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3000 Euro Belohnung: Sparkassen-Räuber von Groß Ellershausen gesucht

Versicherung lobt Belohnung aus 3000 Euro Belohnung: Sparkassen-Räuber von Groß Ellershausen gesucht

Nach dem Raubüberfall auf die Sparkassen-Zweigstelle Groß Ellershausen am 22. Januar hat die Versicherung der Bank eine Belohnung ausgelobt. 3000 Euro soll erhalten, wer entscheidende Hinweise zur Ergreifung und Verurteilung der drei Männer gibt, die am Tattag nachts von der Rückseite durch ein Fenster in die Räume der Filiale eingedrungen waren, dem Filialleiter auflauerten und mehrere zehntausend Euro erpressten.

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Sparkassen-Zweigstelle Groß Ellershausen am Tag des Bankraubes: Filialleiter aufgelauert und Geld erpresst.

Quelle: Hinzmann

Groß Ellershausen. Nach der Tat hatte es zwar eine Reihe von Hinweisen aus der Bevölkerung gegeben, unter anderem den auf einen möglichen Fluchtwagen, die entscheidende heiße Spur war aber nicht dabei. Auch der Abgleich mit ähnlichen weiteren Raubüberfällen führte bisher nicht weiter.

Einen ähnlichen Raub hatte es zwar vor zwei Jahren in Lüneburg gegeben, die Täter waren aber später in Hamburg gefasst worden. Hinweise werden erbeten unter 05 51 / 4 91 21 17.

Wie Sparkasse Geld, Kunden und Kollegen schützt

Wie kann es sein, dass Bankräuber in eine Sparkassenfliliale eindringen, ohne dass Alarm auslöst? Gibt es nicht heute technische Möglichkeiten, Banken absolut sicher zu machen?

Diese Fragen haben sich nach dem jüngsten Überfall auf den Filialleiter der Sparkassen-Zweigstelle in Groß Ellershausen viele Göttinger gestellt. Wie schützt das Kreditinstitut sich, das Geld, seine Mitarbeiter und auch die Kunden eigentlich vor Räubern?

Wie werden Mitarbeiter geschult und wie betreut, wenn sie Opfer wurden? Polizeireporter Jürgen Gückel sprach darüber mit den Vorstandsmitgliedern Rainer Hald und André Schüller, dem Sicherheitssupervisor  Detlef Schmidt und dem Betriebsarzt Jens Parpart.

Das Fazit vorweg: Absolute Sicherheit kann es nicht geben. Auch nicht für den Räuber. Er muss in jeder Bank mit einem anderen, in der Regel auch vorher nicht ausspähbaren Sicherheitskonzept rechnen. Die Banken müssen folglich für jede Filiale individuelle Sicherheitslösungen finden.

Hauptaugenmerk in der Schulung des Personals

Rein technische Möglichkeiten wie Sensor- oder Raumüberwachung haben dort ihre Grenzen, wo ihr Einsatz die Gefahr birgt, dass ein Raub in Geiselnahme umschlägt und Menschen in Lebensgefahr geraten.

Weil Leib und Leben von Mitarbeitern und Kunden wichtiger sind als Geld, liegt das Hauptaugenmerk eher in der Schulung des Personals für den Ernstfall als im Einsatz von noch so ausgeklügelter Technik.

Weil es für jeden Bankmitarbeiter mit Kundenkontakt zudem zum Berufsrisiko gehört, Opfer eines Überfalls zu werden (Wahrscheinlichkeit aber kleiner als die eines schweren Autounfalls), muss der Mensch auf das Risiko vorbereitet werden.

Die Täter: Das können Junkies mit Spielzeugwaffe oder hochprofessionelle Bankräuberbanden sein. Erkennen kann das nur der Mensch. Er kann sein Verhalten darauf einstellen. Weil jeder Räuber bei der Tat unter hohem emotionalen Druck steht, muss jede Eskalation vermieden werden. Technik, die die Tat in die Länge zieht, kann zusätzlich stressen.

Prävention

Überfallene dürfen deshalb nicht den Helden spielen, sondern müssen deesklalieren. Bleiben die bedrohten Mitarbeiter selbst ruhig, haben sie noch Handlungsmöglichkeiten. Ein gestresster Täter wird im Zweifel nicht bemerken, wenn stiller Alarm ausgelöst wird – falls Alarmauslösung überhaupt ratsam ist, ohne die Situation zu eskalieren.

Prävention: Regelmäßig gibt es bei der Sparkasse intensive Schulungen der Leiter von Geschäftsstellen und Filialen, erklärt Vorstandschef Rainer Hald. Einmal jährlich schult Detlef Schmidt in Sicherheitsworkshops bis zu 25 Mitarbeiter in exponierter Stellung.

Es gibt interne Sicherheitsbeauftragte und Unterweisungen für alle Auszubildenden. Jede Filiale ist überdies verpflichtet, jährlich zweimal Mitarbeiter in Sicherheitsfragen zu schulen.

Bausteine der Seminare: Verhalten für den Fall eines Banküberfalls, Training des Ernstfalls (Supervisor Schmidt, im Hauptberuf Polizist, spielt dann gern einmal den brutalen Räuber), Übungen in Gesprächsführung (wie spricht man mit dem Täter?), Coaching mit einem Psychologen (worauf muss ich achten, um später Hinweise auf den Täter geben zu können, und was muss ich beachten, um Eskalation zu vermeiden?).

Mögliche Folgen für Überfallene

Was gleich nach einem Überfall passiert: Ein Notfallseelsorger tritt in Aktion, Betriebsarzt Jens Parpart ist für Betroffene rund um die Uhr ansprechbar.

Nachbereitung: Schmidt organisiert die Nachbereitung. Betroffene finden sich in Gesprächsrunden zusammen, tauschen ihre Erfahrungen aus. Gegebenenfalls werden die Kollegen auch bei Gericht begleitet, fall sie aussagen müssen.

Mögliche Folgen für Überfallene: Posttraumatische Belastungsstörungen können Opfer über Jahre begleiten. Wer gute psychische Werkzeuge und ein intaktes soziales Umfeld hat, sagt Parpart, komme in der Regel schneller darüber hinweg.

Aber schon die Frage, hätte man sich während des Überfalls anders verhalten können, könne Schuldgefühle auslösen. Ängstlichkeit und Depressionen sind als Überfallfolgen bekannt, manchmal müssen Mitarbeiter auf Arbeitsplätze ohne Kundenkontakt versetzt werden.

Selbsthilfegruppen oder Reha-Kuren können nötig sein. Denn so ein Überfall, sagt Schmidt, „das ist brutal wie eine nicht sexuelle Vergewaltigung“.

Sicherheitsgespräch: A. Schüller, D. Schmidt, J. Gückel, R. Hald (v.l.).
 
Drei Überfälle, die glimpflich ausgingen

Die drei Überfälle gingen unterschiedlich aus: mal ohne Beute, mal mit, zuletzt sogar mit hoher Beutesumme.

Dennoch zählen Vorstand Rainer Hald und Sicherheitssupervisor Detlef Schmidt drei Überfälle aus den letzten zehn Jahren auf die Sparkasse als Erfolge auf – Erfolge für ein Sicherheitskonzept, das Eskalation verhindert und das Leben von Menschen schützt:

Überfall auf die Filiale Nonnenstieg, 17. Juni 2004 : Ein Bewaffneter bedroht Mitarbeiter und Kunden. Zwar kann der Bankmitarbeiter vor dem Räuber noch die Tür schließen, er geht aber auf dessen Forderung ein.

Er erklärt, dass das Öffnen des Safes Zeit braucht und Geräusche macht. Ein nervöser Kunde mischt sich ein. Auch der kann beruhigt werden. Der Täter bekommt Geld und flieht.

Überfall auf Filiale Königsberger Straße, 27. September 2013 : Ein Bewaffneter bedroht einen von vier Sparkassenmitarbeitern und fordert Geld. Ihm wird erklärt, dass der Safe mit Zeitschloss gesichert ist. Da bricht er den Überfall ab.

Überfall in Groß Ellershausen am 22. Januar 2014 : Der überfallene, noch allein anwesende Filialleiter entscheidet sich, keinen Alarm auszulösen und schnell auf die Forderung der Räuber einzugehen.

Er hat so eine drohende Geiselnahme verhindert, ehe die Kollegen kommen und die Tat eskaliert.

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Aufmerksame Zeugen

Aufmerksamen Zeugen ist es zu verdanken, dass die Polizei in der Nacht zu Donnerstag einen Einbrecher unweit des Tatorts festgenommen hat. Der 30-jährige Göttinger hatte zuvor das Fenster eines Frisörladens in der Goetheallee aufgehebelt und war in den Laden eingedrungen.

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