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Älteste Blockflöte Europas befindet sich in Göttingen

700 Jahre altes Instrument Älteste Blockflöte Europas befindet sich in Göttingen

Advent und Weihnachten sind eine ganz besondere Zeit, auch in akustischer Hinsicht. Zu keiner anderen Zeit des Jahres sind so viele Blockflötenkonzerte zu hören. Die Blockflöte ist das Weihnachtsinstrument schlechthin. Auf ihr musizieren die Kinder bei den Adventsfeiern der Kindergärten und Schulen und zu Hause unterm Tannenbaum. Blockflöten gibt es bereits seit vielen Jahrhunderten, allerdings haben sich nur wenige historische Instrumente erhalten. Die Musikinstrumentensammlung der Universität Göttingen beherbergt eine ganz besondere Rarität: Dort lagert die älteste Blockflöte Europas.

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Auf ihr wurde vor 700 Jahren in Göttingen musiziert: Klaus-Peter Brenner zeigt die älteste Blockflöte Europas.

Quelle: Rink/pid

Die aus dem 14. Jahrhundert stammende Flöte ist sowohl für die Musik- als auch für die Göttinger Stadtgeschichte ein wichtiger Fund. Archäologen hatten sie 1987 auf einem Grundstück in der Weender Straße gegenüber dem Alten Rathaus ausgegraben. Damals war beim Umbau eines Ladengeschäftes ein mittelalterlicher Keller entdeckt worden. Bei weiteren Erkundungen im Hofbereich entdeckten die Archäologen drei Kloaken, in einer lag die Flöte.

Der Fund war eine kleine Sensation. In ganz Europa gibt es nur zwei vergleichbare Flöten aus dem Mittelalter. Eine wurde im niederländischen Dordrecht, eine weitere im süddeutschen Esslingen gefunden. „Die Göttinger Flöte gilt als die älteste“, sagt der Kustos der Musikinstrumentensammlung, Klaus-Peter Brenner. „Sie ist ein beeindruckendes Beispiel handwerklicher Kunst und instrumentenbaulicher Raffinesse.“

Die aus Obstbaumholz gefertigte Flöte befand sich in einem bemerkenswert guten Zustand. Lediglich ein Teil des Mundstücks war abgesplittert. Vermutlich war dies auch der Grund dafür, dass die Flöte in der Latrine gelandet war. Diese Art der Entsorgung erwies sich als archäologischer Glücksfall: Rund 700 Jahre lag die Flöte dort in feuchtem Milieu unter Luftabschluss. Diese günstigen Lagerbedingungen verhinderten, dass das Holz Risse bekam und verrottete.
Nach der Bergung musste das Instrument schnellstmöglich konserviert werden. Spezialisten des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven behandelten das 700 Jahre alte Instrument mit Polyethylenglykol, einem Kunstwachs, das sie auch bei der Konservierung der berühmten Hansekogge verwendet hatten. Rund ein Jahr dauerte die Prozedur, dann war da

s Holz stabilisiert. Außerdem wurde ein Replikat des Instruments angefertigt, das ebenfalls in der Sammlung ausgestellt ist. Brenner spielt eine Melodie darauf: „Sie hat einen sehr süßen Klang.“
Auch wenn schon im Mittelalter auf der Blockflöte musiziert wurde, erlebte die Blockflöte ihre Blütezeit in der Renaissance und im Barock. Im 18. Jahrhundert wurde sie von der Querflöte verdrängt und geriet völlig in Vergessenheit. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Instrument wieder entdeckt, als man sich um die Wiederherstellung der historischen Aufführungspraxis bemühte. Im 20. Jahrhundert wurde die Blockflöte dann zum Standard-Schulinstrument.
In einem Punkt unterscheidet sich die Göttinger Blockflöte von heutigen Instrumenten: Das unterste Loch für den kleinen Finger gibt es gleich zweimal. Je nachdem, ob jemand Rechts- oder Linkshänder war, wurde das zweite Loch mit Wachs zugestopft. Heute gibt es nur noch die Variante für Rechtshänder.

Von Heidi Niemann

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