Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Nicht richtig lesen und schreiben

Analphabetismus in Göttingen Nicht richtig lesen und schreiben

Schätzungsweise 43000 Menschen im Landkreis Göttingen können nicht richtig lesen und schreiben. Obwohl das für die "funktionalen Analphabeten" erhebliche Einschränkungen bedeutet, gewinnt das Thema erst in jüngster Vergangenheit an Bedeutung.

Voriger Artikel
Schutz vor Böllern zahlt sich aus
Nächster Artikel
Bis zu 2500 Nutzer im Göttinger Freifunk

Etwa 7,5 Millionen „funktionale Analphabeten“ leben in Deutschland. Sie können nicht richtig lesen und schreiben.

Quelle: dpa

Göttingen. Erst 2011 hat die sogenannte "Level-One-Studie" die Größenordnung des Phänomens aufgedeckt: Bundesweit können rund 4,5 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung gar nicht lesen und schreiben. Bei weiteren zehn Prozent sind die Fähigkeiten so gering, dass dies zu drastischen Einschränkungen im Alltag führt. Wenn man die Zahlen auf den Landkreis Göttingem runterrechne, seien das mit etwa 43000 Analphabeten "wahnsinnig viele", findet Gundula Laudin.

Als Leiterin des Regionalen Grundbildungszentrums an der Volkshochschule Göttingen-Osterode kennt sie die Gründe: Manchmal führten gesundheitliche Probleme schon in den ersten Schuljahren zu langfristig verschleppten Defiziten. In anderen Fällen hätten Betroffene zwar vor Jahrzehnten einen Schulabschluss gemacht - die Kompetenzen im Lesen und Schreiben aber über die Jahre wieder verloren. In der heutigen Berufswelt rächt sich das: "Heute muss bei fast jeder Tätigkeit etwas schriftlich dokumentiert werden", erklärt Laudins Kollegin Caroline Kurz.

Im 2012 auf Initiative der Bundesregierung gegründeteten Grundbildungszentrum geht es deshalb um Alphabetisierung auf verschiedenen Niveaus: Manche Kurse setzen bei Buchstaben und einzelnen Wörtern an, Fortgeschrittene nähern sich dann ganzen Sätzen und später längeren Texten. Die Bilanz fällt gemischt aus: "Manche Lernende brauchen nur etwas Hilfe, bei anderern ist es ein sehr langer Prozess", sagt Laudin.

Allerdings profitiert das Grundbildungszentrum ihr zufolge von der größeren Aufmerksamkeit: "Heute können wir ganz selbstverständlich mit Spitzen aus Politik und und Wirtschaft über Analphabetismus sprechen", sagt Laudin. Unter anderem schulen ihre Mitarbeiter mittlerweile die Fallmanager der Jobcenter im Umgang mit Analphebeten. Weil ihr zufolge schätzungsweise 60 Prozent der Analphabeten trotz Problemen berufstätig sind, gehören auch Angebote für Arbeitgeber dazu.

Besonders stolz sind Laudin und Kurz auf das Projekt "Kompass²": Dabei werden Erwerbslose und Geringqualifizierte zu Pflegediensthelfern ausgebildet, samt eines "dicken Nachhilfepakets" zur Alphabetisierung, erklärt Kurz. Das zahlt sich offenbar aus: Mittlerweile seien fast alle Teilnehmer in Beschäftigung, und auch die Rückmeldung der Arbeitgeber sei positiv, sagt Kurz. "Kompass²" ist deshalb zum Modellprojekt geworden und soll bundesweit ausprobiert werden.

Von Christoph Höland

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

Kaum lesen und schreiben zu können, bedeutet auch drastische Einschränkungen im Alltag. Um dem entgegenzuwirken, unterstützt das Grundbildungszentrum verschiedene Projekte in der Region.

- In der Stadtbibliothek bietet eine Sammlung an "Büchern in einfacher Sprache" zum Verleih an

- Beim Göttinger Literaturherbst gab es eine "Lesung in einfacher Sprache"

- Das Grundbildungszentrum gibt gemeinsam mit dem Göttinger Tageblatt den "Durchblick" heraus. Die Zeitung in einfacher Sprache wurde mittlerweile mehrfach ausgezeichnet.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeigenspezial
Der Wochenrückblick vom 11. bis 17. November 2017
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt