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8300 Menschen im Landkreis Göttingen mit zwei oder mehr Jobs

Gewerkschafts-Untersuchung 8300 Menschen im Landkreis Göttingen mit zwei oder mehr Jobs

Mehr als 8300 berufstätige Menschen im Landkreis Göttingen gehen einem Nebenjob nach, um über die Runden zu kommen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Pestel-Institut in Hannover im Auftrag der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat.

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Putzen als Minijob: Immer mehr berufstätige Menschen brauchen einen Nebenjob, um über die Runden zu kommen.

Quelle: Blüher

Göttingen. Demnach ist die Zahl derjenigen, die neben ihrer Hauptbeschäftigung noch einen Mini-Job haben, in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen: „Blickt man zehn Jahre zurück, so hat es eine Zunahme von nahezu 119 Prozent gegeben“, sagt Studienleiter Matthias Günther vom Pestel-Institut. Im vergangenen Jahr hätten sich mehr als acht Prozent der Beschäftigten im Kreis Göttingen mit einem 400-Euro-Job etwas nebenher dazuverdient.

„Wir haben das Phänomen der Multi-Jobber“, erklärt dazu Sebastian Wertmüller, Verdi-Geschäftsführer für die Region Südost-Niedersachsen. „Das sind Menschen, die mit dem Geld, das sie in ihrem Hauptjob verdienen, nicht mehr auskommen. Deshalb müssen sie auf einen oder mehrere Nebenjobs ausweichen, um überhaupt noch über die Runden zu kommen. Aus der purer Lust an einer 55- oder 60-Stunden-Woche macht das jedenfalls keiner.“

Wertmüller macht für das „Multi-Jobben“ vor allem Niedriglöhne verantwortlich: „Auf der einen Seite werden Stundenlöhne bezahlt, die im Keller sind. Auf der anderen Seite steigen die Lebenshaltungskosten. Das beste Beispiel ist das Wohnen. Hier dreht sich – nicht zuletzt wegen der Heiz- und Nebenkosten – die Preisspirale unaufhörlich nach oben.

Da sind Niedrigverdiener gezwungen, nach Feierabend und an den Wochenenden noch einmal zur Zweit-Arbeit zu gehen.“

Verdi und NGG sind sich darüber einig, dass Abhilfe „nur ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn“ schaffen könne: „8,50 Euro pro Stunde – das ist der Mindestpreis, den Arbeit bei uns hat. Wer heute für weniger Geld arbeiten muss, der hat keine Chance, von dem, was er verdient, auch leben zu können“, erklärt Manfred Tessmann, Geschäftsführer der NGG-Region Südost-Niedersachsen.

8,50 Euro Stundenlohn reiche gerade für ein Leben „haarscharf über dem Hartz-IV-Niveau“. Bei niedrigeren Löhnen sei Altersarmut programmiert, so der Gewerkschafter weiter.

Arbeitsagentur bestätigt Studie

Die Göttinger Arbeitsagentur bestätigt die Zahlen der Pestel-Studie. Sie fallen sogar noch etwas schlimmer aus: Die jüngsten Daten – diejenigen für den Monat September 2012 – weisen 8588 Menschen aus, die neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einen der Agentur gemeldeten Nebenjob ausüben, teilt Agentur-Sprecherin Christine Gudd mit.

Betroffen seien 3451 Männer und 5137 Frauen. Im September 2008 waren es 7113 Menschen (2802 Männer und 4311 Frauen). Die Daten unterschieden nicht, ob die Haupttätigkeit Vollzeit- oder Teilzeit ist.

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