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16 Prozent der Kinder in Göttingen sind arm

Kinderarmut 16 Prozent der Kinder in Göttingen sind arm

Die Kinderarmut in Deutschland nimmt zu. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Demzufolge wuchsen im vergangenen Jahr 14,7 Prozent aller Kinder in Familien auf, die Hartz IV beziehen. In Göttingen sind die Zahlen noch höher, aber rückläufig.

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Sozialdezernentin Petra Broistedt

Quelle: Thiele

Göttingen. In Göttingen lebten demnach im Jahr 2015 allein von den Kindern unter 15 Jahren 16,3 Prozent in Armut. 2011 lag die Quote der bis 15 Jahre alten Hartz-IV-Empfänger noch höher: bei mehr als 20 Prozent. „Im städtischen Raum ist die Armutsquote in der Regel höher“, sagt Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt und bestätigt: „Wir sind von Kinderarmut betroffen.“ Ihrer Ansicht nach ist es daher wichtiger denn je, „dass wir die Bildungschancen der Kinder verbessern“. Allerdings haben der Bertelsmann-Studie zufolge Kinder, die aus ärmeren Verhältnissen stammen, einen deutlich mühsameren Bildungsweg als Kinder aus besser situierten Familien.

Zur Armut zählen in diesem Zusammenhang nicht nur die begrenzten finanziellen Mittel. „Durch Armut wird man auf vielfältige Art und Weise ausgegrenzt“, erklärt dazu Broistedt - sei es aufgrund der Kleidung, der materiellen Unterversorgung oder der sozialen Isolation. Familien in Armut wohnen meist weiter außerhalb des Zentrums, wo die Mieten günstiger sind. Somit sind für die Kinder auch die Wege weiter, um Freunde, Musikschule oder Sportvereine zu erreichen, sofern die Familien sich die Angebote und Beiträge solcher Einrichtungen überhaupt leisten können.

930 Euro für einen Einpersonen-Haushalt

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Armutsgefährdungsschwelle in Niedersachsen im Jahr 2015 bei einem Einkommen von 930 Euro für einen Einpersonen-Haushalt im Monat. Wer weniger verdient hat, gilt demnach als arm. Da in der Bertelsmann-Studie lediglich die rund zwei Millionen Kinder erfasst sind, die bundesweit in Hartz IV beziehenden Familien aufwachsen, könnten tatsächlich noch mehr unter Armut leiden. Jedes zweite Kind, das bei Alleinerziehenden aufwächst, ist der Studie zufolge von Armut betroffen. Bei Familien mit mehr als zwei Kindern sind es 36 Prozent. Die Trendstudie zeigt auch: Je länger Kinder in Armut leben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch als Erwachsener ein Leben in Armut führen werden.

„Man muss Kinder frühzeitig erreichen"

Da sich Kinder „am Ende nicht alleine helfen können“, spricht sich die Dezernentin klar für Fördermaßnahmen für die Eltern aus. Im Bereich der Alleinerziehenden habe Göttingen mit Teilzeitausbildungen und Teilzeitqualifizierungsmaßnahmen, mit denen sich Familie und Beruf vereinbaren ließen, schon ein gutes Angebot, sagt Broistedt. „Menschen, die in Arbeit sind, verfügen einfach über besseres Einkommen als Menschen, die von Sozialleistungen leben. Damit kriegt man Eltern, Kinder und Familien aus der Armutsfalle.“ Zudem hätten genügend Krippen- und Kindertagesstätten-Plätze eine positive Auswirkung auf die Betroffenen. „Wir versuchen in Göttingen, jedem Kind, das einen Krippenplatz haben will, diesen auch zu vermitteln“, betont Broistedt. Dies gelte auch für Kinder mit Migrationshintergrund. Ins Gewicht falle bei diesen vor allem die Sprachkompetenz der Kinder, die außer ihrer Muttersprache zu Hause in der Kita automatisch Deutsch lernen würden. „Mit guter Sprachkompetenz hat man schon den ersten Schritt für eine gute Bildungsbiographie geschaffen“, erläutert Broistedt und fügt hinzu: „Man muss Kinder frühzeitig erreichen, und Bildung ist für mich der Schlüssel zu einem Entkommen aus der Armutsfalle.

von Yannick Höppner

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