für Sucht- und Suchtprävention. Sie verzeichnet seit Jahren eine konstant hohe Zahl an Beratungsfällen. Knapp 100 Betroffene hätten allein im vergangenen Jahr die Fachstelle wegen ihrer Glücksspielsucht aufgesucht.

Unbedarftes Daddeln am Automaten

Die Dunkelziffer liege aber um einiges höher. Sie verzeichne zudem immer mehr Fälle, in denen Zocker sowohl an Automaten als auch im Internet Glücksspiel betreiben. 20 Beratungsfälle habe sie allein wegen der „Computerspielproblematik“ im vergangenen Jahr registriert.

„Automatenspieler sind aber immer noch am häufigsten von Glücksspielsucht betroffen“, sagt Dormann. Der Einstieg erfolge meist im jugendlichen Alter durch unbedarftes Daddeln am Automaten in der Kneipe. Wirklich viel gezockt werde in einer der Spielhallen.

„Die spielen dann vor oder nach der Arbeit ein paar Stunden, manche auch den ganzen Tag“, erklärt Dormann.

„Die meisten von ihnen verspielen Anfang des Monats ihren ganzen Lohn, weil sie das nicht begrenzen können.“ Mit fatalen Folgen für das Privatleben.

„Lass dir helfen, sonst bin ich weg“

Wenn die Beziehungen der Betroffenen nicht durch die Glücksspielsucht längst zerstört worden seien, stünden sie zumindest unter keinem guten Stern. In intakten Familien komme es dann zum Beispiel vor, dass der Partner sage: „Lass dir helfen, sonst bin ich weg“, sagt Dormann.

Auf diesem Weg oder durch eigenen Antrieb kämen die meisten Zocker in ihre Beratungsstelle, sagt Dormann. Nur selten seien es die Spielhallenbetreiber, die offensichtlich Süchtige animierten, sich helfen zu lassen. Eine Ausnahme stellen laut Dormann die Spielbanken dar.

„Die haben schon seit 2008 die Auflage vom Gesetzgeber, aktiven Spielerschutz zu betreiben.“ Sie könnten einen Spieler sperren, „wenn der mehr zockt, als ihm gut tut“, sagt die Expertin für Glücksspielprävention.

Persönliche Merkmale und soziales Umfeld

Die meisten der Betroffenen, die in die Beratungsstelle kommen, sind laut Dormann Männer zwischen 17 und 65 Jahre alt. Darunter sticht die Gruppe der 25- bis 35-Jährigen noch einmal besonders hervor. „Keiner spielt, um süchtig zu werden“, stellt Dormann klar.

Vor allem persönliche Merkmale und das soziale Umfeld trügen dazu bei. Und natürlich die Aussicht auf Geld. „Ein Gewinn ist eben ein guter Kick“, sagt Dormann. Auch wenn der sich nur in den seltensten Fällen einstelle.

Bei einigen der Betroffenen genügten in der Beratung vorerst drei bis vier Gespräche. „Andere brauchen noch mehr Unterstützung. Das kommt auf die Persönlichkeit an“, sagt Dormann. So dauere eine ambulante Reha in der Regel bis zu eineinhalb Jahren. „Veränderungsprozesse brauchen eben Zeit.“

Beratung bei der Fachstelle für Sucht- und Suchtprävention im Diakonieverband Göttingen, Schillerstraße 21, oder unter Telefon 05 51 / 7 20 51. E-Mail: suchtberatung.goettingen@evlka.de.
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