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70 Bürger, 2100 Tiere und Streit um eine Garage

Niedeck 70 Bürger, 2100 Tiere und Streit um eine Garage

Nur 70 Einwohner, aber 2100 Tiere, viel Platz zwischen den Höfen und kaum ein Haus ohne Wiese und zumindest einigen Viechern: Das schweißt zusammen – auch nach einem Streit, der das kleine Örtchen Niedeck zu spalten drohte. Es geht um eine Garage, die am Donnerstag in einer Bürgeranhörung auch für recht emotionale Beiträge sorgte.

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Landwirtschaftlich geprägt oder eher Wohnort: das Dorf Niedeck mit großen Gärten und Tieren auf fast jedem Hof.

Quelle: Hinzmann

Böse Briefe, auf der Straße schweigen statt Grüße. Bis Mitte dieser Woche war der Frieden in Niedeck zeitweise gestört. Dabei sind sich alle Einwohner, der zuständige Ortsrat Benniehausen, Kommunalpolitiker und Verwaltung der Gemeinde Gleichen in der Sache eigentlich einig. Hintergrund des Konflikts: Ein Hausbesitzer aus Niedeck will eine Garage bauen. Die Gemeinde hat nichts dagegen, der Landkreis als zuständige Bauordnungsbehörde aber lehnt ab. Denn die Siedlung ist als „Außenbereich“ definiert. Hier dürfen nur landwirtschaftliche Gebäude stehen. Um dem Garagenbauer und anderen mit ähnlichen Erweiterungsplänen zu helfen, wollte die Gemeinde für Niedeck eine „Außenbereichssatzung“ erlassen. Dann wären auch nicht-landwirtschaftliche Bauten genehmigungsfähig. Voraussetzung dafür ist, dass der Ort überwiegend zu Wohnzwecken dient, Landwirtschaft hingegen eine untergeordnete Rolle spielt. Das sehen Landkreis und die Gemeinde bei „nur noch“ zwei Voll-Erwerbsbauern und einem Gartenbaubetrieb erfüllt.

Für die Niedecker aber ist der Ort durch die Verteilung der Häuser, Flächenstruktur, Anzahl der Tiere und Ställe sowie durch seine Historie klar landwirtschaftlich geprägt. Dabei verweisen sie auch auf Gerichtsurteile. Ihre größte Sorge bei einer Außenbereichssatzung: Bauen Neubürger Wohnhäuser, könnte es Konflikte geben – zum Beispiel wegen eines Schweinestalls. Bestand und Entwicklung der ländlichen Siedlung wären gefährdet.
Gegen die Garage hat kein Niedecker etwas. Vor der Bürgeranhörung haben sich darum (fast) alle noch einmal getroffen. Ergebnis der Aussprache: Sie wollen gemeinsam für die Garage kämpfen, in erster Linie aber die drohende Satzung verhindern. Ihr erklärter Gegner: der Landkreis Göttingen. Mit diesem Ziel forderten sie am Donnerstag andere und bessere Lösungen für den Garagenbau – und sind dabei nicht alleine. Ratspolitiker wollen jetzt mit ihnen beim Kreis für eine Kompromisslösung werben: eine Außenbereichssatzung, die nur einzelne Höfe umfasst und dort neue Garagen ermöglicht.

Von Ulrich Schubert

Amtsschimmel

Ulrich Schubert

Quelle:

Da wiehert der Paragrafen-Schimmel so laut wie selten. Hätte der Antragsteller einen Kaninchenstall beantragt, wäre der Bau längst genehmigt. Ein Stall ist ja ein landwirtschaftliches Gebäude und außerhalb einer Ortschaft privilegiert. Kein Hahn hätte danach gekräht, wenn irgendwann ein Auto drin gestanden hätte. Aber die Niedecker sind ehrliche Leute. Und genau so ehrlich sagen sie, was sie von Gesetzen halten, die dem einfachen Bürger das Leben schwer und die Zukunft ihrer landwirtschaftlichen Betriebe unsicher machen: nichts! Und sie verdienen Hochachtung, weil sie sich mit 70 Einwohnern auf 14 Hof- und Wohnanlagen nach drohender Spaltung doch zusammengerauft haben. Auch Rat und Verwaltung haben noch die Kurve gekriegt. Sie wollten den Niedeckern mit der Satzungsänderung ja eigentlich was Gutes tun. Als sie Unmut spürten, haben sie ihre Entscheidung aber vertagt und nach der Bürgeranhörung signalisiert, dass sie dem Ort keine ungewollte Satzung überstülpen werden. Am Zug ist jetzt der Landkreis. Er sollte aktiv mit den Gleichenern eine Lösung suchen, die ehrlich und bürgernah ist.

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