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Pyrotechnik zwischen Weihnachtsbeleuchtung

Demonstrationszug gegen Polizeigewalt Pyrotechnik zwischen Weihnachtsbeleuchtung

Am Dienstag hat die Polizei-Sonderkommission „Schwarzer Block“ in Göttingen zwei Wohnungen durchsucht. Am Sonnabend zogen rund 600 Demonstranten mit schwarzem Block durch die weihnachtlich geschmückte Göttinger Innenstadt, um gegen diesen Einsatz zu protestieren.

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Bengalo-Feuer auf dem OM-10.

Quelle: Heller

Göttingen. Noch bevor sich die Demonstration gegen 16 Uhr in der Oberen-Masch-Straße in Bewegung setzt, wird im Schein von Bengalo-Feuern ein Plakat mit der Aufschrift „Der Gipfel der Repression“ an der Fassade der Hausnummer 10 gehisst. Gerd Nier (Linke) mahnt als Anmelder zu Gewaltfreiheit. Vermummt sind zu diesem Zeitpunkt fast alle – die einen aus Überzeugung, die anderen wegen der Kälte.

Zum Auftakt berichtet Annette Ramaswamy von ihren Erfahrungen beim G-20-Gipfel in Hamburg und von der Hausdurchsuchung Anfang der Woche in Göttingen. Sie habe protestieren wollen in Hamburg gegen die Ziele der Staatsoberhäupter. Statt dessen habe sie drei Tage im Gefängnis gesessen. Und obwohl sie deswegen gar nicht hatte dabei sein können bei den Krawallen im Schanzenviertel, gerät sie ins Visier der Ermittler. Fünf Monate nach ihrer Hamburgreise hätten am Dienstag 20 Polizisten bei ihr nach Beweisen gesucht und Dinge beschlagnahmt, erzählt sie.

Polizeifeindliche Parolen

Die angemeldete Route führt zunächst in die Goethe-Allee. Hier treten einige Anwohner an ihre Fester. Manche zücken das Smartphone, um die Demo per Foto oder Video zu dokumentieren. Doch die Mehrzahl der Fenster bleibt leer. Je näher sich der Zug der Fußgängerzone nähert, desto lauter wird es. Durchsagen über Lautsprecher und vielstimmige polizeifeindliche Parolen mischen sich mit dem vorweihnachtlichen Innenstadttreiben.

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Linke Aktivisten demonstrieren in Göttingen gegen Polizei-Razzia

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In der Groner Straße werden hektisch Aufsteller in die Läden geschoben, ein Großhändler hat vorsichtshalber seine Schaufester-Jalousien heruntergelassen. Wenige Passanten bleiben stehen, die meisten versuchen dem Demonstrationszug aus dem Weg zu gehen. Ein pöbelnder Passant muss an der Kreuzung zur Weender Straße von drei Polizisten beruhigt werden. Ansonsten bleibt die Szenerie bis hierhin weitgehend friedlich.

In der Roten Straße droht Eskalation

Das ändert sich in der Roten Straße. Auch hier stoppt der Tross, erneut werden Redebeiträge aus dem Lautsprecherwagen übertragen. Verbotene Pyrotechnik und Rauchbomben lassen den schwarzen Block farbenprächtig erscheinen. Feuerwerk wird auch aus den oberen Etagen des Studentenwohnheims Ecke Burgstraße abgefeuert. Während des Spektakels droht kurzzeitig eine Eskalation. Unruhe an der Spitze der Demonstration. Ein junger Mann, der als Ordner der Demonstration fungiert, geht zu Boden.

Wie ein Polizeisprecher kurz danach mitteilt, sei ein größerer Block von knapp 100 Demonstranten auf die vor ihr stehende Polizei gestoßen. Es wird bestätigt, dass ein junger Mann in Gewahrsam genommen wurde. Er habe die Polizei angegriffen und zwei Beamte der Zentralen Polizeidirektion leicht verletzt. Nach Aussage von Augenzeugen soll es sich um den Sohn der Familie Ramaswamy handeln. Eine Sprecherin der Antifaschistische Linke International kommentiert: „Nach der martialisch in Szene gesetzten Hausdurchsuchung hat die Polizei noch einen draufgesetzt und einen unserer Genossen gekidnappt.“

Nach Polizeiangaben wurden gegen den Mann Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung eingeleitet. Er wurde nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt. „Das hat schon was von gezielter Verfolgung einer Familie. Ich halte das nicht mehr für einen Zufall“, sagt Pastor Thomas Harms, der den Demonstrationszug begleitet. Für ihn seien Verhältnismäßigkeiten nicht gewahrt worden, so seine Kritik an dem Polizeieinsatz. Auch Nier zeigt sich im Nachgang der Demo erschüttert: „Gerade dieser junge Mann wirkte federführend dabei mit, dass sich die in einigen Situationen hochkochenden Emotionen im Demonstrationszug wieder beruhigten.“

Demonstration endet vor durchsuchtem Haus

Wenig später wird die Demonstration am Eingang der Lange-Geismar-Straße offiziell aufgelöst – vor einem Haus, das ebenfalls am Dienstag durchsucht wurde. Von hier aus folgt eine Gruppe von 80 Personen dem Aufruf, den Verhafteten in der Polizeiwache an der Groner Landstraße zu besuchen. In Kleingruppen bewegen sich Demonstranten und Polizisten durch die Innenstadt. Nicht ohne Wirkung. Am Weihnachtsmarkt berichtet ein Passant: „Plötzlich sind da ungefähr 20 Polizisten mit Helmen aufmarschiert. Da haben wir uns mit Blick auf die Sicherheitslage in den letzten Monaten schon Gedanken gemacht. Und bin mit meiner Familie sofort gegangen.“

Von den insgesamt rund 600 Demonstranten sind nach Polizeiangaben rund 50 von außerhalb angereist.

Von Markus Scharf und Mark Bambey

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