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90 Millionen Euro im Eurojackpot

Verhaltener Ansturm in Göttinger Lottoannahmestellen 90 Millionen Euro im Eurojackpot

Der Glücksspielanbieter spricht von einem „Eurojackpot-Sparschwein“, das mit 90 Millionen Euro gefüllt ist und am Dreikönigstag geknackt werden soll. Etwa 18 Millionen Euro werden beim Lotto-Klassiker „6 aus 49“ ausgespielt. Doch der Ansturm der Tipper in der Region ist bisher eher verhalten.

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Quelle: Heller

Göttingen und Region. 90 Millionen Euro, das würde in Ein-Euro-Münzen 756 Badewannen füllen, wie Eurojackpot-Sprecher Axel Weber ausgerechnet hat. „Was will man mit 90 Millionen Euro?“, fragt sich indes Heidrun Oehler, als sie am Donnerstag an der Lotto-Annahmestelle im Edeka-Markt Köhler in Göttingen einen „Quicktipp mit allem Drum und Dran“ für den Eurojackpot abgibt.

Abgeben in Form von Spenden würde die 55-jährige Gelegenheitstipperin auf jeden Fall etwas, wenn sie die 90 Millionen Euro gewinnen würde. Und ein kleines Haus an der Ostsee würde sie sich kaufen, ergänzt die Göttingerin.

90 Millionen Euro gibt es für den richtigen Tipp in der höchsten Gewinnklasse beim Eurojackpot an diesem Freitag zu gewinnen. „Soviel will ich gar nicht gewinnen“, sagt Udo Pein und fügt hinzu: „Geld verdirbt nur den Charakter.“ Der 46-jährige Dransfelder tippt lieber beim Lotto-Klassiker „6 aus 40“ und hofft auf einen Gewinn von „soviel Geld, dass man sich einmal etwas gönnen kann“.

Der große Ansturm von Glücksspielern, die das „Eurojackpot-Sparschwein“ knacken möchten, ist bis Donnerstagnachmittag in vielen Lotto-Annahmestellen in der Region ausgeblieben, wie eine Tageblatt-Umfrage ergeben hat. „Der Andrang hält sich in Grenzen“, sagt zum Beispiel Johannes Jung, der am Duderstädter Westerturm ein Tabak- und Spirituosengeschäft mit Lotto-Annahmestelle betreibt.

Das ist seiner Einschätzung nach bei den meisten Annahmestellen in der Fläche der Fall. Große Jackpots ab 30 Millionen Euro aufwärts würden sich allerdings immer bemerkbar machen, berichtet Jung: „Dann tippen auch Leute, die sonst nicht spielen. Die füllen aber nur wenige Kästchen aus, um einen Blindschuss zu wagen.“

Ähnliche Erfahrungen hat auch Silvia Wandelt, Mitarbeiterin in der Annahmestelle bei Schreibwaren Grischke in Hardegsen, gemacht. „Immer, wenn es einen hohen Jackpot gibt“, sagt sie, „kommen auch Leute, die sonst nicht spielen.“

Etwa zehn Prozent mehr Neukunden habe der 90-Millionen-Eurojackpot zur Abgabe eines Tipps bewogen, schätzt Martina Hagemann, Mitarbeiterin der Annahmestelle im Rewe-Markt in Klein Lengden. „90 Millionen will ja jeder haben“, sagt sie und ergänzt: „Ich habe selbst auch gespielt.“

Sonst würden die Leute schon mal euphorisch, wenn ein hoher Jackpot locke, meint Andrea Uecker, deren Mann Jörg im Kleinen Kaufhaus in Adelebsen eine Lottoannahmestelle betreibt. Diesmal aber, ließen sich die Kunden nicht so sehr von der hohen Gewinnsumme verführen. Es seien eher Stammkunden, die einen zusätzlichen Tipp abgeben.

Etwa zehn Prozent mehr Lottospieler als sonst haben im Osteroder Insel-Kiosk mit Lotto-Annahmestelle bei Ute Brahmann einen Eurojackpot-Tipp abgegeben. Wenn beim „normalen Lotto“ nicht mindestens 20 Millionen Euro im Jackpot seien, locke das allerdings keine zusätzlichen Spieler an, schildert sie ihre Erfahrung.

Das bestätigt auch Anne Jaschewski, Mitarbeiterin in der Lotto-Annahmestelle von Norman Hoffmann im Real-Markt am Göttinger Lutteranger. „Merklich mehr“ Tipper als üblich seien es diese Woche beim Eurojackpot, darunter „Leute, die sonst nicht spielen und denen man beim Ausfüllen helfen muss“.

Gewinnchancen

Wie hoch sind die Chancen auf einen Gewinn? Laut Angaben der Westdeutschen Lotterie GmbH & Co. KG liege die Chance, „bei der Lotterie Eurojackpot den Hauptgewinn (Klasse 1) zu erzielen, „bei 1 : 95 344 200. Und weiter heißt es: „Die Chance auf die niedrigste Gewinnklasse (Klasse 12) liegt bei 1 : 42.“ Auf der Internetseite lotto.de wird unter dem Stichwort Gewinnwahrscheinlichkeit für die Gewinnklasse 1 bei Lotto „6 aus 49“ (sechs Richtige plus Superzahl) eine Chance von 
1 : 138 838 160 angegeben.

 

Was ist zu beachten, um nicht in die Sucht abzudriften?

"Glücksspiel kann süchtig machen" - darauf weisen auch Lotto-Anbieter hin. Was also sollten Lotto-Spieler beachten, um nicht in die Sucht abzudriften? Das erklären Verena Freynik und Uta Dohrmann von der Göttinger Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonieverbandes Göttingen im Interview.

Lotto und die Lotterie Eurojackpot sind bei vielen Menschen sehr beliebt. Besteht auch in diesen Fällen die Gefahr, eine Spielsucht zu entwickeln und worin liegen die Gefahren dabei genau?
Freynik: Das regelmäßige Spielen von Lotto oder Eurojackpot kann wie jede andere Glücksspielart zu einer Abhängigkeit führen. Lotto und Eurojackpot zählen jedoch zu den Glücksspielen mit einem eher geringen Gefährdungspotenzial, da hierbei keine schnelle Spielabfolge besteht.

Die Abstände zwischen den einzelnen Spielen sind relativ groß im Gegensatz zudenen an Geldspielautomaten oder bei Casinospielen. Aber was sind überhaupt Glücksspiele? Spiele mit einem Einsatz, bei denen Gewinn und Verlust vom Zufall abhängen. Einen besonderen Anreiz mitzuspielen schafft die Höhe der möglichen Gewinne.

Ein Beispiel dafür wäre der aktuell sehr hohe Lotto-Jackpot. Häufige kleine Gewinne oder Fast-Gewinne verstärken die Erwartung, beim nächsten Mal den Jackpot zu knacken. Das motiviert uns, erneut zu tippen. Die Möglichkeit, kleine Einsätze zu tätigen, senkt die Hemmschwelle beim Glücksspiel mitzumachen. Die Tatsache, dass Lottoannahmestellen weit verbreitet sind und somit das Glücksspiel leicht verfügbar ist, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen es nutzen. Durch die Möglichkeit, den Lottoschein online auszufüllen, besteht ein noch schnellerer Zugang zum Glücksspiel. Die Chancen aber sind sehr gering.

Was sollten Lotto-Spieler beachten, um nicht spielsüchtig zu werden?
Dohrmann: Regelmäßigkeit vermeiden. Nimmt jedoch das Spielen einen großen Stellenwert im Lebensalltag ein, sollte es überdacht werden. Das könnte daran bemerkt werden, dass sich die Gedanken häufig um das Spielen drehen oder es als sehr belastend erlebt wird, wenn eine Verlosung verpasst wird.

Bedenklich wird es bei Lotterien oder anderen Glücksspielen auch, wenn Spieler mehr Geld ausgeben, als sie besitzen. Deswegen ist es empfehlenswert, sich beim Spielen ein finanzielles Limit zu setzen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass es ein Spiel ist und durch nichts beeinflusst werden kann. Es sollte auch nicht davon ausgegangen werden, dass es in jedem Falle irgendwann zu einem größeren Gewinn kommen wird. Ein wichtiger Hinweis ist auch, dass ein Geldgewinn nicht automatisch dazu führt, dass der Gewinner glücklicher ist, als zuvor.

Würden Sie also generell vom Lotto-Spielen abraten?
Freynik: Gelegentliches Glücksspiel ist unproblematisch. Dennoch ist zu überlegen, ob es nicht ein besserer Gewinn sein könnte, das Geld für andere Dinge zur Verfügung stehen zu haben. Vielleicht für einen Shoppingnachmittag, einen Besuch im Schwimmbad oder ein Essen im Restaurant mit guten Freunden.

Haben Sie auch Menschen in der Beratung, die Lotto-spielsüchtig sind und welche Probleme haben diese?
Dohrmann. Bisher haben noch keine Lotto-Spieler unsere Suchtberatung oder ambulante Rehabilitation für Suchtkranke in der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonieverbandes Göttingen in Anspruch genommen. Das bedeutet nicht, dass es keine Glückspieler gibt, die regelmäßig Lotto spielen.

Die Betroffenen haben einen geringeren Leidensdruck, als zum Beispiel Automatenspieler oder Casinobesucher, da die Geldverluste sich in einem kleineren Rahmen bewegen und nicht in kürzester Zeit entstehen. In unserer Gesellschaft wird das Lotto-Spielen auch nicht als problematisch angesehen, sodass es wahrscheinlich in den wenigsten Fällen zu sozialen Folgen kommen wird.

Diese und andere Folgen des Glückspielens würden den Spieler jedoch wahrscheinlich langfristig dazu motivieren, das Spielen einzustellen und sich gegebenenfalls dabei Unterstützung suchen. Im Rahmen unserer Suchtprävention wird das Lotto-Spielen jedoch berücksichtigt. In der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention bin ich für Glücksspielprävention sowie die Beratung und Behandlung von Betroffenen verantwortlich.

Interview: Andreas Fuhrmann

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