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„Academisches Museum“ und Scharfrichter

Geschichtsverein „Academisches Museum“ und Scharfrichter

Die Universität Göttingen besitzt heute mehr als 20 Sammlungen, die zum Teil noch Objekte aus der frühen Zeit des „Academischen Museums“ enthalten. Mit der Geschichte dieses Museums, das von 1773 bis 1878 bestand, befasst sich Christine Nawa in einem Beitrag für das Göttinger Jahrbuch 2010.

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Am Leinekanal: Zeichnung von Friedrich Besemann um 1820. Links von der Brücke ist das Akademische Museum zu sehen, ganz links das Michaelishaus und dazwischen die Paulinerkirche. Im Hintergrund erhebt sich der Turm von St. Marien, rechts steht das Grätzelhaus.

Mit dem Museum sei eine in der Programmatik der Aufklärung wurzelnde Institution geschaffen worden, so Nawa. Von Beginn an habe sich das Museum sowohl einem akademischen wie auch einem außerakademischen Publikum geöffnet. Im 18. Jahrhundert wandelte sich der Umgang mit Sammlungen grundlegend, so die Autorin: „Von Objekten des Bestaunens und Bewunderns wurden sie zu Werkzeugen des Erkenntnisgewinns, die in steigendem Maße einem breiteren Publikum geöffnet wurden.“ Fürstliche und bürgerliche Sammlungen wurden zunehmend abgelöst durch öffentlich zugängliche Museen, deren spezifische Strukturen sich allerdings erst langsam herausbildeten. Genau an diesem Wendepunkt entstand das Academische Museum. Als der Naturforscher Prof. Christian Wilhelm Büttner 1773 sein privates Naturalienkabinett mit „Mineralien, Hölzern, Pflanzen, Thieren, edlen Steinen, ausländischen Kunstsachen und Münzen“ an die Universität verkaufte, wurde dies zum Grundstock des Museums. Zu den Sammlungszugewinnen des Museums zählte noch im 18. Jahrhundert die berühmte Cook-Sammlung mit ihren Kunst- und Kulturexponaten aus der Südsee. Solch spektakuläre Zugewinne und Werbung machten das Museum rasch bekannt. Es wurde von prominenten Gästen, die in der Stadt weilten besucht. Das Wachsen der Sammlung ging allerdings auch mit einer zunehmenden Spezialisierung einher. Die einzelnen Teilsammlungen wurden über die Stadt verteilt und weitgehend selbstständig.

1877/78 wurde das neu erbaute Naturhistorische Museum bezogen, zugleich das alte Museumsgebäude abgebrochen. Damit wich das akademische Museum dem Naturhistorischen, das Teil einer Gründungswelle derartiger Museen im 19. Jahrhundert war. In diesem Museum fanden nach dem Ausscheiden der medizinischen Teile die zoologische, mineralogische und ethnographische Sammlung wieder zusammen. Die Geschichte dieses Museums steht laut Nawa noch aus.

Ein weiterer Beitrag im Jahrbuch befasst sich mit Scharfrichtern in Göttingen. Detlev Jaeger weist darauf hin, dass die letzte öffentliche Hinrichtung in Göttingen nur rund 150 Jahre zurückliegt. Das Urteil an der Giftmörderin Friederike Lotze wurde 1859 auf dem Leineberg vollstreckt. Im Mittelpunkt des tödlichen Schauspiels stand Christian Schwarz, der seit 1844 in Hannover tätig war und die Hinrichtung vollzog. Das Städtische Museum Göttingen beherbergt unter anderem auch ein Richtschwert. Jaeger liefert Informationen zur sozialen Situation der Scharfrichter und nennt Göttinger Familien, die diesen Beruf ausübten.

In weiteren Beiträgen im Jahrbuch geht es um einen Göttinger Silberbecher aus dem 17. Jahrhundert, um Jacob Henle, der als Professor für Anatomie und Physiologie von 1852 bis 1885 an der Universität Göttingen wirkte, um die Restaurierung der Göttinger Jacobikirche von 1880 bis 1901, um die Arbeitsstelle Niedersächsisches Wörterbuch sowie um die deutsche Luft- und Raumfahrtforschung und das im Aufbau begriffene Zentrale Archiv des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Göttingen.
Darüber hinaus enthält das Jahrbuch Fundberichte zu Ausgrabungen, eine Chronik der Stadt Göttingen für das Jahr 2009 und Tätigkeitsberichte von Institutionen und Vereinen, die mit der Erforschung der Geschichte der Region befasst sind.

Das Göttinger Jahrbuch wird herausgegeben vom Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung. Es hat 200 Seiten und kostet 16 Euro.

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