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Älteste Göttingerin feiert heute Geburtstag

Gertrud Henze Älteste Göttingerin feiert heute Geburtstag

Vom elften Stock des GDA Wohnstifts aus bietet sich ein prächtiger Blick über Göttingen. Die Sonne scheint. Gertrud Henze sitzt in ihrem gut geheizten Einzimmerappartement und studiert die Post. Dicke Pakete, kleine Briefe, ein Umschlag ist mit goldenen Sternen verziert. Vielleicht schon die ersten Glückwünsche. Immerhin wird die rüstige Dame mit dem schneeweißen Haar am Dienstag 108 Jahre alt. Die älteste Göttingerin ist sie, eine der ältesten 50 Deutschen obendrein.

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Rüstig und lustig: Gertrud Henze.

Quelle: Hinzmann

„Was wollen Sie denn noch erfahren“, fragt sie keck – wohl wissend, dass das Tageblatt auch in den vergangenen Jahren über sie berichtete – und weist auf einen leeren Stuhl. Ohne die Frage jedoch abzuwarten, redet sie drauf los, erzählt von einem Oberschenkelhalsbruch, den sie sich vor einigen Monaten bei einem Sturz auf dem Balkon zugezogen habe. „Aber ich habe es geschafft, wieder auf die Beine zu kommen.“ Sie berichtet von ihrem Geburtsort Rügen, ihrer späteren Heimat Goslar, ihren Ausbildungen zur Krankenschwester und 20 Jahre später zur Bibliothekarin. Denn „ich konnte schon mit vier Jahren lesen“.

Dann widmet sie sich wieder ihrer Post, als sei das alles Schnee von gestern. „Können Sie das eigentlich lesen, was Sie da schreiben“, fragt sie plötzlich und lugt in den Notizblock, der ihr bereitwillig gezeigt wird. „Trösten Sie sich“, sagt sie, als sie merkt, dass die Schrift mehr als miserabel ist, „was ich schreibe, kann auch keiner lesen“. Dann lacht sie laut auf, ein helles, freundliches Krächzen. Unheimlich ansteckend.

Und der nächste Lacher lässt nicht lange auf sich warten. Sie sei ja wie erwähnt für ihr Leben gern Bibliothekarin gewesen, sagt die älteste Göttingerin. Und auch ihre beiden Schwester hätten bekommen, was sie sich gewünscht hätten: Die eine war Lehrerin, die andere war Psychologie-Professorin. Letztere sei zudem verheiratet gewesen. „Die hat die Psychologie auch gebraucht“, sagt Gertrud Henze und klopft sich auf die Schenkel.

Sie war nie verheiratet. „Ich habe immer meine Freiheit gehabt“, sagt sie und meint das durchaus ernst. Das sei im Übrigen auch der Grund, warum sie so alt geworden ist. „Ich habe keinen Ärger gehabt.“

Dabei gibt es genügend Dinge, über die sie sich aufregen kann. Ihre tote Katze durfte sie einst zum Beispiel nicht im eigenen Garten beerdigen. Von ihren ehemals mehr als 5000 Büchern sind ihr nur ein Schrank voll geblieben. Und alle würden behaupten, behauptet sie, dass sie so jung geblieben sei. „Das mag ich gar nicht. Ich will doch auch wie 108 aussehen“, erklärt sie. Außerdem sei sie um acht Zentimeter geschrumpft.

„Rauchen Sie eigentlich“, fragt sie plötzlich und holt einen kleinen Messingaschenbecher und eine Schachtel Marlboro hervor. „Hier dürfen Sie nämlich. Ich rauche seit 90 Jahren.“

Von Andreas Fuhrmann

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