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50 Jahre St. Vinzenz in Weende

Am Rande der Feldmark 50 Jahre St. Vinzenz in Weende

Ein halbes Jahrhundert ist die katholische Vinzenzkirche in Weende erst alt, und doch hat sie schon erstaunliche Wandlungen durchgemacht. 1959 lag sie noch am Ortsrand, und ein Schäfer konnte – ein Bild mit Symbolkraft – über das freie Feld hinweg seine Schafe an der Kirche vorbeiführen.

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Der Kirchbau symbolisiert das Zelt als Wohnung Gottes: die Vinzenzkirche in Weende an der nach ihr benannten Straße.

Quelle: Vetter

Heute ist die Kirche längst in den gewachsenen Ort hineingerückt – und die Gemeinde feiert das 50-jährige Bestehen des Gotteshauses.
Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten die Katholiken der noch eigenständigen politischen Gemeinde Weende zum Seelsorgebezirk der Göttinger Kirchengemeinde St. Paulus. In den 1930er Jahren wurden die Gottesdienste in der Volksschule (der heutigen Henneberg-Grundschule) gefeiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Katholiken in Weende durch Heimatvertriebene – vor allem aus Oberschlesien – und durch Flüchtlingen aus der sowjetischen Besatzungszone – vor allem aus dem Eichsfeld – stark an.

1958 gab es knapp 1000 Katholiken in Weende. Ab 1947 stellte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Petri ihre Kirche für die Sonntagsgottesdienste zur Verfügung. Doch der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wurde bei den Katholiken stärker. Ein Kirchbauverein gründete sich. 1959 wurde das Grundstück, am damaligen Flütenweg und Dorfrand gelegen, gekauft. Schon Ende 1960 wurde die Kirche durch Bischof Heinrich Maria Janssen geweiht.

Der Kirchbau symbolisiert das Zelt als die Wohnung Gottes in Anklang an das biblische „Zelt Gottes unter den Menschen“. Über den Haupteingängen ist eine bildliche Darstellung des Kirchenpatrons Vinzenz von Paul (1581-1660) zu sehen. In der Darstellung des Künstlers Heinrich Waldmann wendet sich Vinzenz einem Findelkind und einem Galeerensträfling zu. Der Heilige, selbst durch eine tiefe Glaubenskrise gegangen, erkennt seine Berufung: Er hilft den Ärmsten und bringt ihnen zugleich die frohe Botschaft. Der Heilige gilt als Begründer der neuzeitlichen Caritas.

Zunächst gehörte St. Vinzenz noch zur Gemeinde St. Paulus, 1961 wurde sie zum selbstständigen Seelsorgebezirk erklärt, mit den Orten Bovenden, Herberhausen, Roringen, Nikolausberg und Lenglern. Bis 1982 lag die Gemeinde- und Seelsorgearbeit in den Händen der Franziskaner, denn an St. Vinzenz angegliedert war ein Pfarrkloster der schlesischen Franziskanerprovinz. Dann gaben die Franziskaner Göttingen wegen fehlenden Nachwuchses auf, und die Pfarrstelle ging in die Obhut des Hildesheimer Bischofs.
Kirche und Pfarrheim wurden Schritt für Schritt, je nach den zur Verfügung stehenden Mitteln, ausgebaut. Auch im wachsenden Bovenden stieg die Zahl der Katholiken. 1983 wurde dort durch Weihbischof Heinrich Pachowiak die Filialkirche St. Franziskus geweiht.

Im Rahmen der knapperen Ressourcen geschuldeten Planung des Bistums Hildesheim fusionierten 2008 die beiden Gemeinden St. Vinzenz und St. Paulus. St. Vinzenz ist genauso wie die Filialkirche St. Franziskus wieder ein Kirchort geworden und nach fast 50 Jahren in den Schoß der einstigen Mutterpfarrei zurückgekehrt. Die Gesamtgemeinde ist mit 8800 Mitgliedern die größte Pfarrei im Dekanat Göttingen.

Ein Schwerpunkt im Gemeindeleben von St. Vinzenz ist heute die Arbeit mit Kindern. Außerdem spielt die Kirchenmusik eine große Rolle. Pfarrer Hans R. Haase, seit 2002 in St. Vinzenz tätig und heute Pfarrer der Großgemeinde, erkennt im Foto aus den Anfängen von St. Vinzenz etwas Bleibendes: „Auch wenn heute kein Hirte mehr neben der St.-Vinzenz-Kirche seine Schafe weiden könnte, so bleibt doch das Bild von Jesus, dem guten Hirten, der uns in all den Jahren geführt hat, auch in viele neue Situationen, und der uns auch heute noch führt.“

Haase weist darauf hin, dass auf dem alten Bild rechts neben St. Vinzenz – klein – auch die evangelische Kirche St. Petri zu sehen ist: „Und das macht noch auf etwas Wichtiges aufmerksam: Wir sind als Getaufte alle eine Herde, mit jeweils unterschiedlichem ‚Stallgeruch‘, aber doch dem gleichen Hirten.“ Daher äußert Haase den Wunsch, „dass wir alle immer mehr zusammenwachsen über Konfessionsunterschiede und ehemalige – und auch bestehende – Gemeindegrenzen hinweg.“

  Zwei Festveranstaltungen
  Zum 50-jährigen Bestehen von St. Vinzenz finden zwei Festveranstaltungen statt: Im Gottesdienst am Sonntag, 12. September, um 11 Uhr hält Schwester Maria Teresa Slaby, Generaloberin der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, eine Festansprache. Anschließend gibt es einen Sektempfang. Am Sonntag, 19. September, findet um 10 Uhr ein Festgottesdienst statt. Es gibt eine Dialogpredigt von Pfarrer Hans R. Haase und dem evangelisch-lutherischen Pastor i.R. Wolfgang Petrak. Anschließend gibt es einen Empfang, um 12 Uhr beginnt das Gemeindefest unter dem Motto „Wie in den 60-er Jahren“. Es endet um 17 Uhr mit einem Vespergottesdienst in der Kirche.
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